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Obst

Jostabeeren – ein bisschen Stachelbeere, ein bisschen Johannisbeere

Sie sehen ein bisschen aus wie Schwarze Johannisbeeren und ein bisschen wie Stachelbeeren. Und das hat einen guten Grund, denn Jostabeeren sind eine Kreuzung aus genau diesen beiden…

Jostabeeren

Sie sehen ein bisschen aus wie Schwarze Johannisbeeren und ein bisschen wie Stachelbeeren. Und das hat einen guten Grund, denn Jostabeeren sind eine Kreuzung aus genau diesen beiden beliebten Beerenarten. Geschmacklich müssen sie sich vor den Klassikern keineswegs verstecken. Sie schmecken süß-säuerlich, wobei die Süße an reife Stachelbeeren und die leichte Säure eher an Johannisbeeren erinnert.

Trotzdem sind Jostabeeren bis heute eher unbekannt und frisch nur selten zu bekommen. Macht aber nichts: Du kannst dir einfach einen eigenen Jostabeerenstrauch in den Garten holen und die Früchte selbst ernten.

Die Jostabeere im Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ribes × nidigrolaria
  • Alternative Namen: Josta, Jochelbeere
  • Familie: Stachelbeergewächse
  • Herkunft: Nicht natürlich vorkommend, durch Kreuzung entstanden
  • Früchte: Rund, schwarz bis dunkelviolett, 1 bis 2 Zentimeter groß, glatte Schale, keine Stacheln, aromatisch, süß-säuerlich und leicht herb
  • Sorten: 4 – Josta, Jocheline, Jogranda, Jostine
  • Wuchshöhe: 1,5 bis 2 Meter
  • Blütezeit: April bis Mai
  • Erntezeit: Juli bis August
  • Befruchtung: Selbstfruchtbar
  • Winterhärte: Winterhart

Was sind Jostabeeren?

Jostabeeren sind nicht besonders weit verbreitet und werden deshalb manchmal für eine alte Beerensorte gehalten. Tatsächlich sind sie aber eine vergleichsweise junge Züchtung.

Erste Kreuzungsversuche zwischen Johannisbeeren und Stachelbeeren gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Früchte kannst du direkt vom Strauch naschen oder zu Konfitüre, Saft, Kompott, Likör und Kuchen verarbeiten.

Auch wenn du Jostabeeren im Supermarkt kaum findest, sind sie bei Hobbygärtnern durchaus beliebt. Kein Wunder: Die Sträucher sind pflegeleicht, robust und können einen ordentlichen Ertrag liefern.

So kam die Jostabeere zu ihrem Namen

Der Name Jostabeere ist schnell erklärt. Es handelt sich weder um einen Fantasienamen noch um die Bezeichnung eines Züchters. „Josta“ setzt sich schlicht aus Johannisbeere und Stachelbeere zusammen: Jo-hannisbeere plus Sta-chelbeere. Viel komplizierter war die Namensfindung offenbar nicht.

Jostabeeren – wie alles begann

Schon bevor Erwin Baur ab 1922 intensiv an der Jostabeere arbeitete, gab es Vorläufer solcher Kreuzungen. Bereits 1880 wurde durch den Engländer William Culverwell eine Kreuzung zwischen Schwarzer Johannisbeere und Stachelbeere dokumentiert. Dabei handelte es sich allerdings noch nicht um die heutige Jostabeere.

Mehr als 40 Jahre später setzte Erwin Baur die Züchtungsarbeit fort. Sein Ziel war unter anderem, widerstandsfähigere Pflanzen zu entwickeln, insbesondere gegenüber Mehltau. Damals wurde die Kreuzung noch als Jochelbeere bezeichnet – ebenfalls eine Kombination aus Johannisbeere und Stachelbeere.

Ab 1926 wurden die Züchtungsarbeiten am Kaiser-Wilhelm-Institut weitergeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte man die Forschung ab 1946 fort. Neben der Jostabeere, die 1977 durch Rudolf Bauer von der Bundesforschungsanstalt für Gartenbau offiziell eingeführt wurde, entstanden später noch drei weitere Sorten:

  • 1983 die Jocheline – gezüchtet von H. Murawski in der damaligen DDR.
  • 1985 die Jogranda – entwickelt in Westdeutschland.
  • 1989 die Jostine – ebenfalls in Westdeutschland gezüchtet.

Eine eigene Jostabeeren-Industrie gibt es bis heute nicht. Deshalb findest du die Früchte im Supermarkt so gut wie nie. Mit etwas Glück bekommst du sie in Hofläden oder direkt beim Bauern. Ein Grund dafür ist, dass die Beeren vergleichsweise schwierig zu ernten sind.

Jostabeeren selbst anbauen

Du möchtest mal einen Beerenstrauch im Garten haben, dessen Früchte nicht an jeder Ecke zu kaufen sind? Dann ist die Jostabeere eine spannende Alternative zu Johannisbeere und Stachelbeere. Damit sie kräftig wächst und reichlich trägt, solltest du ein paar Dinge bei Standort und Pflege beachten.

