Ein paar falsche Pflanzen im eigenen Garten und schon kann das richtig Ärger bedeuten. Ja, sogar von Gefängnis ist die Rede. Bei einigen Pflanzen genügt schon der Anbau – da nützt es auch nichts, wenn du sie einfach nur schön findest. Und Unwissenheit schützt bekanntlich vor Strafe nicht. Und dann gibt es Arten, die sich invasiv ausbreiten, also bei uns nicht heimisch sind und dadurch andere Pflanzen verdrängen. Auch diese sind verboten.
Die Ampel fürs Beet
| Farbe | Bedeutung | Achtung |
| Rot | Der Anbau ist in Deutschland verboten | Nicht kaufen, nicht anbauen, nicht behalten |
| Gelb | Dies sind invasive Arten und EU-weit streng geregelt | Nicht halten, nicht vermehren, nicht weitergeben |
| Grün mit Regeln | Erlaubt, aber nur in klaren Grenzen | Regeln einhalten, sonst gibt es Ärger |
Rot: Diese Pflanzen sind tabu
Hier geht es um Pflanzen, die unter das Betäubungsmittelrecht fallen. Bei unerlaubtem Anbau drohen empfindliche Strafen, im schlimmsten Fall Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren. Sieht es sogar nach einem gewerblichen Anbau aus, können die Strafen noch deutlich höher ausfallen. Für den Privatgarten gilt deshalb: Finger weg!
Schlafmohn – im Gebäck erlaubt, im Garten verboten
Mohnbrötchen, Mohnkuchen, Mohnschnecken – all das ist vollkommen normal. Hier würde keiner auf die Idee kommen, dass daran etwas verboten wäre. Warum aber ist Schlafmohn eine Pflanze, die verboten ist? Weil nicht das Mohnkorn das Problem ist, sondern die eigentliche Pflanze. In den unreifen Samenkapseln steckt nämlich ein milchiger Saft. In diesem Saft sind Inhaltsstoffe enthalten, aus denen Opium gewonnen werden kann. Genau deshalb ist der Anbau von Schlafmohn in Deutschland grundsätzlich verboten, sofern keine Sondergenehmigung vorliegt.
Tückisch ist, dass Schlafmohn im Garten völlig harmlos wirkt und hübsch aussieht. Er hat aufrechte Stengel, bläulich-grün bereifte Blätter und große, seidig wirkende Blüten. Je nach Sorte können die Blüten weiß, rosa, violett oder zartlila sein. Klatschmohn und Staudenmohn sind typische Zierpflanzen, Schlafmohn ist der Problemfall. Entscheidend ist daher nicht, wie die Pflanze selbst aussieht, sondern welcher botanische Name dahintersteckt, in diesem Fall Papaver somniferum.
Arzneimohn – ein weiterer Mohn, der Probleme macht
Arzneimohn wird auch als Armenischer Mohn bezeichnet und überzeugt optisch mit seinen großen, auffälligen Blüten. Meist sind diese kräftig rot mit einer dunklen Zeichnung am Blütengrund. Die Pflanze wächst stabiler und kräftiger als der zarte Klatschmohn, die Blätter wirken oft grob und länglich, die ganze Pflanze kann deutlich höher werden, als viele Wildmohn-Arten. Das Problem sind aber auch hier die Inhaltsstoffe, die missbraucht werden können.
Manche Ziermohnarten sehen sehr ähnlich aus und Händler schreiben oft nur Mohn auf ein Schild. Auch hier entscheidet also nicht die Optik, sondern der lateinische Name. Wenn du Papaver bracteatum liest, dann weißt du: das ist Arzneimohn und der ist verboten.
Cocastrauch – unscheinbar aber heikel
Optisch ist der Cocastrauch eher nichts Besonderes. Es ist eine immergrüne Pflanze mit kleinen, glatten, elliptischen Blättern, die meist in Dunkelgrün erscheinen. Die Blüten sind winzig und unscheinbar, später können kleine rote Früchte erscheinen. Weil er so unscheinbar ist, macht ihn das im Alltag gefährlich, denn viele erkennen ihn gar nicht als Problempflanze.
Verboten ist er, weil in den Blättern das Alkaloid Kokain steckt. Beim bloßen Kauen ist die Wirkung eher mild, aber durch chemische Verarbeitung lässt sich der Wirkstoff stark konzentrieren. Daraus entsteht dann das, was als Kokain in den illegalen Handel geht. Genau dieses Missbrauchspotenzial ist der Grund, warum der Anbau und der Besitz von Erythroxylum coca verboten ist und somit auch nicht als Zimmerpflanze gehalten werden darf.
Azteken-Salbei – nicht der Salbei aus der Küche
Ist von Salbei die Rede, denken wir sofort an das Küchenkraut. Doch mit dem klassischen Küchensalbei hat der Azteken-Salbei nichts zu tun. Auch optisch sieht er anders aus: Er hat große, weich wirkende, breit-ovale Blätter mit deutlich sichtbaren Adern und leicht gezähntem Rand. Die Stängel sind kantig, was typisch für Salbei-Arten ist. Blüten sind im Alltag nicht immer zu sehen, wenn doch, wirken sie zart und unaufdringlich.
