Ein Spaziergang durch unsere Gärten zeigt uns eine Vielfalt an Pflanzen – von den Zierpflanzen bis hin zum Obst und Gemüse. Hier wurden Sonnenblumen angesät, ein Beet weiter sind farbenfrohe Rosen zu finden, gegenüber ist die Abteilung Gemüse mit Tomaten, Gurken und Kohl und natürlich darf auch das Kräuterbeet mit Petersilie und Dill nicht fehlen. Auf den ersten Blick haben diese Pflanzen recht wenig miteinander zu tun – doch die Botanik erzählt eine andere Geschichte. Sie zeigt nämlich, dass viele Pflanzen eng miteinander verwandt sind, auch wenn man es ihnen gar nicht ansieht. In unseren Beeten sind also viele Pflanzenfamilien mit zahlreichen Familienmitgliedern zu finden – und tatsächlich sind auch einige Überraschungen mit dabei.
Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Wer Nachtschatten hört, denkt womöglich erst einmal an Giftpflanzen – so falsch liegt er da nicht. Trotzdem findet man in dieser Familie viele unserer wichtigsten Nutzpflanzen. Ursprünglich stammen viele Nachtschattengewächse aus Mittel- und Südamerika, dort wurden sie bereits vor Jahrtausenden kultiviert. Erst nach der Entdeckung Amerikas gelangten Tomaten, Kartoffeln und Paprika nach Europa und revolutionierten hier unsere Ernährung. Zu Beginn wurden die unbekannten Früchte noch misstrauisch beäugt – die Tomate galt lange Zeit sogar als giftig. Alle Nachtschattengewächse bilden Alkaloide, manche so viel davon, dass die Pflanzen tatsächlich giftig sind.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Gemüse: Tomaten, Kartoffeln, Paprika, Chili, Auberginen
- Obst: Physalis, Goji-Beeren
- Zierpflanzen: Petunien, Engelstrompeten, Ziertabak, Lampionblumen, Schwarzes Bilsenkraut
Hättest du das gedacht: Die leuchtende Petunie, die viele Balkonkästen ziert, ist eine enge Verwandtschaft unserer Kartoffel.
Korbblütler (Asteraceae)
Sie sind die Blumenmeister der Natur: Was wie eine große Blüte aussieht, ist in Wirklichkeit ein ganzer Blumenstrauß aus vielen kleinen Blüten. Die Familie ist nahezu weltweit verbreitet und zählt zu den artenreichsten überhaupt. Charakteristisch ist der Blütenkorb, der aus hunderten Einzelblüten besteht. Seit der Antike spielen Vertreter dieser Familie in Heilkunde, Ernährung und im Ziergarten eine wichtige Rolle – von bitterstoffreichen Heilkräutern bis hin zu imposanten Schmuckstauden.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Gemüse: Kopfsalat, Endiviensalat, Chicorée, Artischocken, Topinambur, Schwarzwurzeln
- Zierpflanzen: Sonnenblumen, Astern, Dahlien, Chrysanthemen, Ringelblumen, Zinnien, Gerbera, Margeriten, Echinacea
Hättest du das gedacht: Der unscheinbare Kopfsalat ist enger mit der Sonnenblume verwandt, als mit dem Spinat.
Doldenblütler (Apiaceae)
Kaum eine andere Familie prägt unseren Küchengarten so sehr, wie die Doldenblütler – sie sind sowohl beim Gemüse, als auch bei Kräutern und Gewürzen allgegenwärtig. Typisch sind doldenförmige Blütenstände, oft hohle Stängel, und ein hoher Gehalt an ätherischen Ölen. Intensive Düfte sind die Folge. Die trockenen Früchte zerfallen meist in zwei Teilfrüchte. Doldenblütler sind vor allem in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel zu finden. Seit der Antike sind zahlreiche Arten als Gewürz-, Heil- und Gemüsepflanzen bekannt – einige aber auch berüchtigt für starke Giftigkeit.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Gemüse/Kräuter: Karotten, Sellerie, Pastinaken, Petersilie, Dill, Fenchel, Kerbel, Liebstöckel
- Gewürze: Kümmel, Anis, Koriander, Kreuzkümmel
- Zierpflanzen: Engelwurz, Sterndolden, Wilde Möhren, Riesen-Bärenklau
Hättest du das gedacht: Kümmel, Anis und Karotten sind enge Verwandte des sehr giftigen Riesen-Bärenklau.
