Weißt du eigentlich, was in deinem Garten so wächst? Bist du dir im Klaren darüber, dass darunter mit Sicherheit die eine oder andere giftige Pflanze sein könnte? Das ist erst mal nicht gefährlich, aber trotzdem gut zu wissen, denn auch wenn so manche harmlos aussieht, ist sie es nicht immer. Dein Garten wird durch diese Giftpflanzen also nicht automatisch zum Risiko. Entscheidend ist, werden Garten nutzt und wie bewusst du mit Schnittgut, Beeren, Samen und Pflanzensaft umgehst.
Besonders kritisch ist es, wenn Kinder Beeren probieren, Haustiere an Blättern knabbern oder wenn Pflanzen mit essbaren Arten verwechselt werden. Auch bei der Gartenarbeit kann es unangenehm werden, wenn zum Beispiel giftiger Pflanzensaft die Haut reizt oder sogar in die Augen gelangt. Wenn du die wichtigsten Giftpflanzen kennst, kannst du viele Gefahren durch den richtigen Umgang vermeiden.
Giftig heißt nicht automatisch auch gefährlich
Eine Pflanze kann giftige Inhaltsstoffe enthalten und trotzdem jahrelang unauffällig in deinem Garten wachsen. Zur Vergiftung kommt es erst, wenn ausreichend Wirkstoff in oder an den Körper gelangt. Das kann allein durch die Berührung eines Blattes erfolgen, aber auch durch das Verschlucken von Beeren oder das Zerkauen von Samen.
Ob und in welcher Art es zu Vergiftungen kommt, hängt auch an Alter, Körpergewicht, Gesundheitszustand und natürlich der aufgenommenen Menge. Für kleine Kinder und Haustiere reichen geringere Mengen aus als für Erwachsene. Gefährlich sind vor allem folgende Situationen:
- Kinder probieren bunte Beeren, Samen oder Blüten.
- Haustiere fressen Blätter, Zwiebeln oder Schnittgut an.
- Giftige Pflanzen werden mit essbaren Pflanzen verwechseln.
- Pflanzensaft gelangt an Haut, Schleimhäute oder in Augen.
- Giftige Knollen oder Zwiebeln landen versehentlich bei Küchenvorräten.
- Rohe und unreife Pflanzenteile werden im Nutzgarten falsch eingeschätzt.
Das Gift in Pflanzen
Pflanzen bilden ihre Inhaltsstoffe, um sich selbst zu schützen, etwa vor Fraß, Pilzen, Bakterien oder der Konkurrenz. Für Menschen und Tiere können sie je nach Art Magen, Darm, Haut, Nerven, Herz oder Kreislauf schädigen. Die folgende Übersicht zeigt, warum Giftpflanzen so unterschiedlich reagieren können. Achtung: Dies ersetzt keine Diagnose, wenn du betroffen bist, solltest du im Zweifel immer zum Arzt gehen.
| Gruppe | Beispielpflanzen | Beschwerden |
| Alkaloide | Eisenhut, Tollkirsche, Engelstrompete, Goldregen, Lupine | Übelkeit, Unruhe, Krämpfe, Benommenheit, Herz- und Kreislaufprobleme |
| Herzglykoside | Fingerhut, Maiglöckchen, Oleander, Adonisröschen | Erbrechen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufprobleme |
| Taxine | Eibe | Übelkeit, Krämpfe, schwere Herz- und Kreislaufstörungen |
| Saponine | Efeu, Christrose, Schneebeere, Alpenveilchen | Schleimhautreizungen, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall |
| Furocumarine | Riesen-Bärenklau | Hautrötungen, Juckreiz, Blasenbildung durch Sonnenlicht |
| Blausäurebildner | Kirschlorbeer, manche Steinobstkerne (z. B. Aprikose, Pfirsich, Kirsche, Zwetschge) | Übelkeit, Atemprobleme, Kreislaufbeschwerden |
| Reizstoffe | Wolfsmilch, Aronstab, Narzisse, Tulpe | Brennen, Hautrötung, Schwellung, Augenreizung |
Typische Giftpflanzen im Garten
Damit du genau weißt, welche Pflanzen in deinem Garten giftig sein können, hier eine Auswahl der bekanntesten und am häufigsten vorkommenden Pflanzen.