Der Grund für das Verbot steckt in den Blättern. Salvia divinorum enthält den Stoff Salvinorin A. Das ist ein sehr stark wirksamer psychoaktiver Stoff, der ausgeprägte Rauschzustände und Halluzinationen auslösen kann. Weil diese Wirkung gezielt missbraucht wird, ist die Pflanze in Deutschland rechtlich nicht als harmloses Kraut eingestuft, sondern schlicht und einfach verboten.
Grün: Erlaubt aber mit Regeln
Seit dem Jahr 2024 hat Cannabis bei uns einen Sonderstatus. Du darfst die Pflanze als Erwachsener anbauen, aber nur innerhalb enger Vorgaben: Der wichtigste Punkt ist die Menge: maximal 3 Cannabispflanzen pro erwachsener Person. Das klingt zwar simpel, kann aber schnell schiefgehen. Zum einen, weil man falsch zusammenrechnet, zum anderen, weil aus Stecklingen plötzlich mehr wird, als man geplant hat.
Mindestens genauso wichtig ist der Zugriffsschutz. Cannabis darf nicht so stehen, dass Minderjährige oder fremde Personen leicht drankommen können. Dazu zählen Kinder im Haushalt, Besuch von Freunden mit Kindern, Nachbarskinder, die im Sommer durch offene Gartentüren flitzen, oder ein frei zugänglicher Vorgarten. So kann aus legal schnell illegal werden.
Gelb: Invasiver Arten und warum das im Garten relevant ist
Wenn die Ampel auf Gelb steht, handelt es sich um invasive Arten. Das ist zwar kein „Gefängnis-Thema“, aber trotzdem etwas, was du beachten solltest. Der Grund: Diese Arten breiten sich aggressiv aus, verdrängen heimische Pflanzen und in Gewässern oder an Ufern können sogar ganze Bereiche kippen. Für solche Arten hat die EU eine Unionsliste herausgebracht – ist eine Art dort verzeichnet, ist nicht nur das Auspflanzen problematisch, sondern auch die Haltung, die Vermehrung und die Weitergabe – denn das ist dann grundsätzlich verboten.
Gerade im Garten entsteht Ärger meist nicht aus Absicht, sondern durch eine gut gemeinte Aktion. Ein Ableger wird verschenkt, Teichpflanzen werden geteilt, Schnittgut landet irgendwo, wo es wieder anwächst. Bei Wasserpflanzen ist das besonders kritisch, weil bereits kleine Stücke ausreichen können, um neue Bestände zu bilden. Genauso problematisch ist es bei wuchernden Stauden.
Wichtig zu wissen: Die Unionsliste wird immer wieder angepasst. Das bedeutet, was früher womöglich als nerviges Unkraut galt, kann später rechtlich ganz anders bewertet werden. Deshalb lohnt es sich, bei sehr wüchsigen Exoten immer genau hinzuschauen, bevor du sie dir bewusst in deinen Garten holst.
Unionsliste der invasiven Arten
| Name | Status in Deutschland | Problem |
| Afrikanisches Lampenputzergras (Pennisetum setaceum) | Kommt bisher nicht vor | Ziergras, verbreitet sich über Samen |
| Alligatorkraut (Alternanthera philoxeroides) | Kommt bisher nicht vor | Wasserpflanze, vermehrt sich über Bruchstücke |
| Ausdauerndes Purpur-Veldtgras (Ehrharta calycina) | Kommt bisher nicht vor | Gras, kann dichte Bestände bilden |
| Ballonrebe, Herzerbse (Cardiospermum grandiflorum) | Kommt bisher nicht vor | Kletterpflanze, überwuchert schnell |
| Blaustängelige Besensegge (Andropogon virginicus) | Kommt bisher nicht vor | Gras, bildet zähe Teppiche |
| Brasilianisches Tausendblatt (Myriophyllum aquaticum) | Kommt vor | Teichpflanze, kleinste Triebe reichen zur Vermehrung |
| Chinesischer Talgbaum (Triadica sebifera) | Kommt bisher nicht vor | Baum, in warmen Regionen stark invasiv |
| Dickstielige Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) | Kommt vereinzelt vor | Schwimmpflanze, kann Wasserflächen schließen |
| Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) | Kommt vor | Samen breiten sich rasant aus |
| Durchwachsener Knöterich (Persicaria perfoliata) | Kommt bisher nicht vor | Kletterpflanze, kann alles überwuchern |
| Falscher Wasserfreund (Gymnocoronis spilanthoides) | Kommt bisher nicht vor | Wasserpflanze, bildet dichte Teppiche |
