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Die dunkle Seite des Gartens – tierische Pflanzenfallen

Dein Garten ist ein kleines Paradies, in dem sich herrliche Blüten öffnen, fleißige Bienen Nektar sammeln, Schmetterlinge vorbeischauen und du in Ruhe das Grün genießen kannst. Harmonie, wo…

Blühende Pechnelke mit leuchtend pinken Blüten auf einer naturnahen Wiese.

Dein Garten ist ein kleines Paradies, in dem sich herrliche Blüten öffnen, fleißige Bienen Nektar sammeln, Schmetterlinge vorbeischauen und du in Ruhe das Grün genießen kannst. Harmonie, wo man nur hinsieht. Weit gefehlt! Denn dein Garten ist für einige Tiere auch eine Falle!

Manche Pflanzen spielen ein anderes Spiel. Sie locken kleine Tiere an, halten sie in Blüten fest, lassen sie in enge Röhren rutschen oder bremsen krabbelnde Besucher mit klebrigen Fallen aus. Nicht jede dieser Pflanzen frisst ihre Opfer. Manche wollen bestäubt werden, anderen schützen ihre Blüten oder nutzen eine Falle nur für kurze Zeit. Für die betroffenen Tiere kann so eine Begegnung trotzdem unangenehm enden.

Raffinierte Tricks mit Pflanzenfallen

Pflanzen können nicht weglaufen, nicht zupacken oder einem Insekt hinterherjagen. Aber sie haben erstaunliche Wege entwickelt, um Tiere für sich arbeiten zu lassen. Sie nutzen Duft, Wärme, Farbe, Nektar, enge Blütenräume, klebrige Stängel oder glatte Flächen.

Manchmal geht es um Beute, manchmal halten Pflanzen Bestäuber aber nur vorübergehend fest, damit Pollen auch sicher übertragen werden. Andere bremsen krabbelnde Besucher aus, die zwar an Nektar oder anderen zuckerhaltigen Pflanzensäften interessiert sind, der Pflanze bei der Bestäubung aber wenig nützen. Ameisen können an Blüten Nektar holen, ohne dabei so zuverlässig Pollen zu übertragen wie fliegende Insekten. Klebrige Bereiche am Stängel wirken daher wie eine Sperre. Fliegen, Wildbienen oder Falter erreichen die Blüte weiterhin von außen, krabbelnde Besucher haben es schwerer. Fleischfressende Pflanzen gehen noch einen Schritt weiter und gewinnen tatsächlich Nährstoffe aus kleinen Tieren.

Falle Zweck Beispiel
Kesselfalle Bestäuber kurz einschließen Aronstab, Osterluzei
Klebefalle Krabbelnde Insekten stoppen Pechnelke
Wasserfalle Kleine Tiere können in Blattachseln landen Karde
Verdauungsfalle Nährstoffe gewinnen Sonnentau, Schlauchpflanze

Aronstab – die Blüte mit der unsichtbaren Falle

Der Aronstab wirkt im Frühling zunächst wie eine eher unscheinbare Wildpflanze. Zwischen den grünen Blättern erscheint ein heller Blütenstand mit einem Kolben in der Mitte. Für kleine Fliegen ist diese Blüte aber eine unsichtbare Falle.

Die Pflanze lockt ihre Bestäuber mit Geruch an. Einige Aronstab-Arten erzeugen zusätzlich Wärme, wodurch der Duft besser abgegeben wird. Kleine Insekten kriechen in den Blütenkessel und kommen zunächst nicht mehr hinaus. Feine Sperrhaare machen den Rückweg unmöglich.

Im Inneren krabbeln die Tiere herum und übertragen dabei Pollen. Später erschlaffen die Sperrhaare und die Insekten können die Blüten wieder verlassen. Das ist auch gut so, denn sonst wäre der Effekt der Bestäubung verpufft. Der Aronstab verdaut die Tiere also nicht, wie das bei fleischfressenden Pflanzen der Fall ist.

Osterluzei – eine raffinierte Kesselfalle

Auch die Osterluzei arbeitet mit einer Kesselfalle. Ihre Blüten sind röhrenförmig gebaut und führen kleine Fliegen in einen engen Blütenraum. Hinein gelangen die Tiere, zurück nach draußen wir es deutlich schwieriger.

