Du gräbst im Beet, findest ein verdicktes Etwas und fragst dich: „Darf das drinbleiben?“ „Muss das raus?“ „Und was ist das überhaupt?“ Knollen, Zwiebeln und Rhizome sind im Garten echte Überlebenskünstler. Sie helfen den Pflanzen, eine Pause einzulegen, bunkern Energie und legen im passenden Moment wieder los. Wenn du einmal verstanden hast, was du da in der Hand hältst, wird vieles leichter: teilen, setzen, überwintern und ernten.
Warum Pflanzen unterirdische Vorratslager bauen
Die meisten Pflanzen haben Wurzeln, andere sogenannte Überdauerungsorgane. Diese sind eine clevere Mischung aus Speisekammer und Rettungsboot. Sie helfen vor allem dann, wenn die Pflanze regelmäßig harte Zeiten überbrücken muss. Dazu zählen Winterkälte, Sommerdürre und kurze Vegetationsfenster. Zu den typischen Vorteilen gehören:
- Sie speichern Energie (meist als Stärke oder Zucker), damit die Pflanze nach der Pause schnell wieder loslegen kann.
- Sie bringen Knospen mit, also den perfekten Start für neue Triebe – das spart Zeit beim Wachstum.
- Sie liegen geschützt im Boden und sind weniger den Bedingungen ausgeliefert als empfindliche oberirdische Pflanzteile.
- Viele Arten können sich damit nebenbei vermehren, ohne dass du Samen aussäen musst.
Der Schnelltest: Was hast du da in der Hand?
| Überdauerungsorgan | Woran du es erkennst | Typischer Umgang im Garten |
| Knolle |
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Je nach Art: stecken oder legen, nasse Kälte lässt Knollen schnell faulen, viele Knollen lassen sich teilen |
| Zwiebel |
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Spitze nach oben, nach der Blüte Laub stehen lassen, empfindliche Arten frostfrei lagern |
| Rhizom |
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Flach und waagrecht pflanzen, Ausbreitung im Blick behalten, teilen geht bei vielen Rhizomen unkompliziert |
Knollen – nicht alles, was dick ist, ist automatisch dasselbe
Im Gartenjargon wird schnell alles als Knolle bezeichnet. Beim Umgang mit Knollen ist es aber gut zu wissen, welche Art du vor dir hast, weil du sie nicht alle gleich vermehren kannst. Manche treiben aus fast jedem Stück wieder aus, bei anderen klappt das nur, wenn am Stück ein Austriebspunkt sitzt.
Stängelknollen (klassisch: Kartoffel)
- Du erkennst sie an den Augen: Das sind Knospen, aus denen dann die Triebe entstehen.
- Teilen ist möglich, aber nur, wenn jedes Stück mindestens ein Auge hat.
- Sie reagieren empfindlich auf dauerhaft nasse Erde, besonders bei kühlen Temperaturen.
Wurzelknollen oder Speicherwurzeln (häufig: Dahlie, Süßkartoffel)
- Sie speichern hervorragend, haben aber nicht automatisch überall Austriebspunkte.
- Beim Teilen ist entscheidend, dass ein Stück vom Wurzelhals oder ein sichtbarer Austriebansatz dabei ist.
- Beschädigungen faulen bei falscher Lagerung schneller weg – hier lohnt sich vorsichtiges Arbeiten.
Zwiebeln – Vorrat in Schichten und Geduld nach der Blüte
Zwiebeln speichern in fleischigen Blattschuppen. Außen sitzt meist eine trockene Hülle als Schutz. Das funktioniert im Garten seit Ewigkeiten, aber es hat eine Konsequenz: Nach der Blüte braucht die Zwiebel Zeit, um wieder aufzutanken. Das solltest du dir merken:
- Blütenstängel kannst du abschneiden, wenn sie stören, das Laub aber sollte bleiben, bis es vergilbt. So kann die Zwiebel Energie aus den Blättern ziehen.
- Zu frühes Entfernen des Laubs rächt sich im nächsten Jahr mit einer schwächeren Blüte.
- Staunässe ist der Feind: Zwiebeln mögen es lieber etwas zu trocken als dauerhaft zu nass.
Rhizome – Speicher und Wachstum in einem
Rhizome sind unterirdische, meist waagreicht wachsende Sprosse. An Knoten bilden sie Wurzeln und Triebe. Das macht sie robust – und bei manchen Arten auch ziemlich ausbreitungsfreudig. Darauf kommt es im Gartenalltag an:
- Rhizome werden eher flach gesetzt und mögen lockere Böden, sonst droht Fäulnis.
