Brennnesseljauche – die Nährstoffkur für deine Pflanzen

Zerkleinerte Brennnesselblätter in einem Eimer mit Wasser angesetzt.

Geht es dir auch so: Sobald du Brennnesseln im Garten entdeckst, greifst du zu den Handschuhen und das fröhliche Ausrupfen beginnt. Danach ab damit in den Biomüll oder auf den Kompost. Spätestens jetzt solltest du innehalten, denn Brennnesseln sind Pflanzen, mit denen du ein wertvolles Hilfsmittel herstellen kannst. Richtig angesetzt und verdünnt kannst du daraus eine Brennnesseljauche zaubern, die andere Pflanzen mit Nährstoffen versorgt und sie in der Wachstumsphase unterstützt. Denn Brennnesseljauche ist ein kräftiger, stickstoffbetonter Flüssigdünger mit zusätzlichem Plus für die Pflanzenentwicklung.

Jauche, Auszug, Sud, Brühe – die Unterschiede

Gerade wenn es um das Ansetzen von Jauchen geht, tauchen auch immer wieder Begriffe wie Auszug, Sud und Brühe auf. Damit du nicht versehentlich das Falsche ansetzt, hier ein kurze Begriffserklärung:

  • Jauche: Brennnesseln gären für mehrere Tage bis hin zu zwei Wochen in kaltem Wasser. Das Ergebnis ist kräftig, nährstoffreich und vor allem als Dünger und Stärkung gedacht.
  • Auszug: Brennnesseln ziehen nur kurz in kaltem Wasser, meist bis zu 24 Stunden. Das ist milder und wird traditionell eher zum Spritzen bei ersten Anzeichen von Läusen und Co. genutzt.
  • Sud oder Brühe: Brennnesseln werden mit heißem Wasser übergossen oder erhitzt und nach kurzer Zeit verwendet. Ebenfalls eher zum Spritzen geeignet und nicht als Hauptdünger.

Wenn du also Nährstoffe vor allem für Starkzehrer willst, bist du bei der Brennnesseljauche richtig – und genau damit wollen wir uns in der Folge näher beschäftigen.

Wo du Brennnesseljauche im Garten einsetzen kannst

Die klassische Verwendung ist die Düngung. Brennnesseln bringen eine ganze Reihe an Nährstoffen und Pflanzenstoffen mit, vor allem Stickstoff und Kalium, außerdem unter anderem noch Calcium, Eisen, Phosphor und Kieselsäure. Genau deshalb lieben viele Starkzehrer eine verdünnte Gabe in der Hauptwachstumszeit.

Ein zweiter Punkt ist die Stärkung. Kieselsäure wird gerne genannt, wenn es um festere Zellwände und robustere Pflanzen geht. Als regelmäßiger Schluck für die Wurzeln ersetzt das zwar keine gute Standortwahl, es kann aber helfen, Stress besser wegzustecken. Gib in diesem Fall etwas Brennnesseljauche nach dem Pflanzen, nach dem Rückschnitt oder bei Wetterkapriolen.

So mancher Hobbygärtner nutzt Brennnesseljauche auch zur Schädlingsbekämpfung. Wie oben schon erwähnt, ist eine mildere Variante als Auszug oder Sud die bessere Maßnahme, weil er milder ist und weniger Risiko für die Blätter bedeutet.

Und ja: Ab und zu kann ein sehr kräftiger Ansatz auch Unkräuter schwächen, wenn man die Jauche direkt auf die Blätter gibt. Zwar sterben die Kräuter dann oberirdisch ab, die Wurzeln sind aber weiterhin intakt.

Bevor du startest: darauf solltest du achten

Es braucht nicht viel, aber ein klein wenig Vorbereitung macht dir die Arbeit leichter.

