Du erwartest von deiner Aussaat gesunde Keimlinge, die stabil stehen und nicht gleich beim ersten Luftzug umfallen? Damit das klappt, muss von Beginn an vorgesorgt werden. Am besten mit der richtigen Anzuchterde, denn diese ist die Basis für ein gesundes Wachstum. Sie ist bewusst mager, fein und luftig – und das ist genau das, was deine Keimlinge brauchen.
Der Samen bringt für den Start bereits Reserven mit. Für die Keimung und die ersten Tage reicht das in der Regel aus. Wenn dein Substrat in dieser Phase schon sehr nährstoffreich oder salzhaltig ist, kann das Keimlinge unnötig stressen. Häufig sieht man dann Triebe, die schnell in die Höhe schießen, während die Wurzeln eher zögerlich wachsen. Anzuchterde bremst diesen Effekt, weil sie weniger Nährstoffe enthält und ihre Struktur den Wurzelaufbau unterstützt.
Wenn die Anzucht nicht so richtig klappen will
Viele Pannen, die bei der Anzucht passieren, haben meist dieselben Auslöser: zu viel Wasser, zu wenig Luft, zu viele Nährstoffe oder eine Struktur, die im Topf zusammenfällt. Die häufigsten Symptome, die man dabei beobachten kann, sind:
- Keimlinge kippen um oder knicken am Stiel ab.
- An der Oberfläche bildet sich eine harte Schicht oder Schimmel.
- Die Pflanzen werden lang, dünn und instabil.
- Wurzeln bleiben kurz oder wirken bräunlich und schwach.
Gerade in Anzuchtschalen ist der Raum für Wurzeln klein. Das heißt: kleine Pflegefehler erhalten dadurch eine große Wirkung. Wenn das Wasser schlecht ablaufen kann oder die Erde verdichtet, fehlt Sauerstoff. Und ohne Sauerstoff arbeiten Wurzeln schlecht, selbst wenn alles andere stimmt.
Darum solltest du auf Anzuchterde zurückgreifen
Anzuchterde ist so zusammengestellt, dass Keimlinge einen ruhigen, gleichmäßigen Start haben. Das Wichtigste daran ist nicht ein einzelner Inhaltsstoff, sondern das Zusammenspiel aus Nährstoffarmut und Struktur. Für deine Anzucht heißt das ganz konkret:
- Niedriger Nährstoffgehalt für einen kompakteren Wuchs
- Ein niedriger Salzgehalt, wodurch weniger Stress für Keimwurzeln entsteht
- Eine feine und lockere Struktur, die Wuzeln leicht durchdringen können
- Eine gute Wasserspeicherung bei gleichzeitig hoher Durchlässigkeit
- Je nach Produkt eine geringere Keimbelastung als bei vielen Gartenmischungen
Schnell-Check – welche Erde passt zu deiner Situation?
Bevor du irgendetwas kaufst oder zusammenmischst, reicht schon ein kurzer Check: Was willst du aussäen, wie viel und wie stressfrei soll das Ganze ablaufen?
| Situation | Sinnvolle Wahl | Vorteile |
| Viele Aussaaten, feine Samen, gleichmäßige Ergebnisse wichtig | Anzuchterde | Stabiler Start, weniger Ausfälle |
| Schon öfter Schimmel oder umgekippte Keimlinge gehabt | Anzuchterde | Luftiger, meist keimärmer |
| Nur ein paar robuste Sorten, du mischst sehr sorgfältig | Selbst gemischt | Klappt, wenn es mager und fein ist |
Woran du gute Anzuchterde erkennst

Für einen Laien sieht Anzuchterde womöglich nicht anders aus, als herkömmliche Blumenerde. Doch wenn man genauer hinsieht oder sie auch mal in die Hand nimmt, sind die Unterschiede deutlich zu erkennen. Achte auf
- feine, lockere Struktur ohne große Brocken
- keine Klumpenbildung beim Gießen
- Nährstoffarmut, nicht für Wochen vorgedüngt
- speichert Feuchtigkeit, bleibt aber durchlässig
- niedriger Salzgehalt
- pH-Wert grob im Bereich leicht sauer bis neutral, etwa zwischen 5,5 und 6,5
- torffrei
Anzuchterde und Blumenerde im Direktvergleich
Blumenerde ist für kräftiges Wachstum gedacht, also für die Zeit, in der die Pflanze viele Nährstoffe benötigt. Für größere Pflanzen ist das super, für Keimlinge kann es zu viel sein.
| Punkt | Anzuchterde | Blumenerde |
| Nährstoffgehalt | Niedrig | Höher, häufig vorgedüngt |
| Struktur | Fein und luftig | Größer und dichter |
| Ziel | Wurzeln und kompakter Wuchs | Wachstum ab Start |
DIY – drei Mischungen für den Alltag
Beim Mischen von Anzuchterde zählt weniger die Theorie, als das Ergebnis im Topf: fein, locker und nicht zu nährstoffreich. Siebe alles, was grob ist, so bekommt die Erde eine feine Struktur. Und geh mit Kompost in der frühen Phase sparsam um, weil er die Mischung schnell kräftig macht.
