Wie Kartoffeln aussehen, müssen wir wohl nicht weiter erörtern. Wenn du aber einmal die alte Kartoffelsorte Bamberger Hörnchen in den Händen gehalten hast, wirst du womöglich sagen: Ups, die sehen aber eigen aus! Und in der Tat: eine typische Kartoffel ist sie optisch nicht gerade: eher klein, recht lang und manchmal auch etwas krumm – so, als hätte sie beim Wachsen nicht viel Lust auf gerade Linien gehabt. Auch wenn sie keinen Schönheitswettbewerb gewinnen würde, geschmacklich überzeugt sie absolut! Na, neugierig geworden? Dann lass uns die Bamberger Hörnchen mal näher betrachten.
Warum alte Sorten wieder gefragt sind
Heutzutage wird Obst und Gemüse sehr oft auch optisch aufgewertet. Früher legte man auf Perfektion dagegen keinen großen Wert. Alte Kartoffelsorten sind entstanden, weil Menschen über viele Jahrzehnte die Knollen immer wieder weitergenommen haben, die ihnen am besten geschmeckt haben. Das Ergebnis sind Sorten, die mehr Vielfalt in den Garten und auf den Teller bringen.
Was viele Menschen an alten Sorten mögen:
- Sie schmecken meist deutlich intensiver als die Nullachtfünfzehn-Ware.
- Du holst dir Abwechslung in den Garten, anstatt jedes Jahr die gleiche Knolle zu setzen.
- Du spürst sofort, dass hier Tradition gepflegt wird – nicht nur ein Name, sondern echte regionale Geschichte.
Bamberger Hörnchen sind so ein Fall: Eine Sorte, die man nicht nur wegen ihres Namens kennt, sondern weil sie in Franken einfach dazugehört.
Bamberger Hörnchen – die fränkische Kartoffel mit Geschichte

Der Name legt es bereits nahe: die Bamberger Hörnchen stammen aus dem Raum Bamberg in Franken. Zeitlich kann man die Sorte ins 19. Jahrhundert zurückdatieren – also in eine Zeit, in der Kartoffeln längst kein neues Gemüse mehr waren, aber Sortenvielfalt regional stark geprägt wurde. Damals entstanden viele Landsorten nicht durch einen einzelnen Züchter, sondern durch die Auswahl im Alltag: Was im jeweiligen Boden gut funktionierte und gut schmeckte, wurde weitervermehrt.
Über die Jahrzehnte wurden die Bamberger Hörnchen zu einer regionalen Spezialität. Später sind sie – wie viele andere alte Sorten – etwas in Vergessenheit geraten. Der Grund: Anbau und Handel richteten sich stärker auf Einheitlichkeit und hohe Standardmengen aus. In den letzten Jahren sind sie wieder deutlich sichtbarer geworden, weil viele Menschen genau das suchen: Geschmack, Tradition und etwas Besonderes fürs Gemüsebeet und für die Küche.
Fun Fact: Bamberger Hörnchen können auch als Bamberger Hörnla oder Bamberger Hörnle bezeichnet werden – dies ist vor allem in Franken üblich (der Dialekt macht´s möglich). Sofern dir also mal Hörnla oder Hörnle über den Weg laufen, handelt es sich ebenfalls um diese Kartoffelsorte. Aber bitte nicht mit dem gleichnamigen Plundergebäck in Croissantform verwechseln.
Was macht Bamberger Hörnchen so besonders?
Bamberger Hörnchen sind keine Allzweckkartoffeln. Aber wenn es um Geschmack und festen Biss geht, spielen sie ganz vorne mit. Sie sind
- festkochend mit schönem Biss,
- aromatisch und nussig-würzig,
- ideal für Gerichte, bei denen die Kartoffel noch Kartoffel sein darf und nicht nur Füllmaterial,
- hübsch auf dem Teller, weil die Form einfach anders ist,
- als frisch geerntete Kartoffel ein echtes Highlight, weil die Schale dünn und zart ist.
Bamberger Hörnchen schmecken nach Kartoffel, ja, aber eben anders. Probiere es selbst mal aus, du wirst überrascht sein!
Anbau im Garten – Start mit Pflanzkartoffeln
Alles beginnt mit der Pflanzkartoffel, also mit Knollen, die genau dafür gedacht sind. So bist du auf der sicheren Seite und startest direkt mit gutem Pflanzmaterial. Du bekommst also genau die Sorte, die du willst.
Vorkeimen – kannst du, musst du aber nicht
Das Vorkeimen von Pflanzkartoffeln bringt in der Regel einen gleichmäßigeren Start.
