Wenn es uns im Sommer zu warm ist, dann wissen wir ganz genau, wie wir uns Abkühlung verschaffen können. Wenn es unseren Pflanzen zu warm ist, zeigen sie es uns durch eingerollte Blätter, durch hängende Köpfe, durch strohigen Rasen und dadurch, dass manches einfach nicht keimen will. Dann ist guter Rat teuer, denn nicht immer liegt der Grund darin, dass wir zu wenig gießen. Es können auch die falsche Technik oder der falsche Zeitpunkt sein. Und: Nicht immer hat es mit Wasser zu tun. Es gibt zahlreiche Sommerfallen, in die du nicht reintappen solltest.
Falle 1: Du gießt nach Gefühl
Mit dem Schlauch die Beete benetzen, mit der Gießkanne hier ein bisschen in den Topf, dort auch ein bisschen – die Erde ist nass, das wird schon reichen. Leider tut es das in den meisten Fällen aber nicht. Gießt du zu wenig, wird nur die oberste Erdschicht feucht, die Wurzeln sitzen aber weiterhin im Trockenen. Daher ist es besser, seltener, dafür aber gründlich und durchdringend zu gießen. Das Wasser sollte langsam einsickern und nicht nur kurz die Oberfläche dunkel färben. Bist du dir unsicher, ob deine Pflanzen Wasser brauchen, mach die Fingerprobe: Ist die Erde ein paar Zentimeter tief noch feucht, musst du noch nicht gießen.
| Beobachtung | Hinweis | Maßnahme |
| Oberfläche trocken | Kann täuschen | Fingerprobe |
| Erde krümelig | Wassermangel | Gründlich gießen |
| Erde schmierig | Zu nass | Pausieren |
| Pfützen | Verdichtung | Später lockern |
| Welke | Hitze- oder Trockenstress | Erst Boden prüfen |
Beachte: Sandige Böden trocknen schneller aus als schwere Böden. Hochbeete verlieren Feuchtigkeit schneller als herkömmliche Beete. Frisch gepflanzte Stauden brauchen mehr Aufmerksamkeit als eingewachsene Pflanzen. Daher passt ein einziger Gießrhythmus nicht für den ganzen Garten.
Falle 2: Du gießt die komplette Pflanze
Ja, der Rasensprenger ist bequem, allerdings für viele Pflanzen nicht die beste Lösung. Tomaten, Gurken, Zucchini, Rosen, dichtstehende Stauden und frisch gesetzte Blumen mögen es nicht, wenn ihre Blätter ständig nass werden. Bleibt das Laub lange feucht, können sich Pilzkrankheiten ausbreiten. Daher ist es immer sinnvoll, bodennah zu gießen. Eine Gießkanne, ein Tropfschlauch oder ein kleiner Gießrand um die Pflanze bringen Wasser dorthin, wo es gebraucht wird. Bei großen Pflanzen gießt du am besten rund um den Wurzelbereich, da diese sich deutlich ausbreiten.
Hinweis: Ein kurzer Sommerschauer ersetzt das Gießen nicht. Der Boden wird nur oberflächlich benetzt und große Blätter halten Wasser sogar vom Boden fern. Es nützt also nichts, wenn deine Pflanze nass aussieht, die Erde aber trocken ist.
Falle 3: Du gießt zum falschen Zeitpunkt
Die besten Gießzeitpunkte sind früh morgens und am Abend. Am Morgen ist der Boden noch kühler, das Wasser kann gut einsickern und versehentlich benetzte Blätter trocknen schnell wieder ab. Abends funktioniert auch, wenn du direkt an den Boden gießt. Achtung: Hast du viele Schnecken im Garten, ist das eine Einladung, denn sie sind besonders bei Dunkelheit und Feuchtigkeit aktiv. Auch bei Pflanzen, die pilzempfindlicher sind, solltest du lieber früh gießen.
Mittags kannst du gießen, wenn es bewölkt und nicht zu heiß ist, ansonsten bitte nicht. Der Grund: Ein Großteil des Wassers verdunstet zu schnell und gelangt nicht bis zu den Wurzeln. Wenn eine Pflanze akut schlapp macht und der Boden ist trocken, dann solltest du trotzdem gießen und zwar immer direkt bodennah.
