Starkzehrer richtig versorgen – Nährstoffe, Timing und Beetplanung

Starkzehrer Kürbis

Wächst und gedeiht dein Garten oder gibt es irgendwo Probleme? Auch wenn alles auf den ersten Blick gut aussieht, kann es sein, dass so manche Pflanze hinter deinen Erwartungen bleibt. Du gießt regelmäßig, Schädlinge sind nicht zu entdecken und die Pflanzen sehen gesund und munter aus – und trotzdem bleiben die Früchte mickrig, es wachsen kaum Blüten und viele Pflanzen sind kleiner als gedacht. Bei vielen Kulturen ist die Erklärung erstaunlich unspektakulär: Es werden einfach zu wenige Nährstoffe gegeben, um das Tempo der Pflanze aufrechtzuerhalten.

In der Regel handelt es sich dabei um sogenannte Starkzehrer, also um Pflanzen, die kräftig wachsen, viel Blattmasse bilden und über Wochen Blüten oder Ertrag liefern. Aber eben nur dann, wenn sie ausreichend Nährstoffe bekommen. Diese „Leistungssportler“ im Beet und im Kübel wollen wir hier mal etwas näher betrachten.

Starkzehrer – daran erkennst du Nährstoffprobleme zuerst

Nicht jeder gelbe Blattzipfel ist gleich ein Drama, aber es gibt typische Muster, die bei hungrigen Pflanzen immer wieder auftauchen. Bevor du aber direkt zum Dünger greifst, checke erst einmal folgende Punkte:

  • Das Wachstum stockt, obwohl die Pflanze am passenden Standort steht und du sie ausreichend mit Wasser versorgst.
  • Die Blätter wirken irgendwie blass und die Pflanze will nicht so recht weiterwachsen.
  • Blüten und Früchte setzen nur zögerlich an und bleiben deutlich hinter dem, was sie leisten könnten.
  • Obwohl die Erde noch gut aussieht, kippt die Vitalität gerade im Blumenkübel besonders schnell.
  • Nach einem Wachstumsschub folgt sehr schnell eine Phase, in der die Pflanze sichtbar abbaut.

 

All das sind Hinweise darauf, dass die Pflanze zu wenig Nährstoffe bekommt. Aber Achtung: Es kann auch zu viel des Guten sein. Werden Starkzehrer überdüngt, dann bilden sie zwar üppiges, aber weiches Grün und Blüten und Ertrag bleiben dennoch hinter den Erwartungen.

Was Starkzehrer auszeichnet

Starkzehrer sind Pflanzen, die in relativ kurzer Zeit viel Biomasse aufbauen oder lange liefern sollen. Das kostet natürlich Nährstoffe. Besonders im Gemüsebeet fällt das auf, weil du dort meist jedes Jahr neu bepflanzt und die Pflanzen dem Boden über die Saison hinweg einiges abverlangen. Zwei Dinge sind dabei entscheidend:

  1. Starkzehrer brauchen eine stabile Grundversorgung.
  2. Starkzehrer profitieren von gleichmäßigem Nachschub, statt von selteneren XXL-Düngergaben.

 

Pauschal lässt sich das natürlich nicht auf jeden Starkzehrer sagen, denn je nach Sorte, Ertragsziel und Standort kann eine Kultur stärker oder moderater zehren. Trotzdem ist das Prinzip als Orientierung hilfreich.

Der Nährstoff-Kompass – das brauchen Starkzehrer typischerweise

Starkzehrer benötigen in der Regel drei Hauptnährstoffe plus Spurenelemente.

Stickstoff
  • Ist für das Blatt- und Triebwachstum zuständig.
  • Fehlt er, kommt die Pflanze nur schwer in Gang.
Phosphor
  • Unterstützt vor allem die Wurzelentwicklung.
  • Außerdem ist der Nährstoff für den Energiehaushalt, die Blüte und den Fruchtansatz zuständig.
Kalium
  • Stabilisiert den Wasserhaushalt.
  • Fördert die Widerstandskraft.
  • Spielt bei der Fruchtqualität und dem Ausreifen eine große Rolle.
Spurenelemente
  • Dazu gehören etwa Eisen, Mangan, Zink und Bor, die allerdings nur in kleinen Mengen gebraucht werden.
  • Sie sind für die zentralen Stoffwechselprozesse wichtig, was gerade in ausgelaugten und schwierigen Böden wichtig ist.

Ebenso wichtig wie die Nährstoffe sind Bodenstruktur und pH-Wert. Also nicht nur die Menge, sondern auch, ob die Pflanze die Nährstoffe überhaupt aufnehmen kann. Solltest du immer wieder dieselben Probleme trotz guter Düngung haben, dann ist eine Bodenanalyse alle paar Jahre durchaus sinnvoll.

So wird dein Boden zum Nährstoffspeicher

Düngen funktioniert am besten, wenn der Boden die Nährstoffe überhaupt speichern kann. Ein Boden mit Humus und aktiver Bodenbiologie hält das Wasser besser, bindet Nährstoffe und gibt sie gleichmäßiger ab. Das ist für Starkzehrer Gold wert. Daher solltest du deinen Boden entsprechend vorbereiten:

  1. Arbeite reifen Kompost ein, am besten bereits im Herbst, direkt nach der Ernte.
  2. Damit der Boden nicht austrocknet, bietet sich das Mulchen mit Rasenschnitt, Laub oder gehäckseltem Material an.
  3. Vermeide Bodenverdichtungen – statt dauerhaft umzugraben lockere ihn lieber öfter mal.
  4. Bei sandigen Böden solltest du konsequent organische Substanz, wie etwa reifen Kompost, Laubhumus, Laubkompost, Rindenhumus oder Grünschnitt einbringen, weil Nährstoffe sonst schnell ausgewaschen werden.
  5. Bei schweren Böden bitte auf die Struktur achten, damit Wurzeln Luft bekommen und Wasser nicht steht. Das bedeutet, dass der Boden nicht zu fest wird. Erreichen kannst du das zum Beispiel durch Mulchen, groben Sand zusammen mit organischem Material einarbeiten oder nicht im nassen Zustand bearbeiten.

