Bei der Auswahl der Tulpenzwiebeln lassen wir uns in der Regel von den hübschen Bildern auf den Packungen zum Kauf animieren. Oder kaufst du bereits nach Tulpenklassen ein? Das wäre aber durchaus sinnvoll, denn während die einen schon wieder verblüht sind, legen andere erst so richtig los. Möchtest du dies vermeiden, achte auf die 15 Tulpenklassen. Sie sind ein Orientierungssystem und richten sich nach Blütezeit, Wuchs und Blütenform. So kannst du schneller erkennen, was zusammenpasst und was du lieber getrennt pflanzen solltest.
Ein Hinweis: In der Regel sprechen wir von 15 Tulpenklassen. Inzwischen taucht aber auch eine zusätzliche Gruppe auf, nämlich die Coronet/Crown – diese wird teilweise als weitere Gruppe geführt.
Die Tulpenklassen auf einen Blick
| Klasse | Gruppe | Bezeichnung | Blütezeit |
| 1 | Frühblüher | Einfache Frühe | April |
| 2 | Frühblüher | Gefüllte Frühe | April |
| 3 | Mittelfrüh | Triumph-Tulpen | Ende April bis Mai |
| 4 | Mittelfrüh | Darwin-Hybriden | Ende April bis Mai |
| 5 | Spätblüher | Einfache Späte | Mai |
| 6 | Spätblüher | Lilienblütige Tulpen | Mai |
| 7 | Spätblüher | Gefranste Tulpen | Mai |
| 8 | Spätblüher | Viridiflora-Tulpen | Mai |
| 9 | Spätblüher | Rembrandt-Tulpen | Mai |
| 10 | Spätblüher | Papageien-Tulpen | Mai |
| 11 | Spätblüher | Gefüllte Späte | Ende Mai |
| 12 | Wildtulpen | Kaufmanniana-Tulpen | März bis April |
| 13 | Wildtulpen | Fosteriana-Tulpen | März bis April |
| 14 | Wildtulpen | Greigii-Tulpen | März bis April |
| 15 | Wildtulpen | Sonstige | März bis Mai |
Je nach Region, Wetter und Standort kann die Blütezeit etwas variieren.
Was du an den Tulpenklassen ablesen kannst
Eine Klasse sagt dir nicht, ob eine Tulpe gut ist, sondern wie sie sich typischerweise verhält. Besonders hilfreich sind dabei drei Fragen:
- Wann blüht sie ungefähr: sehr früh, mittig oder spät?
- Wie ist die Blüte gebaut: einfach, gefüllt,fransig, liliensilhouette, grün gezeichnet, zerzaust wie bei einem Papagei?
- Wie wird sie im Garten verwendet: eher kompakt in Töpfen oder eher hoch im Beet?
Wenn du nach diesen Kriterien auswählst, hast du deutlich weniger Überraschungen und kannst die Blüte über mehrere Wochen staffeln.
Die Gruppenlogik, ohne sich 15 Namen merken zu müssen
Du kannst natürlich gerne die oben stehende Liste auswendig lernen, das ist aber gar nicht nötig. Einfacher ist es, wenn du die Klassen nach dem sortierst, was du im Garten wirklich planst.
Frühblüher für die Beetkante und den Topf
Den Anfang machen zwei Klassiker: einfache frühe und gefüllte frühe Tulpen. Sie starten zeitig, bleiben eher kompakt und funktionieren sehr gut in Kübeln, weil sie nicht gleich kippen, wenn es mal windig werden sollte. Daran erkennst du sie:
- relativ kurze, stabile Stiele
- frühe Blüte
- bei gefüllten Sorten: deutlich mehr Blüte pro Stiel
Der zuverlässige Mittelteil der Tulpensaison
In diese Phase fallen Triumpf-Tulpen und Darwin-Hybriden. Das sind die Sorten, die viele im Kopf haben, wenn sie an klassische Tulpen denken: aufrechter Wuchs, gute Stiellänge, klare Formen. Besonders praktisch sind sie für
- die Pflanzung in Reihen oder für große Flächen,
- Blumensträuße, ohne dass alles gleich zusammenfällt,
- Farbe in der Hauptsaison, wenn viele Frühstarter schon durch sind.
Spätblüher und die ganzen Spezialformen
Späte Tulpen sind nicht einfach nur später dran, sie sind auch eine Spielwiese für Formen und Effekte. IN dieser Ecke findest du zum Beispiel:
- Einfache späte Tulpen: oft groß mit sehr guter Stiellänge
- Lilienblütige Tulpen: schmale, spitz zulaufende Blütenblätter, elegant und leicht
- Gefranste Tulpen: die Blütenränder sehen aus, als hätte sie jemand fein eingeschnitten
- Viridiflora: Blüten mit einem deutlichen Grünanteil
- Papageien-Tulpen: große, oft gewellte und eingeschnittene Blütenblätter, auffällig und wild
- Gefüllte späte Tulpen: wirken gerne wie kleine Pfingstrosen
Diese Gruppen sind toll, aber sie brauchen im Beet etwas mehr Rückhalt (Stickwort: Wind, Regen). Wenn du in einer offenen Lage wohnst, lohnt sich ein Standort mit etwas Schutz durch Stauden oder niedrige Gehölze.