Im Inneren der Blüte sitzen ebenfalls feine Haare, die den Rückweg versperren. Während die Insekten festgehalten werden, kommt es zur Bestäubung. Danach verändert sich die Blüte, die Haare verlieren ihre Sperrwirkung und die Tiere können hinauskrabbeln.

Die Osterluzei zeigt besonders gut, dass Pflanzenfallen nicht automatisch tödlich sein müssen. Die Pflanze hält die Besucher nur lange genug fest, damit die Bestäubung funktioniert.

Pechnelke – klebrige Stängel als Schutzring

Die Pechnelke hat keine Falle, in die ein Tier hineinrutscht. Ihr Trick sitzt außen am Stängel, denn dort befinden sich dunkle, klebrige Bereiche, an denen kleine Insekten hängen bleiben können.

Das betrifft vor allem krabbelnde Tiere. Ameisen und andere kleine Besucher kommen dadurch nicht weiter nach oben. Die Pflanze profitiert davon, weil nicht jeder Nektarräuber oder Störenfried bis zur Blüte gelangt. Der Klebering funktioniert also wie eine Barriere. Die dunkleren Klebezonen kannst du erkennen, wenn du genauer hinsiehst.

Karde – kleine Wasserbecken mit Risiko

Die Karde ist schon wegen ihrer hohen Stängel und stacheligen Blütenköpfe eine auffällige Gartenpflanze. Interessant ist aber auch die Anordnung ihrer Blätter. Sie sitzen nämlich so am Stängel, das sich in den Blattachseln kleine Wasserbecken bilden.

Für kleine Insekten kann das durchaus gefährlich werden. Wer hineinrutscht, kommt aus diesen engen Wasserstellen nicht so leicht wieder heraus. Die Karde wurde in der Vergangenheit immer wieder mal mit fleischfressenden Pflanzen verglichen. Ganz so eindeutig ist das aber nicht: Sie besitzt nämlich keine klassischen Fangorgane wie der Sonnentau oder Schlauchpflanzen. Ob sie aus den gefangenen Tieren überhaupt einen Nutzen ziehen kann und Nährstoffe aus ihnen gewinnt, ist bisher nicht sicher geklärt.

Fleischfressende Pflanzen – Tödliche Schönheiten für Topf, Terrasse, Fensterbank

Kommen wir nun zu den fleischfressenden Pflanzen, auf die du vielleicht schon gewartet hast. Dazu gehören zum Beispiel die Venusfliegenfalle, der Sonnentau oder die Kannenpflanze Da die meisten in unseren Breitengraden im Winter draußen nicht überleben können, sind sie nicht für das Beet geeignet. Stattdessen kannst du sie während der Saison im Topf auf deiner Terrasse oder dem Balkon halten. Auch ein Gewächshaus, das Fensterbrett oder ein Terrarium sind möglich. Einige Arten lassen sich in einem Moorkübel halten. Dabei handelt es sich um einen wasserdichten Kübel mit saurem, nährstoffarmem Substrat, der dauerhaft feucht bleibt und ein kleines Moorbeet im Topf nachbildet. Dafür werden viel Licht, kalkarmes Wasser, kein Dünger und eine Spezialerde benötigt.

Pflanze Geeignet für Hinweise
Fettkraut Fensterbank, Topf Fängt kleine Trauermücken
Kannenpflanze Fensterbank, Gewächshaus Braucht hohe Luftfeuchtigkeit
Schlauchpflanze Moorkübel, Moorbeet Sonnig, sauer, dauerhaft feucht
Sonnentau Moorkübel, Fensterbank Je nach Art unterschiedlich robust
Venusfliegenfalle Topf, Terrasse, Fensterbank Braucht viel Licht und Winterruhe

Fleischfressende Pflanzen fangen vor allem kleine Insekten. Sonnentau arbeitet mit klebrigen Tropfen, Schlauchpflanzen mit tiefen Röhren und Kannenpflanzen mit glatten Rändern, an denen Tiere abrutschen. Die Venusfliegenfalle schließt ihre Fangblätter erst, wenn die Sinneshaare passend gereizt werden.