- Die Pflanzkartoffeln 3 bis 5 Wochen vor dem Stecken hell lagern.
- Ein eher kühler Aufbewahrungsort ist besser, als ein zu warmer.
- Perfekt sind sie, wenn sie kräftige, kurze Keime bilden.
Möchtest du nicht vorkeimen, klappt das Ganze natürlich trotzdem, dann dauert es nur etwas länger, bis die Keime sichtbar werden.
Pflanzzeit – nicht nach Datum, sondern nach Boden
Kartoffeln werden gepflanzt, wenn der Boden bearbeitbar ist. Er sollte also nicht mehr klatschnass oder hart gefroren sein. Je nach Region ist das ab April realistisch, in milden Lagen durchaus etwas früher, in kühleren dagegen später.
Ob der Boden schon geeignet ist, kannst du ganz einfach testen: Ist die Erde krümelig, kann es losgehen, ist sie noch schmierig, dann warte noch etwas.
Standort und Boden – hier fühlen sich Bamberger Hörnchen wohl
Kartoffeln mögen Sonne, lockeren Boden und – wichtig – keine Staunässe. Gib vor der Pflanzung etwas reifen Kompost als Basis in die Erde, dann haben die Knollen alles, was sie brauchen. Ist der Boden zu schwer, solltest du ihn vorher lockern und in Dämmen, also leicht erhöht, pflanzen. Ist der Boden zu sandig, hilft Kompost, weil er Wasser und Nährstoffe besser hält.
Pflanzabstände, die sich bewährt haben
- Pflanztiefe: 8 bis 10 Zentimeter
- Abstand in der Reihe: 30 bis 35 Zentimeter
- Reihenabstand: 60 bis 70 Zentimeter
Pflege – wenige Schritte, aber die richtigen
Kartoffeln müssen nicht jeden Tag bespaßt werden, aber zwei, drei Handgriffe zahlen sich aus.
Anhäufeln
Sobald die Pflanzen 15 bis 20 Zentimeter hoch sind, solltest du anhäufeln, also die Erde an den Stängeln aufschichten. Sinnvoll ist es deshalb, weil
- die Knollen so im Dunkeln bleiben (Licht sorgt für grüne Stellen),
- die Pflanze so mehr Platz hat und besser wachsen kann,
- die Kartoffeln stabiler stehen.
Gießen
Kartoffeln brauchen keine tägliche Dusche. Das Gießen ist vor allem während der Knollenbildung und rund um die Blüte wichtig. Gieß-Regeln, die du beachten solltest:
- Gieße lieber seltener, dafür gründlicher.
- Gieße morgens, so kann das Wasser gut in den Wurzelbereich vordringen, ohne vorher zu verdunsten.
- Gieße nicht über das Laub, das kann Pilzkrankheiten fördern.
Boden in Ruhe lassen
Um Feuchtigkeit und Struktur des Bodens möglichst konstant zu halten, sollest du ihn nicht ständig aufreißen und hacken. Das Unkraut zu Beginn vorsichtig entfernen, später sorgt die Kartoffelpflanze selbst für Schatten, wodurch das Unkrautwachstum unterdrückt wird. Nachhelfen kannst du mit einer Mulchschicht aus Rasenschnitt oder feinem Häcksel.
Pflege-Phasen – von der Pflanzung bis zur Ernte
Wir haben für dich eine kurze Übersicht der wichtigsten Schritte von der Pflanzung bis zur Ernte zusammengestellt.
| Phase | Daran erkennst du es | Das ist zu tun |
| Vor dem Stecken | Der Boden ist locker, nicht gefroren und nicht zu nass | Kompost einarbeiten, Reihen bzw. Dämme vorbereiten |
| Austrieb | Erste Triebe zeigen sich | Unkraut klein halten, bei Trockenheit moderat wässern |
| Wachstum | Pflanzen sind 15 bis 20 Zentimeter groß | Anhäufeln, später gegebenenfalls wiederholen |
| Knollenbildung | Pflanzen sind kräftig, Blüte setzt ein | Den Boden gleichmäßig feucht halten |
| Ernte | Kraut wird gelb und fällt zusammen | Kartoffeln vorsichtig ausgraben, sortieren, verarbeiten oder lagern |
Ernte – früh genießen oder ausreifen lassen

Möchtest du nicht warten, bis deine Kartoffeln fertig ausgereift sind, dann kannst du sie auch jung ernten. Der Zeitpunkt dafür ist etwa 2 bis 3 Wochen nach Beginn der Blüte. Alternativ kannst du den Knollentest machen, indem du vorsichtig mit der Hand oder einer kleinen Schaufel neben der Pflanze gräbst und kontrollierst, ob schon mehrere Knollen die gewünschte Größe haben. In diesem Stadium ist die Schale sehr dünn und zart und die Knollen in der Küche ein absoluter Hit. Willst du stattdessen Kartoffeln lagern, dann wartest du, bis das Laub sich gelb verfärbt.