  1. Verwende einen Eimer oder eine Tonne aus Kunststoff oder Holz zum Ansetzen. Metall ist ungünstig, weil die Jauche reagieren kann und dies später schädlich für die Pflanzen ist.
  2. Zwar funktioniert Leitungswasser genauso, besser ist aber Regenwasser, da kein Kalk enthalten ist.
  3. Die Abdeckung sollte luftdurchlässig sein, ein dicht schließender Deckel ist die falsche Wahl, da sonst der Ansatz kippen kann.
  4. Verwende einen Rührstab, der lang genug ist, damit du nicht mit dem halben Arm in der Jauche rühren musst.
  5. Als Filter eignen sich ein Sieb, ein feines Drahtgitter, ein Jutesack oder ein altes Tuch.
  6. Wähle den Standort sorgfältig aus: Wärme ist gut, volle Sonne kein Muss. Und weil Brennnesseln bei der Gärung nicht nach Rosen riechen, sollte der Standort nachbarschaftstauglich sein.

Brennnesseljauche herstellen in 3 Schritten

Gärende Pflanzenmasse in einem Eimer, umgerührt mit einem Stock.
Zerkleinerte Pflanzen werden in Wasser vergoren, um eine nährstoffreiche Jauche für den Garten herzustellen.

Schritt 1: Sammeln und ansetzen

Für einen klassischen 10-Liter-Ansatz nimmst du ungefähr 1 Kilogramm frische oder 200 Gramm getrocknete Brennnesseln. Am besten sammelst du die Pflanzen, bevor sie Samen bilden, dann holst du dir nicht unnötig Nachschub an Stellen, wo du ihn nicht willst.

Zerkleinern ist sinnvoll, aber grob reicht vollkommen aus. Die Brennnesseln ins Gärgefäß geben und mit Wasser auffüllen, bis alle Pflanzenteile gut bedeckt sind und oben noch ein bisschen Platz bleibt – die Mischung arbeitet später, und das sieht man auch.

Nun einmal kräftig umrühren, luftdurchlässig abdecken und an einem warmen Platz aufstellen.

Schritt 2: Gärphase, Rühren und Geruch kontrollieren

Nach 2 bis 3 Tagen wird die Mischung aktiv. Es bilden sich Blasen und Schaum, was ein deutliches Anzeichen dafür ist, dass die Gärung begonnen hat. Damit Sauerstoff in die Flüssigkeit kommt und die Zersetzung gleichmäßig läuft, solltest du nun regelmäßig umrühren – täglich 2 bis 3 Mal wäre ideal.

Damit der Geruch für alle erträglich bleibt, kannst du beim Umrühren etwas Gesteinsmehl, Bentonit oder Steinmehl hinzugeben. Manchmal nutzen Hobbygärntner auch Kamille oder Eichenlaub, um den Geruch deutlich zu unterdrücken.

Schritt 3: Fertigstellen, abseihen, lagern

Je nach Lagertemperatur ist die Brennnesseljauche nach 10 bis 14 Tagen fertig. Das erkennst du daran, dass sie kaum noch schäumt und nicht mehr so aktiv blubbert. In diesem Fall seist du die Flüssigkeit ab. Die festen Bestandteile müssen aber nicht auf dem Müll landen, du kannst sie entweder auf den Kompost geben oder als Mulch in Beete eingearbeitet werden.

Lagere die Jauche möglichst kühl und dunkel. So gärt sie weniger stark nach und bleibt brauchbar. Die bessere Variante im Gegensatz zu einer langen Lagerung ist aber immer, kleinere Mengen anzusetzen und bei Bedarf nachzulegen.

Brennnesseljauche richtig nutzen

Damit die Brennnesseljauche auch das leistet, wofür du sie angesetzt hast, gibt es ein paar Regeln, die du beachten solltest:

  1. Verdünnen beim Düngen ist Pflicht, da die Jauche unverdünnt zu stark für Pflanzen wäre.
  2. Gib die Jauche am besten auf leicht feuchtem Boden und nicht auf staubtrockener Erde.
  3. Wenn du spritzen willst, dann niemals in der prallen Mittagssonne.
  4. Bist du dir unsicher, wie viel Jauche du geben sollst, nimm erst mal weniger und beobachte.
  5. Starkzehrer bekommen öfter eine Jauchegabe, Mittelzehrer weniger, Schwachzehrer lässt du aus.