Falle 4: Du gießt mit zu kaltem Wasser
Für uns ist kaltes Wasser bei Wärme eine angenehme Erfrischung, für deine Pflanzen eher nicht. Ein eiskalter Schwall auf aufgeheizte Erde oder warme Wurzelballen ist ein großer Temperatursprung, den so manche Pflanze nicht gut verträgt. Besonders auffällig ist das bei jungen Setzlingen, empfindlichen Sommerblumen und Kübelpflanzen.
Daher ist abgestandenes Wasser aus der Regentonne besser. Es hat sich bereits an die Umgebungstemperaturen angepasst und trifft die Pflanzen nicht eiskalt. Du musst daraus keine Wissenschaft machen und deine Pflanzen werden deswegen nicht gleich alle eingehen, wenn du Wasser aus der Leitung nimmst, aber achte darauf, nicht mit vollem Druck auf heiße Töpfe und trockene Ballen zu halten. Daher solltest du beim Gießen mit einem Schlauch das Wasser langsam herauslaufen lassen und in kleinen Runden gießen.
Falle 5: Du behandelst Kübel- wie Beetpflanzen
Pflanzen im Kübel haben nur begrenzt Platz, das heißt, dass sich die Wurzeln nicht so weit ausbreiten können, wie im Beet. Der begrenzte Wurzelraum bedeutet auch, dass sich die Erde im Topf schneller aufheizt und folglich auch schneller austrocknet. Kleine Töpfe, dunkle Gefäße und Terrakotta-Kübel verschärfen die Situation noch. Parallel sollten die Wurzeln aber auch nicht dauerhaft in Feuchtigkeit stehen, da so die Gefahr von Wurzelfäule gegeben ist. Daher solltest du auf folgende Dinge achten:
- Verwende Töpfe und Kübel mit Abzuglöchern und kontrolliere immer, dass sie nicht verstopft sind.
- Wähle immer die passende Topfgröße für deine Pflanze aus.
- Stelle die Pflanzen hell aber ohne Hitzestau.
- Kontrolliere am besten morgens, ob Wasser benötigt ist und gieße dann (abends ist auch möglich)
- Nutze Untersetzer, die du von Zeit zu Zeit ausleerst.
- Gieße bei trockenem Ballen immer langsam, so kann sich das Wasser besser verteilen und fließt nicht einfach durch.
Wenn das Wasser sofort unten herausläuft, ist die Erde zu trocken, sie kann nur wenig aufnehmen. Dann hilft es, wenn du in Etappen gießt. Bei stark ausgetrockneten Töpfen kannst du den Ballen auch tauchen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
Falle 6: Du düngst bei Hitze und Trockenheit
Manche denken bei schlappen Pflanzen daran, dass Pflanzen Nährstoffe fehlen und greifen zum Dünger. Das ist bei Hitze und Trockenheit keine gute Idee, denn das kann die Lage verschärfen. Vor allem Flüssigdünger auf einen trockenen Ballen solltest du in jedem Fall vermeiden. Erst wird gründlich gegossen, dann wird gedüngt. Aber nur dann, wenn die Pflanze tatsächlich Nährstoffe braucht. Notiere dir am besten immer, wann du das letzte Mal gedüngt hast – so kannst du gut feststellen, ob Nachschub benötigt wird.
| Fehler | Folge | Abhilfe |
| Bei Trockenheit düngen | Wurzelstress | Vorher gießen |
| Zu viel düngen | Weiche Triebe | Niedriger dosieren |
| Zu viel Stickstoff geben | Anfälliger Wuchs | Sparsam düngen |
| An heißen Tagen düngen | Zusatzstress | Kühler düngen |
Kübelpflanzen brauchen im Sommer regelmäßiger Nachschub, weil der Vorrat in der Erde begrenzt ist. Auch hier gilt: passend dosieren als nach Gefühl nachkippen. Weniger ist besser!
Falle 7: Du lässt Beetboden offen liegen
Ein Beet, das seinen blanken Boden präsentiert sieht vielleicht ordentlich aus, hat aber auch einige Nachteile. Die Erde trocknet schneller aus, verkrustet leichter und heizt sich stärker auf. Nach einem kräftigen Guss kann die Oberfläche hart werden, sodass Wasser beim nächsten Mal schlechter einsickert. Außerdem sprießt Unkraut leichter.