 

Im Kübel gelten dieselben Regeln, nur sind sie hier strenger. Drei Dinge sind hier besonders wichtig: Die Topfgröße muss ausreichend sein, die Erde hochwertig und es muss eine Drainage vorhanden sein, damit Wasser nicht dauerhaft im Wurzelbereich steht. Wenn Starkzehrer im Kübel schwächeln, ist meist nicht der Dünger das Thema, sondern schlicht zu wenig Substrat.

Düngen nach Wachstumsphase – 3 Zeitfenster, um deinen Alltag zu erleichtern

Starkzehrer benötigen nicht permanent denselben Nährstoffmix. 3 Zeitfenster sollen die dabei helfen:

  1. Startphase: Die Pflanze soll anwachsen und stabil werden. Eine gute Grundversorgung ist wichtiger, als Schnellschüsse. Zu starkes Düngen nach dem Pflanzen kann eher stressen als helfen.
  2. Hauptwachstumsphase: Jetzt zählt ein gleichmäßiger Nachschub. Wichtig sind organische Langzeitgaben und eine moderate Ergänzung anstatt hektischer „Rettungsdüngungen“.
  3. Blüten- und Fruchtphase: Verständlich, dass man Pflanzen bei der Blüten- oder Fruchtbildung unterstützten möchte, aber „mehr“ ist dabei nicht die Lösung. Viele Starkzehrer brauchen jetzt eher eine ausgewogene Versorgung und profitieren von Kalium. Stickstoff sollte reduziert werden, da sonst nur noch Blattmasse produziert wird.

 

Kurz gesagt: Erst die Basis, dann regelmäßig düngen und in der Blüh- und Erntephase kein Stickstoff mehr.

Die Versorgung nach Kulturform

Hier die wichtigsten 4 Kulturformen auf einen Blick:

Kulturform Basis zum Start Laufende Versorgung
Beet Kompostgabe, Boden lockern, gegebenenfalls organische Langzeitdünger verwenden Je nach Kultur moderat nachdüngen, gleichmäßig feucht halten, mulchen
Hochbeet Gute Kompostschicht für den Beginn, hochwertige Füllung, Startdüngung eher früher Regelmäßiger düngen als im Beet, weil Hochbeete schneller austrocknen
Kübel Hochwertige Erde verwenden, genügend Volumen, Drainage nicht vergessen Lieber kleine, regelmäßige Gaben als selten große, Substrat im Blick behalten
Gewächshausbeet Bodenpflege über Kompost und organische Substanz Konsequent, aber nicht überziehen, bei intensiver Nutzung regelmäßig kontrollieren

Starkzehrer – Rotation leicht gemacht

Starkzehrer entnehmen dem Boden nicht nur viele Nährstoffe, sie erhöhen bei Daueranbau auch das Risiko für standorttypische Probleme wie Bodenmüdigkeit, erhöhtes Risiko für Krankheiten und Schädlinge und eine verschlechterte Bodenstruktur. Eine Rotation ist deshalb eine einfache Möglichkeit, Boden und Pflanzen gesund zu halten.

Modell mit 3 Beeten

Für die Rotation ist das Modell mit 3 Beeten ideal. So funktioniert´s:

  • 1. Jahr: Starkzehrer in Beet A
  • 2. Jahr: Starkzehrer in Beet B
  • 3. Jahr: Starkzehrer in Beet C

Danach beginnt der Kreis wieder von vorne.

Modell mit 2 Beeten

Nicht ganz so einfach, aber auch kein Hexenwerk ist das Modell mit 2 Beeten:

  • 1. Jahr: Starkzehrer in Beet A, Beet B wird moderater bepflanzt (Schwachzehrer)
  • 2. Jahr: Starkzehrer in Beet B, Beet A bekommt Bodenpflege oder eine Erholungsphase
  • 3. Jahr: Starkzehrer wieder in Beet A und das Spiel beginnt von Neuem

Die Kernaussage ist also klar: Starkzehrer sollten niemals Jahr für Jahr am selben Platz stehen.

Starkzehrer – was gehört alles dazu?

Damit du bei deiner Gartenplanung nicht raten musst, hier eine umfangreiche Übersicht, welche Pflanzen zu den Starkzehrern gehören:

Gemüse
Kräuter
Obst
  • Erdbeeren
  • Himbeeren
  • Brombeeren
  • Stachelbeeren
  • Johannisbeeren
  • Heidelbeeren
  • Weintrauben
  • Obstbäume wie Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Aprikose
Zierpflanzen

Hinweis: Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und auch kein unantastbares Gesetz, denn bei manchen Arten hängt die Einordung von der Sorte und der Kulturführung (zum Beispiel Anbauform, Bewässerung, Düngung, Schnitt- und Pflegemaßnahmen) ab.

Starkzehrer – die 3 wichtigsten Punkte

Wenn die Basis im Boden oder im Kübel stimmt und du im Saisonverlauf passend nachlegst, danken es dir deine Starkzehrer mit viel Ertrag und tollen Blüten. Wenn du dagegen nur reagierst, sobald die Pflanzen nicht das tun, was du möchtest, dann rennst du meist hinterher. Also: Mit einer guten Grundversorgung, einem gleichmäßigem Dünge-Rhythmus und etwas Rotation wird das Ganze die Erfolge haben, die du dir erwartest.