Standort

Jostabeeren fühlen sich an einem sonnigen bis halbschattigen Standort wohl. Je mehr Sonne sie bekommen, desto intensiver entwickelt sich normalerweise auch das Aroma der Früchte. Im Halbschatten bleiben die Beeren häufig etwas säuerlicher. Gleichzeitig ist dort die Gefahr geringer, dass Blätter und Früchte bei extremer Hitze Sonnenbrand bekommen.

Obwohl Jostabeeren kräftig wachsen, ist ein etwas geschützter Standort von Vorteil. Starker Wind kann junge Triebe knicken oder Fruchttriebe beschädigen. Außerdem trocknen Boden und Pflanzen schneller aus. Auch Bienen und Hummeln sind bei starkem Wind weniger aktiv.

Boden

Der Boden sollte locker, humos und nährstoffreich sein. Besonders wichtig ist eine gute Durchlässigkeit, denn Staunässe vertragen Jostabeeren nicht. Bei schweren Böden kannst du vor der Pflanzung Sand oder feinen Splitt einarbeiten, um die Struktur zu verbessern. Der ideale pH-Wert liegt im schwach sauren bis neutralen Bereich zwischen etwa 6 und 7.

Gießen

Eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit ist für einen guten Ertrag besonders wichtig. Während längerer Trockenperioden solltest du regelmäßig gießen, vor allem während der Fruchtbildung. Eine Mulchschicht hilft dabei, die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten. Gleichzeitig wird das Wachstum von Unkraut gebremst.

Gieße lieber durchdringend und seltener als jeden Tag nur ein bisschen. Wichtig ist, dass das Wasser tief genug in den Boden gelangt. Staunässe darf trotzdem nicht entstehen.

Düngen

Jostabeeren haben einen relativ hohen Nährstoffbedarf. Im Frühjahr kannst du deshalb Kompost, gut verrotteten Mist oder einen organischen Beerendünger ausbringen. In Verbindung mit einer Mulchschicht reicht diese Versorgung bei guten Böden häufig für die Saison aus. Auf sehr nährstoffarmen oder sandigen Böden kannst du im Juni noch einmal mit Brennnesseljauche oder Beerendünger nachhelfen.

Steht die Jostabeere im Topf, kannst du einen Langzeitdünger verwenden oder während der Wachstumszeit alle zwei bis drei Wochen schwach dosierten Flüssigdünger geben.

Ernten

Die Ernte beginnt meist im Juli und kann sich über mehrere Wochen ziehen. Da die Früchte nicht alle gleichzeitig reifen, solltest du immer wieder kontrollieren und mehrfach ernten. Die Beeren sitzen relativ fest an den Trieben. Häufig ist es deshalb einfacher, kleine Fruchtstände beziehungsweise mehrere Beeren zusammen zu ernten, statt jede Frucht einzeln abzupflücken.

Vermehrung

Jostabeeren lassen sich besonders einfach durch Absenker vermehren. Dafür biegst du im Frühling oder Herbst einen langen, biegsamen Trieb vorsichtig zum Boden, fixierst ihn dort und hältst die Stelle gleichmäßig feucht.

Sobald sich ausreichend Wurzeln gebildet haben, kannst du den Trieb im folgenden Jahr von der Mutterpflanze trennen und an einen neuen Standort setzen. Mit ersten Früchten kannst du nach etwa zwei bis drei Jahren rechnen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Vermehrung durch Steckhölzer. Dazu schneidest du im Winter etwa 20 Zentimeter lange, verholzte Triebe ab und steckst sie in lockere Anzuchterde. Halte das Substrat gleichmäßig feucht. Bilden sich im Frühjahr neue Triebe, hat die Bewurzelung funktioniert.

Auch bei dieser Methode dauert es meist zwei bis drei Jahre bis zur ersten nennenswerten Ernte. Theoretisch lassen sich Jostabeeren auch über Samen vermehren. Da es sich um Hybridpflanzen handelt, entstehen dabei allerdings keine sortenechten Nachkommen. Deshalb spielt diese Methode in der Praxis kaum eine Rolle.

Schnitt

Eine gute Mischung aus jüngeren und älteren Trieben sorgt für einen gleichmäßigen Ertrag.

  • Nach der Pflanzung solltest du die Jostabeere auf drei bis fünf kräftige Triebe einkürzen.
  • Ab dem vierten Jahr werden jedes Jahr ältere Triebe bodennah entfernt. Ziel sind dauerhaft etwa acht bis zwölf kräftige Haupttriebe.
  • Die besten Früchte sitzen vor allem an zwei- bis dreijährigem Holz.
  • Geschnitten wird im Spätwinter, also im Februar oder März, oder direkt nach der Ernte.