| Flieder-, Himalaya-Knöterich (Koenigia polystachya) | Kommt vor | Starke Ausbreitung, Rückschnitt hilft oft nur kurz |
| Flutendes Heusenkraut (Ludwigia peploides) | Vorkommen unbekannt | Wasserpflanze, überwuchert Uferzonen |
| Gelbe Scheinkalla, Amerikanischer Stinktierkohl (Lysichiton americanus) | Kommt vor | Teichrandpflanze, große Bestände, schwer zu entfernen |
| Gewöhnliche Seidenpflanze (Asclepias syriaca) | Kommt vor | Wurzelausläufer, zähe Bestände |
| Götterbaum (Ailanthus altissima) | Kommt vor | Wurzelschösslinge, treibst stark aus |
| Großblütiges Heusenkraut (Ludwigia grandiflora) | Kommt vor | Teichpflanze, verdrängt andere Arten |
| Großer Hahnenfuß-Wassernabel (Hydrocotyle ranunculoides) | Kommt vor | Schwimmende Matten, nimmt Licht und Sauerstoff |
| Japanischer Hopfen (Humulus scandens) | Kommt bisher nicht vor | Kletterpflanze, wächst sehr schnell |
| Japanischer Klee, Chinesischer Buschklee (Lespedeza cuneata) | Kommt bisher nicht vor | Strauch, kann Flächen dominieren |
| Japanischer Kletterfarn (Lygodium japonicum) | Kommt bisher nicht vor | Kletternder Farn, überwuchert andere Pflanzen |
| Japanisches Stelzengras (Microstegium vimineum) | Kommt bisher nicht vor | Dichte Teppiche im Halbschatten |
| Karolina-, Grüne Haarnixe (Cabomba caroliniana) | Vorkommen nicht bestätigt | Eintragsweg oft über Aquarienreste |
| Kudzu (Pueraria lobata) | Kommt bisher nicht vor | Extrem wuchsstarker Kletterer |
| Mammutblatt (Gunnera tinctoria) | Kommt bisher nicht vor | Riesenstaude, kann in milden Lagen ausbrechen |
| Mesquite-Strauch (Prosopis juliflora) | Kommt bisher nicht vor | Dornig, bildet undurchdringliche Bestände |
| Muschelblume (Pistia stratiotes) | Vorkommen nicht bestätigt | Schwimmpflanze, teppichartige Ausbreitung |
| Nadelblättriges Nadelkissen (Hakea sericea) | Kommt bisher nicht vor | Dorniger Strauch, in warmen Regionen problematisch |
| Östlicher Baccharisstrauch, Kreuzstrauch (Baccharis halimifolia) | Kommt bisher nicht vor | Strauch, besiedelt Brachen |
| Okamura Braunalge (Rugulopteryx okamurae) | Kommt bisher nicht vor | Kein Gartenklassiker, zeigt aber die Breite der Liste |
| Persischer Bärenklau, Golpar (Heracleum persicum) | Vorkommen unbekannt | Große Doldenblütler können problematisch werden |
| Purpur-, Anden-Pampasgras (Cortaderia jubata) | Kommt bisher nicht vor | Viele Samen, bei Pampasgras immer Artnamen prüfen |
| Riesen-Schwimmfarn (Salvinia molesta) | Kommt bisher nicht vor | Breitet sich sehr schnell aus |
| Riesenbärenklau, Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum) | Kommt vor | Hautreaktionen durch Saft und Sonne, schwere Verbrennungen möglich |
| Rundblättriger Baumwürger (Celastrus orbiculatus) | Vorkommen nicht bestätigt | Klettergehölz, überwuchert Bäume |
| Santa-Maria-Prärieampfer, Karottenkraut (Parthenium hysterophorus) | Kommt bisher nicht vor | Kann Allergien begünstigen |
| Schmalblättrige Wasserpest (Elodea nuttalli) | Kommt vor | Unterwasser-Massenwuchs |
| Sosnowsky-Bärenklau (Heracleum sosnowskyi) | Vorkommen unbekannt | Ähnlich problematisch wie andere Bärenklau-Arten |
| Verschiedenblättriges Tausendblatt (Myriophyllum heterophyllum) | Kommt vor | Dichte Bestände, Verbreitung oft über Handel |
| Wechselblatt-, Krause-, Afrikanische Wasserpest (Lagarosiphon major) | Kommt vor | Wuchert auch in kühleren Gewässern |
| Weidenblatt-Akazie (Acacia saligna) | Kommt bisher nicht vor | Exot, in warmen Regionen invasiv |
Bevor du etwas Neues pflanzt
Wenn du dir Ärger ersparen möchtest, schau bei heiklen Gruppen wie Mohn, Salbei-Exoten und Teichpflanzen zuerst auf den botanischen Namen. Der deutsche Name ist oft Marketing, das Foto Wunschdenken, der lateinische Name hat dagegen eine klare Ansage. Wenn du darauf achtest, kann kaum etwas passieren.