| Pflanze | Gift | Wichtige Hinweise |
| Adonisröschen | Herzglykoside | Alle Teile giftig, besonders kritisch bei Verzehr |
| Aronstab | Reizstoffe, Oxalate | Beeren und Blätter reizen Mund und Schleimhäute stark |
| Blauregen | Wistarin, Alkaloide | Samen und Hülsen sind für Kinder verlockend |
| Buchsbaum | Alkaloide | Blätter, Rinde und Schnittgut nicht an Tiere verfüttern |
| Christrose | Saponine, Glykoside | Alle Teile giftig, besonders Wurzeln und Samen |
| Efeu | Saponine | Beeren und Blätter können Magen und Haut reizen |
| Eibe | Taxine | Nadeln und der harte Samen in der roten Fruchthülle sind stark giftig |
| Eisenhut | Aconitin | Eine der kritischsten Gartenpflanzen, auch Hautkontakt ernst nehmen |
| Engelstrompete | Tropanalkaloide | Alle Teile giftig, besonders Blätter und Samen |
| Fingerhut | Digitalisglykoside | Alle Teile giftig, Gefahr für Herz und Kreislauf |
| Goldregen | Cytisin | Samen und Hülsen sind besonders riskant |
| Herbstzeitlose | Colchicin | Alle Teile giftig, Verwechslung mit Bärlauch möglich |
| Hortensie | Blausäureglykoside | Vor allem bei Verzehr problematisch |
| Ilex | Saponine, Bitterstoffe | Beeren können Kinder anziehen |
| Kirschlorbeer | Blausäurebildner | Blätter und zerkaute Samen sind kritisch |
| Liguster | Glykoside, Bitterstoffe | Beeren lösen Beschwerden aus |
| Lupine | Alkaloide | Zierlupinen und Samen nicht mit Speiselupinen verwechseln |
| Maiglöckchen | Herzglykoside | Blätter, Blüten und Beeren giftig, Verwechslung mit Bärlauch möglich |
| Narzisse | Lycorin | Zwiebeln besonders giftig, Verwechslung mit Küchenzwiebeln möglich |
| Oleander | Herzglykoside | Alle Teile giftig, auch Schnittgut sorgfältig entsorgen |
| Pfaffenhütchen | Glykoside, Alkaloide | Auffällige Früchte und Samen sind riskant |
| Rhododendron | Grayanotoxine | Blätter, Blüten und Nektar enthalten Giftstoffe |
| Riesen-Bärenklau | Furocumarine | Starke Hautreizungen mit Blasenbildung, bei Sonnenlicht Verbrennungen möglich |
| Rizinus | Ricin | Besonders die Samen sind sehr gefährlich |
| Schneebeere | Saponine | Eher Magen-Darm-Beschwerden, Vorsicht bei Kindern |
| Schneeglöckchen | Alkaloide | Zwiebeln und Blätter giftig |
| Seidelbast | Daphnetoxin, Mezerein | Beeren, Rinde und Samen sind stark giftig |
| Stechapfel | Tropanalkaloide | Alle Teile giftig, Samen besonders kritisch |
| Thuja | Ätherische Öle, Thujon | Zweigspitzen und Schnittgut nicht unterschätzen |
| Tollkirsche | Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin | Beeren sind stark giftig |
| Tulpe | Tuliposide | Zwiebeln und Pflanzensaft können reizen |
| Wolfsmilch | Reizender Milchsaft | Haut und Augen schützen |
| Zaunrübe | Cucurbitacine | Beeren und Wurzeln giftig |
Kinder sehen Pflanzen anders
Kinder sind von Natur aus neugierig. Das ist gut, kann aber auch gefährlich werden. Vor allem dann, wenn sie Beeren, Samenstände oder Blüten von Giftpflanzen in die Hand nehmen, diese zerdrücken oder sie sogar probieren. Deshalb solltest du genau hinsehen, welche Pflanzen du dir in den Garten holst, wenn du kleine Kinder im Haus hast. In Familiengärten solltest du auf folgende Pflanzen besonders achten:
- Goldregen mit seinen bohnenartigen Samen
- Eibe mit den roten Samenmänteln
- Tollkirsche mit ihren dunklen, glänzenden Beeren
- Pfaffenhütchen mit auffälligen Früchten
- Maiglöckchen mit roten Beeren nach der Blüte
- Seidelbast mit leuchtenden Früchten
- Rizinus mit dekorativen, aber gefährlichen Samen
- Aronstab mit roten Beerenständen
Das bedeutet nicht, dass du jede dieser Pflanzen sofort rausreißen musst. In einem Garten mit Kleinkindern ist die Frage aber berechtigt, ob stark giftige Arten an gut erreichbaren Stellen sinnvoll sind.