Für die folgenden Mischungen gelten zwei einfache Regeln: Sand lieber in mittlerer Körnung verwenden, anstatt staubfein und Kompost nur gut gereift und fein gesiebt.
Für die Aussaat
Diese Mischung ist bewusst mager und eignet sich für viele Aussaaten, weil sie Struktur und Luft bietet, ohne zu pushen:
- 40 % Kokosfasern
- 40 % Holzfasern
- 15 % Sand
- 5 % Rindenhumus
Fürs Pikieren
Wenn Keimlinge größer sind und umgesetzt werden, darf es etwas mehr Substanz sein, aber immer noch zurückhaltend:
- 55 % Kokos- oder Holzfasern
- 20 % gesiebter, reifer Kompost
- 15 % Sand
- 10 % Rindenhumus
Wenn Jungpflanzen länger im Topf bleiben
Eine etwas kräftigere Mischung hilft dir, wenn du nicht sofort auspflanzen kannst. So treten die Pflanzen nicht auf der Stelle:
- 40 % Kokos- oder Holzfasern
- 30 % gesiebter, reifer Kompost
- 10 % Sand
- 10 % Gartenerde
- 10 % Rindenhumus
Anzuchterde – möglichst keimarm arbeiten
Gartenerde und Kompost sind nicht keimfrei. Das ist im Beet völlig normal, in Anzuchtschalen aber kann es schnell zu Problemen mit Pilzen oder Unkraut kommen. Wenn du das Risiko senken willst, kannst du Bestandteile wie Gartenerde oder Kompost vorbehandeln. Die übliche Vorgehensweise:
- Erde oder Kompost werden fein gesiebt.
- Das Substrat wird leicht angefeuchtet.
- Nun wird es bei 120 Grad im Backofen rund 45 Minuten erhitzt.
- Komplett abkühlen lassen, dann erst aussäen.
Wichtig: Das reduziert zwar Keime und Samen, nimmt aber auch einen Teil des Bodenlebens mit. Für die Keimphase ist das meistens ok, weil du später sowieso in normale Erde umtopfst und dort wieder Bodenleben einzieht. Noch entscheidender als jede Vorbehandlung bleibt aber die Pflege: moderat gießen, regelmäßig lüften, Staunässe vermeiden.
Die Zehrer-Einteilung – gut fürs Beet, nicht für die Keimphase
Für die Keimphase gilt fast immer: mager starten! Die Einteilung in Schwach-, Mittel- und Starkzehrer wird später hilfreich, wenn du umtopfst oder ins Beet pflanzt. Und sie hilft dir beim Düngen und bei der Fruchtfolge. Hier eine übersichtliche Tabelle mit einigen Beispielpflanzen:
| Kategorie | Gemüse | Kräuter und Zierpflanzen |
| Schwachzehrer | Bohnen, Chinakohl, Endiviensalat, Erbsen, Fenchel, Knoblauch, Mangold, Pastinaken, Radieschen, Rettich, Schwarzwurzeln | Basilikum, Bohnenkraut, Dill, Kresse, Petersilie, Rosmarin, Thymian, Lavendel, Lilien, Ringelblumen, Tagetes, Tulpen |
| Mittelzehrer | Feldsalat, Karotten, Kohlrabi, Lauchzwiebeln, Rote Bete, Spinat, Zwiebeln | Schnittlauch, Salbei, Chrysanthemen, Glockenblumen, Schafgarbe, Sonnenhut |
| Starkzehrer | Artischocken, Brokkoli, Blumenkohl, Gurken, Kartoffeln, Kohl, Kürbisse, Lauch, Melonen, Paprika, Rhabarber, Sellerie, Tomaten, Zucchini | Astern, Dahlien, Engelstrompeten, Geranien, Oleander, Petunien, Phlox, Rittersporn, Sonnenblumen |
Torf bleibt besser da, wo er hingehört

Torf kann Wasser gut speichern, keine Frage. Der Haken ist die Herkunft: Für Torf werden Moore entwässert und abgebaut. Das schadet Lebensräumen und dem Klima. Torffreie Anzuchterde ist heute eine sehr brauchbare Alternative, solange die Struktur stimmt. Daran kannst du dich beim Kauf orientieren:
- Die Anzuchterde ist klar als „torffrei“ gekennzeichnet.
- Torfreduziert heißt nicht, dass die Erde fast ohne Torf hergestellt wurde. Oft ist noch viel Torf enthalten.
- Holzfasern, Rindenhumus, Kokos und Kompost sind typische Bausteine torffreier Mischungen.
Ein Start, der dir später vieles erleichtert
Wenn Keimlinge anfangs ein lockeres, nährstoffarmes Substrat bekommen, wachsen sie häufiger kompakter und wurzelstärker. Das macht das Pikieren einfacher, das Umtopfen stressfreier und die Pflanzen insgesamt robuster. Erst Fundament, dann Wachstum, dann Blüte oder Ernte. Und falls es doch mal holprig läuft: Mit Luft im Topf und weniger Nährstoffen sind viele Probleme schneller erledigt, als du denkst.