Das Ausgraben solltest du mit Ruhe angehen, da die Knollen sehr schlank sind:
- Stich mit Abstand zur Pflanze in die Erde.
- Hebe die Erde an und sammel die Knollen mit der Hand ein.
- Beschädigte Kartoffeln solltest du nicht lagern, sondern direkt verwerten.
- Lass die Kartoffeln bei der Ernte nicht stundenlang in der Sonne liegen.
So lagerst du Bamberger Hörnchen optimal
Drei Dinge sind bei der Lagerung von Bamberger Hörnchen wichtig: Kühl, dunkel, luftig. Ideal ist ein Keller, der nicht zu feucht ist, damit keine Fäulnis entsteht. Wenn die Bedingungen stimmen, dann kannst du die Knollen problemlos mehrere Monate, oft bis in den Winter hinein lagern.
Pflanzkartoffeln aus der Ernte
Hast du Gefallen an den Bamberger Hörnchen gefunden und möchtest du sie auch in Zukunft Jahr für Jahr wieder im Garten anpflanzen? Dann könntest du ja eigentlich Knollen aus deiner Ernte dafür nehmen. Oder lieber doch nicht? Empfohlen wird immer, Pflanzkartoffeln zu verwenden. Die Gründe sind vielfältig:
- Der Ertrag und die Vitalität lassen mit der Zeit nach.
- Die Kartoffeln werden im Laufe der Jahre immer anfälliger für Krankheiten.
- Vor allem Viruskrankheiten, die über Blattläuse eingeschleppt werden, können die Ernte deutlich beeinflussen.
Dies ist auch der Grund, warum man im Gartenbau amtlich zertifiziertes Pflanzgut verwenden sollte. Dieses ist sortenrein und gesundheitlich kontrolliert.
Bamberger Hörnchen in der Küche
Bamberger Hörnchen sind perfekt für Gerichte, bei denen festkochende Kartoffeln gefragt sind und wo Kartoffeln noch nach Kartoffeln schmecken sollen. Ideal also für
- Kartoffelsalat
- Pellkartoffeln
- Bratkartoffeln
- Ofenkartoffeln
- Als Beilage zu Fisch, Fleisch, Gemüse und Pilzen
Übrigens: Viele schälen Kartoffeln – das ist aber gar nicht nötig. Denn die Schale kann – gerade bei den Bamberger Hörnchen – mitgegessen werden. Vor allem bei einer frühen Ernte, dann ist die Schale dünn und weich. Nach der Lagerung wird die Schale zwar fester, kann aber trotzdem mitverwendet werden. So sparst du nicht nur Zeit bei der Zubereitung, du kannst auch die wertvollen Vitamine und Nährstoffe, die in der Schale stecken, mitverwerten.
Die Bamberger Hörnchen auf einen Blick
| Merkmal | Kurz erklärt |
| Namensformen | Bamberger Hörnchen, Bamberger Hörnla, Bamberger Hörnle |
| Kochtyp | Festkochend |
| Geschmack | Aromatisch, leicht nussig-würzig |
| Pflanzzeit im Garten | Meist April bis Mai |
| Reifezeit bis zur Ernte | Ja nach Pflanztermin und Wetter ca. 120 bis 140 Tage |
| Ernte | Frühe Ernte ab Sommer möglich, Lagerkartoffeln, wenn Kraut zurückgeht |
| Lagerdauer | Kühl, dunkel, luftig meist mehrere Monate (bis in den Winter) |
| Schale | Frisch geerntet sehr dünn, nach Lagerung fester |
| Typische Verwendung | Kartoffelsalat, Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Ofengerichte |
Und jetzt: Ab ins Beet
Bamberger Hörnchen sind eine gute Wahl, wenn du Kartoffeln nicht nur anbauen, sondern auch bewusst genießen willst. Im Garten brauchen sie keine Sonderbehandlung: Sonne, lockerer Boden, anhäufeln, bei Trockenheit gießen – das reicht. Und in der Küche spielen sie ihre Stärke aus, weil sie fest bleiben und ein tolles Aroma bieten.