- Viele Rhizom-Pflanzen lassen sich gut teilen, solange jedes Stück mindestens eine Knospe oder einen Triebansatz hat.
- Bei stark wandernden Arten ist Begrenzen entspannter, als dauerhaftes Ausgraben.
Pflanzen, Pflegen, Ernten, Lagern in der Praxis
Damit du im Garten schnell entscheiden kannst, haben wir hier für dich die wichtigsten Handgriffe zusammengefasst.
Knollen im Beet – so bleiben sie gesund
- Setze Knollen in einen lockeren Boden mit einer guten Drainage. Wenn dein Boden schwer ist, helfen grober Kompost oder strukturgebende Materialien wie grober Sand, Splitt, Lavagranulat, Blähton etc. So kann Wasser besser ablaufen.
- Gieße lieber regelmäßig kleine Mengen, als einmal und dann zu viel. Knollen faulen leichter, wenn sie nach dem Gießen lange kalt und nass stehen.
- Grabe sie aus, wenn das Kraut sich einzieht oder abstirbt (je nach Pflanze). Dann haben viele Knollen ihre Reserven aufgefüllt und sind lagerfähiger.
Zwiebeln – die drei wichtigsten Schritte im Jahr
- Pflanztiefe grob: 2 bis 3 Mal so tief, wie die Zwiebel hoch ist.
- Nach der Blüte: Blütenstände abschneiden, Laub dran lassen, bis es vergilbt ist.
- Lagere frostempfindliche Zwiebeln trocken und luftig, weiche oder schimmlige Exemplare werden aussortiert. Frostharte Zwiebeln können in der Erde bleiben.
Rhizome – flach einpflanzen und Platz einplanen
- Setze Rhizome waagrecht und eher flach in die Erde, mit den Knospen nach oben.
- Halte frisch gesetzte Rhizome regelmäßig feucht, ohne den Boden zu vernässen.
- Wenn sich eine Art stark ausbreitet, solltest du früh entscheiden, ob du ihr mehr Raum gibst oder eine Begrenzung setzt.
Was bleibt im Boden und was muss raus?
Am liebsten würde man alles im Boden lassen, das ist aber nicht immer sinnvoll und für manche Pflanzen sogar tödlich. Also, was darf drinbleiben und was muss eingelagert werden?
| Beispiel | Kann im Winter im Boden bleiben? | So wird es gelagert |
| Tulpen, Narzissen, Schneeglöckchen (Zwiebeln) | In der Regel ja, solange der Standort keine Staunässe bildet | Trocken und luftig, eher kühl, vor dem Einpflanzen auf Festigkeit prüfen |
| Kartoffeln (Stängelknolle) | Nein, sie ist nicht winterhart und wird als Ernte sowieso ausgegraben | Dunkel, kühl, trocken und luftig, beschädigte Knollen aussortieren |
| Dahlien (Speicherwurzeln) | Nein | Frostfrei, kühl, nicht zu trocken, ideal leicht geschützt |
| Iris (Rhizom) | In der Regel ja | Nur bei Teilung/Umsetzen, kurz abtrocknen lassen, dann wieder flach einsetzen oder kühl zwischenlagern |
| Ingwer, Kurkuma (Rhizom) | Nein | Kühl, nicht austrocknen lassen, je nach Zustand besser im Substrat lagern |
Knollen, Zwiebeln, Rhizome – was ist was?
Damit du sofort weißt, welche Pflanze welche Überdauerungsorgane hat, hier eine kleine Übersicht mit typischen Vertretern aus Garten, Küche und Zierbeet
| Knollen | Zwiebeln | Rhizome |
| Kartoffeln | Tulpen | Ingwer |
| Topinambur | Narzissen | Kurkuma |
| Süßkartoffeln | Hyazinthen | Iris (Schwertlilien) |
| Dahlien | Schneeglöckchen | Maiglöckchen |
| Knollige Bergonien | Märzenbecher | Bambus |
| Krokusse | Küchenzwiebeln | Schilf |
| Steckrüben | Knoblauch | Rhabarber |
| Rote Bete | Schalotten | Farne |
| Rettich | Zierlauch | Waldmeister |
| Pastinaken | Amaryllis | Quecken |
| Sellerieknollen | Bärlauch | Brennnesseln |
| Maniok | Milchsterne | Beinwell |
Wenn du es einmal verstanden hast …
Zu Beginn klingt das Thema nach Botanik-Unterricht. In der Praxis ist es eher ein kurzer Blick auf die Form: geschichtet, rund mit Augen, länglicher Wurzelstock mit Knoten. Und dann weißt du ziemlich schnell, ob du es stecken, flach legen, drin lassen oder ausgraben solltest.