Sonstige Pflegemaßnahmen

Viel zusätzliche Arbeit macht die Jostabeere nicht. Mit ein paar einfachen Maßnahmen kannst du ihr trotzdem etwas Gutes tun:

  • Eine Mulchschicht aus Rindenmulch, Gras oder Stroh hält die Feuchtigkeit im Boden und gibt beim Verrotten nach und nach Nährstoffe ab.
  • Halte den Bereich rund um den Strauch möglichst frei von Unkraut. Zu viel Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe kann sich auf Wachstum und Fruchtbildung auswirken. Eine Mulchschicht hilft auch hier.
  • Einen speziellen Winterschutz benötigt die Jostabeere normalerweise nicht. Etablierte Pflanzen kommen auch mit starken Minusgraden gut zurecht.

Jostabeeren – Krankheiten und Schädlinge

Jostabeeren gelten als robust und widerstandsfähig. Ganz immun gegen Krankheiten und Schädlinge sind sie allerdings nicht.

Krankheiten

  • Amerikanischer Stachelbeermehltau: Auch wenn Jostabeeren unter anderem mit dem Ziel gezüchtet wurden, widerstandsfähiger gegen Mehltau zu sein, kann die Krankheit auftreten. Der Befall ist eher selten und zeigt sich vor allem bei feuchtwarmer Witterung und schlechter Luftzirkulation. Typisch ist ein weißlicher bis grauer Belag auf Blättern, jungen Trieben und Früchten. Einen leichten Blattbefall verkraftet die Pflanze meist gut. Befallene Früchte solltest du entfernen. Ein regelmäßiger Auslichtungsschnitt sorgt vorbeugend für mehr Luft im Strauch.
  • Blattfallkrankheit: Dieser Pilz tritt häufig bei Johannisbeeren auf und kann auch Jostabeeren befallen. Auf den Blättern entstehen braune Flecken, später fallen sie vorzeitig ab. Dadurch wird die Pflanze geschwächt und kann im folgenden Jahr weniger Ertrag bringen. Entferne befallenes Laub und achte auf einen luftigen Standort.
  • Viruskrankheiten: Dazu gehören unter anderem das Johannisbeer-Streifenmosaik-Virus und das Johannisbeer-Reversion-Virus. Bei Jostabeeren treten sie nur selten auf. Mögliche Symptome sind Blattaufhellungen, Wachstumsstörungen und geringe Erträge. Eine direkte Behandlung ist nicht möglich. Stark befallene Pflanzen müssen entfernt werden.

Schädlinge

  • Blattläuse: Vor allem Johannisbeerblattläuse können für gekräuselte und eingerollte Blätter sorgen. Durch den ausgeschiedenen Honigtau können sich zusätzlich Rußtaupilze ansiedeln. Einzelne stark befallene Triebspitzen kannst du entfernen. Bei stärkerem Befall helfen geeignete Mittel auf Basis von Kaliseife. Fördere außerdem Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen.
  • Johannisbeerglasflügler: Welke Einzeltriebe können auf diesen Schädling hindeuten. Schneidest du einen betroffenen Trieb auf, sind im Inneren häufig Fraßgänge mit Larven zu erkennen. Befallene Triebe solltest du bis ins gesunde Holz zurückschneiden und entsorgen. Verletzte oder abgestorbene Triebe sollten ebenfalls entfernt werden.
  • Sägewespen-Larven: Die Larven fressen an den Blättern und können diese innerhalb kurzer Zeit stark schädigen oder sogar vollständig abfressen. Besonders im Mai und Juni solltest du die Pflanzen deshalb regelmäßig kontrollieren und sichtbare Larven absammeln.
  • Gallmilben: Typisch sind verdickte, kugelige Knospen, die nicht mehr richtig austreiben. Befallene Knospen kannst du im Winter oder Frühjahr ausbrechen. Stark betroffene Triebe sollten komplett entfernt werden.
  • Vögel: Reife Jostabeeren sind nicht nur bei uns beliebt. Auch Vögel bedienen sich gerne am Strauch. Möchtest du einen größeren Teil der Ernte selbst behalten, kannst du rechtzeitig ein Vogelschutznetz über der Pflanze anbringen.
H
Redaktion Garten

Als Kind weiß man immer ganz genau, was man später mal werden will – war bei mir nicht anders. Allerdings wurde ich dann weder Schornsteinfeger, noch Astrologe und auch kein Zahnarzt. Stattdessen landete ich als Moderator beim Radio und als Redakteur beim TV. Der Schritt ins Internet war dann nicht mehr weit – so habe ich mich 2008 als Redakteur und Texter selbstständig gemacht. Zu den flinken Fingern gesellte sich noch der Grüne Daumen – Beruf und Leidenschaft lagen nah zusammen. Ich landete schließlich bei Caipi und verbinde nun meine Erfahrungen als Texter und Hobbygärtner. Von meinem Arbeitsplatz aus sehe ich direkt in meinen Garten, was kann es Schöneres geben?

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