Haustiere und Giftpflanzen
Hunde nehmen beim Spielen Erde, Stöckchen, Fallobst oder Schnittgut auf. Katzen knabbern an Gräsern und Pflanzen. Kaninchen und Meerschweinchen bekommen manchmal Grünfutter aus dem Garten, das nicht sorgfältig genug geprüft wurde. Daher solltest du darauf achten, dass Schnittgut von Eibe, Buchsbaum, Oleander, Thuja oder Rhododendron nicht in Tierausläufe und nicht auf Flächen gelangt, auf denen sich Haustiere befinden.
Bei Katzen kommt ein Sonderfall dazu: Lilien. Echte Lilien und Taglilien können für Katzen lebensgefährlich sein. Pollen, Blätter, Blüten und sogar Wasser aus der Vase mit Lilien sind problematisch. In einem Katzenhaushalt solltest du auf Lilien besser verzichten.
Essbare Pflanzen mit giftigen Teilen
Ja, es gibt auch Pflanzen, die essbar sind und trotzdem giftig. Wie geht das zusammen? Beispielsweise bei Kartoffeln oder Tomaten ist das so. Es sind also keine klassischen Giftpflanzen, enthalten aber trotzdem Stoffe, die bei falscher Verwendung Beschwerden auslösen können.
| Pflanze | Problem | Umgang |
| Gartenbohnen | Roh enthält sie Phasin | Bohnen immer vollständig durchgaren |
| Kartoffeln | Grüne Stellen und Keime enthalten mehr Solanin | Grüne Knollen aussortieren, Keime großzügig entfernen |
| Tomaten | Grüne Pflanzenteile und unreife Früchte enthalten problematische Stoffe | Blätter und unreife Früchte nicht essen |
| Holunder | Rohe Beeren und grüne Teile sind unverträglich bis giftig | Beeren erhitzen und sauber verarbeiten |
| Rhabarber | Blätter enthalten viel Oxalsäure | Nur die Stiele verwenden |
| Kürbisgewächse | Bittere Früchte können Cucurbitacine enthalten | Bitter schmeckende Zucchini, Kürbisse oder Gurken entsorgen |
| Steinobst | Kerne können Blausäurebildner enthalten | Kerne nicht zerkauen oder essen |
Hautkontakt nicht unterschätzen
Nicht jede Giftpflanze muss erst im Mund landen, um Probleme zu verursachen, bei manchen genügt schon der Hautkontakt. Das bekannteste Beispiel ist der Riesen-Bärenklau. Sein Pflanzensaft ist sehr aggressiv – gelangt dieser auf die Haut und kommt noch Sonnenlicht dazu, können starke Rötungen, Schwellungen und Blasen entstehen, beinahe wie bei Verbrennungen. Die Reaktion kann verzögert auftreten, also nicht unbedingt direkt bei Kontakt.