Ein Moorkübel auf der Terrasse kann dafür sorgen, dass du von weniger Insekten belästigt wirst. Insektenarm machen die Pflanzen deinen Garten aber nicht, dafür fangen sie zu wenig.

Fleischfressende Pflanzen nicht füttern

Es ist faszinierend zuzusehen, wie die Pflanzen die Tiere in die Falle locken. Aber: füttern solltest du sie nicht! Lege also keine toten Tiere hinein, denn das kann schnell zu viel werden. Die Pflanze kann sich schon ganz gut selbst versorgen.

Bei der Venusfliegenfalle liegt die Versuchung nah, die Fallen auszulösen, indem man die Sinneshärchen berührt. Aber auch das ist nicht anzuraten, denn jedes Schließen kostet der Pflanze Kraft. Wird die Pflanze immer wieder gereizt, ohne dass sich Beute darin befindet, schwächt das die Pflanze unnötig.

Welche Tiere in Pflanzenfallen geraten

Kleine Insekten sind die Zielgruppe der Pflanzen mit Pflanzenfallen. Typische Kandidaten sind:

  • Ameisen an klebrigen Stängeln
  • Kleine Fliegen in Kesselfallen
  • Kleine Käfer in engen Blüten oder Röhren
  • Mücken an klebrigen Blättern
  • Trauermücken an Fettkraut oder Sonnentau
  • Winzige Wasserorganismen bei Wasserschlauch-Arten

Damit bleiben solche Pflanzen im Garten überschaubar. Eine Pechnelke, eine Karde oder ein kleiner Moorkübel auf der Terrasse kippen das ökologische Gleichgewicht nicht. Entscheidend ist, wie vielfältig der Garten insgesamt gestaltet ist.

Pflanzenfallen funktionieren nicht überall

Nicht jede Pflanzenfalle passt automatisch in jeden Garten. Bei manchen entscheidet der Standort, bei anderen die Giftigkeit oder die besondere Pflege.

  • Karde: sonniger, eher magerer Platz mit genügend Raum, sie wird hoch und sät sich selbst aus.
  • Pechnelke: sonniger, durchlässiger und eher magerer Standort.
  • Aronstab: nur dort dulden, wo Kinder und Haustiere nicht an Blätter oder rote Beeren kommen, denn die Pflanze ist giftig.
  • Osterluzei: nur bewusst pflanzen, wenn ihre Ausbreitung kontrolliert werden kann, auch sie ist giftig.
  • Schlauchpflanze, Sonnentau und Venusfliegenfalle: nur im Topf, Moorkübel oder Moorbeet kultivieren, brauchen nährstoffarmes, saures Substrat und kalkarmes Wasser.
  • Kannenpflanze und viele Fettkraut-Arten: eher für die Fensterbank, das Gewächshaus oder eine geschützte Topfkultur geeignet, weil Wärme, Luftfeuchtigkeit und Licht so besser steuerbar sind.

Der harmlose Eindruck täuscht manchmal

Nachdem wir nun einige Pflanzen mit tierischen Fallen näher betrachtet haben, wirst du deinen Garten vielleicht in einem anderen Licht sehen. Denn jetzt wird dir klar, dass dein Garten nicht nur hübsch ist, sondern manchmal auch ziemlich gefährlich. Nicht für dich, aber für das, was dort so herumfliegt und herumkrabbelt.

 

Foto: Adobe Stock
H
Redaktion Garten

Als Kind weiß man immer ganz genau, was man später mal werden will – war bei mir nicht anders. Allerdings wurde ich dann weder Schornsteinfeger, noch Astrologe und auch kein Zahnarzt. Stattdessen landete ich als Moderator beim Radio und als Redakteur beim TV. Der Schritt ins Internet war dann nicht mehr weit – so habe ich mich 2008 als Redakteur und Texter selbstständig gemacht. Zu den flinken Fingern gesellte sich noch der Grüne Daumen – Beruf und Leidenschaft lagen nah zusammen. Ich landete schließlich bei Caipi und verbinde nun meine Erfahrungen als Texter und Hobbygärtner. Von meinem Arbeitsplatz aus sehe ich direkt in meinen Garten, was kann es Schöneres geben?

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