Rosengewächse (Rosaceae)
Rosen sind die Königinnen der Blumen. Die Pflanzenfamilie spielt aber auch beim Obst eine große Rolle – eine Familie voller Vielfalt und Überraschungen. Die meisten Vertreter stammen aus den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel. Auffällig sind die fünfzähligen Blüten mit vielen Staubblättern und ein kleiner Blütenbecher, aus dem sehr unterschiedliche Früchte hervorgehen – von Kern-, über Stein bis zu Sammelfrüchten. Kaum eine Familie hat unsere Obstkultur, die Gartenästhetik und die Symbolik so geprägt, wie die Rosengewächse.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Obst: Äpfel, Birnen, Quitten, Kirschen, Zwetschgen, Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Mandeln
- Zierpflanzen: Rosen, Fingerstrauch, Spierstrauch, Feuerdorn, Eberesche, Felsenbirnen, Weißdorn
Hättest du das gedacht: Die Erdbeere ist enger mit der Rose verwandt, als mit Beeren wie der Johannisbeere oder der Heidelbeere.
Kreuzblütler (Brassicaceae)
Sie sind die „Kohl-Familie“: scharf, würzig und voller Senföle, die ihnen ihren typischen Geschmack und manchmal auch Duft verleiht. Erkennbar sind die Pflanzen an vier kreuzförmig angeordneten Blütenblättern und den schotenartigen Früchten. Charakteristisch sind Senfölglykoside, die beim Zerreiben in die Nase steigen und Fressfeinde fernhalten sollen. In der Kulturgeschichte wurden aus wenigen Urformen durch Auslese völlig unterschiedliche Gemüsetypen geschaffen – von Blatt-, über Spross- bis zu Blütenständen.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Gemüse: Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Grünkohl, Rosenkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Chinakohl, Pak Choi, Radieschen, Rettich, Rucola, Meerrettich
- Zierpflanzen: Goldlack, Silberblatt, Blaukissen, Steinkraut, Schleifenblume, Nachtviole
Hättest du das gedacht: Der duftende Goldlack ist enger mit dem Brokkoli verwandt, als mit Nelken oder Tulpen.
Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Diese Familie ist ein ökologisches Kraftpaket. Sie bindet Stickstoff im Boden und liefert uns zugleich eiweißreiche Nahrung. Erkennen kann man die Pflanzen durch ihre schmetterlingsförmigen Blüten und Früchte, die als Hülsen aufplatzen. In den Wurzeln leben Bakterien, die Luftstickstoff binden und so den Boden verbessern – darum sind viele Vertreter beliebte Vor- oder Gründüngungspflanzen. Weltweite verbreitet, prägen sie Anbausysteme von den Tropen bis in gemäßigte Zonen und sind in der Ernährung zentrale Eiweißlieferanten.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Gemüse: Buschbohnen, Stangenbohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen, Sojabohnen, Ackerbohnen, Erdnüsse
- Zierpflanzen: Lupinen, Duftwicken, Goldregen, Blauregen, Robinien, Besenginster, Rotklee
Hättest du das gedacht: Die farbenprächtige Lupine ist die Schwester der einfachen Gartenbohne.
Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Ob als Blumenschmuck auf dem Festtagstisch oder in der Küche – die Pflanzen dieser Familie vereinen Schönheit mit Würze. Es handelt sich überwiegend um Zwiebel- und Knollenpflanzen, die sich an jahreszeitliche Trockenphasen angepasst haben. In den Zwiebeln und Knollen werden Wasser und Nährstoffe für den nächsten Blühschub gespeichert. Viele enthalten charakteristische Schwefelverbindungen oder Alkaloide, die für Geruch und Geschmack verantwortlich sind. Nicht selten sind die Pflanzen aber auch giftig. Amaryllisgewächse stammen aus dem Mittelmeerraum, aus dem südlichen Afrika und aus Teilen Amerikas.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Gemüse: Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch
- Zierpflanzen: Narzissen, Schneeglöckchen, Amaryllis, Zierlauch, Agapanthus, Clivie
Hättest du das gedacht: Küchenzwiebeln und Narzissen gehören tatsächlich zur gleichen Familie.
Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
Große Blätter, kriechende Ranken und gigantische Früchte – die Kürbisgewächse bringen Fülle und Farbe ins Beet. Und auf den Tisch. Die Pflanzen sind meist wärmeliebende Kletterer mit Haftorganen und getrenntgeschlechtlichen Blüten auf derselben Pflanze. Typisch ist die dickschalige Beerenfrucht, die enorme Größen erreichen kann. Bitter schmeckende Vertreter enthalten natürliche Bitterstoffe – so schützen Sie sich vor Fressfeinden. In Kulturformen hat man diese Bitterstoffe weitgehend herausgezüchtet.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Gemüse: Kürbisse, Zucchini, Gurken
- Obst: Wassermelonen, Honigmelonen, Cantaloupe
- Zierpflanzen: Zierkürbisse
Hättest du das gedacht: Die Zucchini ist enger mit der Wassermelone verwandt, als mit anderen Gemüsesorten, wie zum Beispiel der Aubergine.
Lippenblütler (Lamiaceae)
Wo es nach Sommer und Mittelmeer duftet, da sind meist sie im Spiel – die Lippenblütler mit ihren aromatischen Kräutern. Erkennen können Sie die Pflanzen an vierkantigen Stängeln, gegenständigen Blättern und den zweilippigen Blüten. Ihre ätherischen Öle dienen als Duft- und Geschmacksstoffe – und als natürlicher Schutz gegen Fressfeinde und Trockenheit. Viele Vertreter stammen aus sommerwarmen, oft eher trockenen Regionen und sind deshalb ideale Sonnenkinder im Garten.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Kräuter: Basilikum, Minze, Salbei, Rosmarin, Thymian, Oregano, Majoran, Zitronenmelisse, Ysop
- Zierpflanzen: Lavendel, Katzenminze, Ziersalbei, Monarde, Günsel
Hättest du das gedacht: Basilikum und Lavendel sind eng verwandt – ganz im Gegensatz zu Petersilie oder Dill.
Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Sie lieben saure Böden und schenken uns viele farbenfrohe Gartenmomente – im Zierbeet genauso, wie bei den Beerenpflanzen. Typisch sind immergrüne Blätter, glocken- bis urnenförmige Blüten und eine besondere Partnerschaft mit Bodenpilzen, die Nährstoffe aus armen, sauren Substraten verfügbar machen. Viele Vertreter prägen Heiden, Moore und Bergwälder der Nordhalbkugel. In Kultur schätzen wir sie für Wintergrün, frühe Blüten und robuste Standorte in sauren Beeten.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Obst: Heidelbeeren, Preiselbeeren, Cranberry
- Zierpflanzen: Rhododendren, Azaleen, Erika, Pieris, Kalmia
Hättest du das gedacht: Die Heidelbeere ist Verwandtschaft des Rhododendrons, aber nicht der Stachelbeere.
Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Eine unscheinbare aber sehr vielfältige Familie, die nicht nur im Gemüsebeet groß herauskommt, sondern auch bei den Zierpflanzen glänzt. Viele Vertreter kommen aus trockenen oder salzhaltigen Lebensräumen und sind für harte Bedingungen gemacht. Häufig nutzen sie besonders effiziente Wege der Fotosynthese und tragen unscheinbare Blüten, punkten dafür aber mit einem robusten Wuchs. Die Gruppe vereint Blattgemüse, Körner- und Futterpflanzen ebenso, wie spektakuläre Beetstauden.
Diese Pflanzen sind miteinander verwandt:
- Gemüse: Spinat, Rote Bete, Mangold, Quinoa, Amaranth, Melde
- Zierpflanzen: Fuchsschwanz, Celosie, Sommerzypresse
Hättest du das gedacht: Spinat und Rote Bete gehören zur gleichen Familie – ganz im Gegensatz zu Blattgemüsen wie Rucola oder Feldsalat.