Die botanische Ecke: niedrig, früh und ausdauernd
Hier findest du die Klassen rund um Kaufmanniana-, Fosteriana- und Greigii-Tulpen und die eigentlichen Wildtulpen (botanical tulips). Viele davon bleiben eher klein, sie blühen früh und passen super in Steingärten, an Wegränder oder in Naturbeete. Praktisch im Alltag:
- Sehr gut für Töpfe und Schalen
- Hübsch in Gruppen zwischen Stauden, die später austreiben
- Oft ein Look, der natürlicher aussieht, als die hohen Beet-Tulpen
Rembrandt, Virus und warum der Name etwas irreführend ist
Vielleicht hast du in unseren Ausführungen bisher die Rembrandt-Tulpen vermisst. Sie sind ein Sonderfall. Früher kam die faszinierende Flammen- und Streifenzeichnung bei den sogenannten „broken tulips“ durch ein Virus zustande, das „Tulip Breaking Virus“. Heute werden solche Muster in der Züchtung nachgeahmt, ohne dass man mit einem Virus arbeitet. Der historische Name ist aber im Handel zum größten Teil erhalten geblieben.
Welche Tulpenklasse passt zu welchem Einsatz?
| Tulpentyp | Am besten geeignet für | Hinweise |
| Frühe Tulpen | Töpfe, Beetrand, kleine Gruppen | Kompakt, blühen früh, stehen meist stabil |
| Triumph | Beetflächen, Vase | Gute Stiellänge, sehr zuverlässig in der Mitte der Saison |
| Darwin-Hybriden | Beet, Vase | Oft groß, kräftig, starke Wirkung in Gruppen |
| Späte Einfache | Vase, Beet, Hintergrundpflanzung | Viel Höhe, gut zum Staffeln bis in den Mai |
| Lilienblütige | Beet als Akzent, Vase | Schlanke Silhouette, wirkt sehr elegant |
| Gefranste | Beet, Topf als Hingucker | Randstruktur fällt besonders im Gegenlicht auf |
| Viridiflora | Beet-Kombis mit Stauden | Grünanteil macht sie ungewöhnlich, wirkt modern |
| Papageien | Beet als Solisten, Vase | Große, dramatische Blüten, windgeschützt pflanzen |
| Gefüllte Späte | Beet, Topf, Vase | Schwere Blüten, lieber nicht ganz exponiert pflanzen |
| Kaufmanniana, Fosteriana, Greigii, Wildtulpen | Naturbeete, Steingarten, Töpfe | Oft niedrige, frühe Blüte, natürlicher Look |
Tulpenklassen schlau genutzt

Wenn du nicht willst, dass nach zwei Wochen alles schon wieder vorbei ist, planst du am besten in drei Wellen:
- Sehr früh: Tulpen und botanische Gruppen (Kaufmanniana, Fosteriana, Greigii, Wildtulpen)
- Hauptsaison: Triumph und Darwin-Hybriden
- Späte: einfache Späte und Spezialformen (lilienblütig, gefranst, Viridiflora, Papageien, gefüllt spät)
Und j: Du kannst natürlich mischen. Es hilft nur, wenn du im selben Beet nicht ausschließlich auf sehr unterschiedliche Höhen setzt, sonst sieht die Fläche schnell zerhackt aus. Besser: pro Beet ein Haupttyp, dazu ein Akzenttyp.
Kleine Stolperfallen beim Kauf und wie du sie umgehst
Ein paar Dinge sorgen immer wieder für Enttäuschung und das nicht, weil Tulpen irgendwie schwierig wären, sondern weil die Erwartung nicht zu Tulpenklasse passt. Daher hier ein paar Kaufempfehlungen:
- Topf-Tulpen: nimm eher kompakte Klassen (frühe, botanische Gruppen). Hohe Spätblüher sind im Kübel oft kopflastig.
- Sehr offene Lage: Papageien und sehr gefüllte späte Sorten lieber geschützter setzen.
- Vase geplant: Triumph, Darwin und viele einfache Späte sind meist die entspanntere Wahl.
- Naturlook geplant: Greigii, Kaufmanniana, Fosteriana, Wildtulpen wirken weniger geschniegelt, als viele Hochzuchten – und das ist genau ihr Reiz.
Deine Tulpenplanung in der Praxis
Mit unseren Tipps kannst du nun deine eigene Tulpenplanung angehen, ohne später enttäuscht zu werden, denn du hörst nicht mehr auf dein Bauchgefühl allein, sondern kaufst nach Wirkung zur jeweiligen Zeit. Erst kommen die kleinen Frühstarter, dann die starken Mittelklasse-Tulpen, zum Schluss die extravaganten Spätformen. Und plötzlich ist die Tulpenzeit nicht nur ein kurzer Moment, sondern ein richtiges Frühjahrskapitel im Beet oder auf dem Balkon.