Der Riesen-Bärenklau ist keine Gartenpflanze, er kommt in der Regel nur wild vor, etwa an Wegrändern, Ufern, auf Brachflächen oder auf ungepflegten Grundstücken. Entdeckst du eine solche Pflanze an öffentlich zugänglichen Stellen, etwa an Wegen, auf Spielplätzen oder auf Grünflächen, solltest du den Fund dem Ordnungsamt oder der Gemeinde melden, damit diese die Pflanze entfernen können.
Auch Wolfsmilch, Thuja, Narzissen, Tulpen und Aronstab können Haut oder Schleimhäute reizen. Bei empfindlicher Haut reicht Gartenarbeit ohne Handschuhe bereits aus, damit Rötungen, Juckreiz oder Brennen entstehen. Besonders gefährlich ist Pflanzensaft im Auge. Deshalb ist es sinnvoll, bei der Gartenarbeit aufzupassen und bei folgenden Arbeiten Handschuhe zu tragen:
- Schneiden von Thuja, Eibe, Buchsbaum, Oleander und Wolfsmilch
- Entfernen von Riesen-Bärenklau oder unbekannten Doldenblütlern
- Teilen und Setzen von Blumenzwiebeln
- Ausreißen von Pflanzen mit Milchsaft
- Entsorgen größerer Mengen giftigen Schnittguts
Erste Hilfe bei Verdacht auf Vergiftung
Hast du den Verdacht einer Pflanzenvergiftung, dann solltest du nicht abwarten, ob die Symptome wieder von alleine verschwinden. Besonders bei Kindern, Haustieren, unbekannten Pflanzen oder stark giftigen Arten solltest du frühzeitig medizinischen Rat einholen. Das kannst du sofort tun:
Bei verschluckten Pflanzenteilen
- Pflanzenteile vorsichtig aus dem Mund entfernen
- Mund gründlich mit Wasser ausspülen
- Etwas Wasser oder Tee trinken lassen, sofern die Person wach und ansprechbar ist
- Pflanze, Beeren, Samen oder ein Foto bereithalten
- Giftnotruf, Arzt, Kinderarzt oder Tierarzt kontaktieren
- Kein Erbrechen auslösen
- Kein Salzwasser, keine Milch und keine Hausmittel geben
Bei Hautkontakt
- Betroffene Haut gründlich mit Wasser und Seife waschen
- Verschmutzte Kleidung ausziehen
- Bei Brennen, Rötung, Schwellung oder Blasenbildung ärztlichen Rat einholen
- Nach Kontakt mit Riesen-Bärenklau die Haut vor Sonne schützen
Bei Kontakt mit den Augen
- Augen sofort mehrere Minuten mit lauwarmem Wasser spülen
- Kontaktlinsen entfernen, sofern das Problemlos möglich ist
- Bei Schmerzen, Rötung, Tränenfluss oder verschwommenem Sehen zum Arzt gehen
Bei Kontakt mit Mund, Nase und anderen Schleimhäuten
- Betroffene stelle vorsichtig mit Wasser spülen
- Nicht reiben
- Bei Brennen, Schwellung, Atembeschwerden oder starkem Speichelfluss sofort medizinische Hilfe holen
Den Giftnotruf erreichst du über die 112. Dabei sind Name der Pflanze, aufgenommene Menge, Zeitpunkt der Aufnahme und die Beschwerden wichtige Informationen.
Ein sicherer Garten – auch mit Giftpflanzen
Giftpflanzen sind seit jeher in Gärten zu finden. Wenn du dir unsicher über die eine oder andere Gartenpflanze bist, mach einen kurzen Rundgang, liste die Pflanzen, die du nicht kennst, auf, mache Fotos und recherchiere, um welche Pflanzen es sich handelt. Weißt du bereits, dass Giftpflanzen bei dir im Garten stehen und hast du kleine Kinder oder Haustiere, dann sorge für entsprechenden Schutz, setze die Pflanzen um oder entferne sie. Und ziehe beim Arbeiten mit giftigen Pflanzen immer Handschuhe an – so kann kaum etwas passieren und die Giftpflanzen können niemandem schaden.