Eine dünne Mulchschicht dagegen schützt den Boden. Sie hält Feuchtigkeit länger im Beet, bremst Verschlämmung und sorgt dafür, dass die Erde nicht direkt in der Sonne liegt. Dafür eignen sich zum Beispiel angetrockneter Rasenschnitt, Laub, Stroh, feiner Heckenschnitt, gehäckselte Pflanzenreste oder Rindenmulch.
Beachte: Auf die Menge kommt es an! Frischer Rasenschnitt sollte nicht dick und nass auf dem Beet liegen, sonst klebt er zusammen. Direkt am Pflanzenhals bleibt etwas Abstand, damit nichts fault. In Beeten mit vielen Schnecken mulchst du lieber dünner und kontrollierst häufiger.
Falle 8: Du schneidest deinen Rasen zu kurz

Viele mähen im Sommer den Rasen besonders kurz, um weniger Arbeit damit zu haben. Der Schuss kann bei Hitze und Trockenheit schnell nach hinten losgehen. Kurze Halme beschatten den Boden nämlich schlechter, die Grasnarbe trocknet schneller aus und bei starker Sonne entstehen braune Stellen. Daher solltest du deinen Rasen bei Hitze nicht zu tief schneiden. Lieber regelmäßiger, aber weniger radikal – damit führst du in jedem Fall besser und hast einen gesunden Rasen.
| Situation | Fehler | Abhilfe |
| Hitze | Zu kurz mähen | Höher stehen lassen |
| Trockenheit | Zu oft mähen | Pause machen |
| Neusaat | Austrocknen lassen | Feucht halten |
| Altflächen | Panisch wässern | Abwarten |
Wird ein gut eingewachsener Rasen bei Trockenheit gelb, sieht das zwar nicht besonders schön aus, das heißt aber noch lange nicht, dass er kaputt geht. Nach einem Regen oder einer gründlichen Gießgabe treibt er meist wieder aus. Frisch gesäter Rasen ist dagegen empfindlicher, weil die jungen Wurzeln noch kaum Tiefe haben.
Falle 9: Du gießt deine Aussaaten zu selten
Wenn du im Sommer noch aussäst, dann brauchen die Samen und Keimlinge besonders viel Aufmerksamkeit. Feine Samen liegen oft flach und Keimlinge haben kaum Reserven. Wenn die Saatreihe zwischendurch austrocknet, sind Ausfälle vorprogrammiert.
Besonders anfällig bei Hitze sind Karotten, Radieschen, Salate, Spinat und Kräuter. Manche keimen schlechter, andere schießen schneller oder bleiben schwach, wenn sie direkt nach dem Auflaufen in der prallen Sonne stehen.
Das bedeutet: Nach der Aussaat gießt du vorsichtig mit einer feinen Brause. Eine leichte Schattierung oder ein Vlies können in den ersten Tagen helfen, die Feuchtigkeit zu halten. Sobald Keimlinge sichtbar werden, muss die Abdeckung natürlich angepasst oder entfernt werden.
Falle 10: Du hältst zu viel Ordnung im Beet
Jäten ist sinnvoll. Unkraut nimmt Wasser, Licht und Nährstoffe weg und Samenunkräuter werden schnell lästig. Trotzdem ist ein komplett blankes Beet im Sommer nicht zielführend. Ständiges Hacken bei Trockenheit kann die Bodenoberfläche öffnen. Feine Wurzeln werden gestört und die Erde trocknet leichter aus. Besser ist gezieltes Jäten: Entferne junge Unkräuter früh, ziehe Wurzelunkräuter sorgfältig heraus und bedecke danach freie Flächen.
Auch beim Schneiden lohnt sich Zurückhaltung. Verblühtes kannst du bei vielen Sommerblumen ausputzen. Kranke Blätter sollten raus. Ein radikaler Rückschnitt, vor allem an heißen Tagen, ist nicht nötig. Entfernst du kranke Pflanzenteile, solltest du diese immer direkt entsorgen, um die Krankheit nicht weiter zu verbreiten.
Sommerpflege wo sie passt
Gerade im Sommer können sich gut gemeinte Pflegearbeiten negativ auswirken. Wichtig ist immer, dass du das richtige tust. Nicht jede Pflanze braucht Wasser, nur weil sie gelbe Blätter bekommt, nicht jeder Kübel steht in der Sonne günstig und nicht immer ist der Rasen verloren, wenn er zu trocken aussieht. Gehe mit Bedacht vor und nicht mit Aktionismus, dann kommen deine Pflanzen und in der Folge auch du gut durch den Sommer.