Damit alles perfekt läuft, hier eine Übersicht über die Mischverhältnisse und die Anwendungen:

Zweck Mischung Jauche:Wasser Anwendung Häufigkeit und Zeitpunkt
Düngen für Starkzehrer und ältere Pflanzen 1:10 Gießen an den Wurzelbereich In der Hauptwachstumsphase etwa alle 1 bis 2 Wochen
Jungpflanzen und Setzlinge 1:20 Vorsichtig gießen Erst nach dem Anwachsen und eher selten gießen
Rasen 1:50 Gleichmäßig ausbringen Gelegentlich in der Wachstumszeit
Stärkungskur 1:10 bis 1:20 Gießen, nicht zwingend spritzen 2 bis 3 Gaben im Abstand von 7 bis 10 Tagen
Spritzen als Unterstützung 1:20 oder schwächer Fein sprühen, Blattunterseiten mitnehmen Morgens oder abends, vorher an einer Stelle testen
Unkraut punktuell schwächen Unverdünnt Gezielt auf Blätter, nicht flächig Nur punktuell, Wiederholung nötig

Diese Pflanzen profitieren von Brennnesseljauche

Brennnesseljauche passt am besten zu Pflanzen, die einen hohen Nährstoffbedarf haben. Bei genügsamen Kulturen ist sie schnell zu viel des Guten. Hier ein paar Beispiele für die Praxis:

  • Starkzehrer: Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Kohl, Lauch, Kartoffeln, Mais, Rosen, Hortensien, Clematis, Sonnenblumen
  • Mittelzehrer: Salate, Karotten, Zwiebeln, Spinat, Mangold, Fenchel, Dahlien, Frauenmantel
  • Schwachzehrer: Erbsen, Bohnen, Radieschen

Kräuter solltest du nicht mit Brennnesseljauche unterstützen, da diese in der Regel genügsamer sind. Bei Obst zurückhaltend sein, gerade Obstbäume solltest du eher über die Bodenpflege, den Kompost und eine gezielte Düngung versorgen.

Häufige Fehler, die du leicht vermeiden kannst

Folgende Fehler passieren sehr oft – wenn du dir Ärger ersparen willst, solltest du sie vermeiden:

  • Zu stark oder zu häufig düngen: Passiert das, bildet sich zu viel weiches Grün, dafür weniger Blüten. Manchmal sind die Pflanzen sogar anfälliger für Schädlinge.
  • Spritzen ohne Test: Manche Blätter reagieren empfindlich auf Brennnesseljauche. Probiere die Spritzung erst an einer kleinen Stelle aus.
  • Ungefiltert ins Sprühgerät: Funktioniert nicht, da feste Bestandteile für Verstopfung sorgen.
  • Den Ansatz luftdicht verschließen: Statt zu fermentieren wird die Jauche faulig.
  • Brennnesseln mit Samen verwenden: Kann dir später zusätzliche Brennnesselbeete schenken, die du so nie geplant hast.

Brennnesseljauche als verlässlicher Gartenhelfer

Brennnesseljauche ist kein Wundermittel, aber ein sehr solides Werkzeug, wenn du sie als das behandelst, was sie ist: ein kräftiger, vor allem stickstoffbetonter Flüssigdünger mit Zusatznutzen für die Pflanzenentwicklung. Wer sie sauber ansetzt, vernünftig verdünnt und sie dort einsetzt, wo es passt, bekommt eine günstige und wirksame Unterstützung und ein kräftiges Wachstum. Gleichzeitig wirst du die Brennnessel im Garten fortan nicht mehr als Störfaktor sehen.