Zecke sitzt auf einem grünen Blatt im Garten in Nahaufnahme.

Zecken im Garten – klein, lästig, gefährlich

Es geht wieder los – die Zeckenzeit beginnt. Sie sind nicht erst im Hochsommer aktiv, sondern bereits ab Temperaturen von 5 Grad. Dabei gehören Zecken zu den Dingen im Garten, die man nun wirklich nicht braucht. Egal, ob im Rasen, in höherer Vegetation, unter Sträuchern oder in feuchten, geschützten Ecken, sie sind quasi überall – und warten nicht nur im Wald auf Wirte. Vielleicht hast du beim Gärtnern schon mal unliebsame Bekanntschaft gemacht. Betroffen sind aber auch Kinder, die auf der Wiese spielen oder Haustiere, die durch den Garten flitzen.

Was sind Zecken eigentlich?

Der erste Irrtum ist, dass Zecken Insekten sind. Das stimmt nicht, denn sie gehören zu den Spinnentieren und dort als Unterkategorie zu den Milben. Erwachsene Tiere und Nymphen haben 8 Beine, die Larven nur 6. Viele Arten lauern an Grashalmen, Farben, niedrigen Sträuchern oder im Laub auf ihren Wirt. Andere Arten suchen dagegen aktiver. Für den Alltag im Garten solltest du wissen, dass sich Zecken in Bodennähe aufhalten. Das alte Bild vom Tier, das vom Baum auf einen herunterfällt, stimmt nicht.

Im Sprachgebrauch hört man sehr oft, dass man von einer Zecke gebissen wurde. Auch das ist ein Irrglaube, denn Zecken beißen nicht, sie stechen. Dazu ritzen sie die Haut an, verankern ihre Mundwerkzeuge und saugen dann Blut. Und das kann für dich sehr gefährlich werden.

Wie Zecken dich finden

Zecken werden im Vorbeigehen abgestreift und krabbeln danach über Kleidung und Haut, um eine passende Stelle zum Stechen zu finden. Bevorzugt werden weiche Hautpartien wie Haaransatz, Ohren, Hals, Achsel, Ellenbogen, Kniekehlen, Bauchnabel oder der Genitalbereich.

Für die Wirtsfindung nutzen Zecken Sinnesorgane an den Vorderbeinen. Damit nehmen sie Gerüche, Kohlendioxid, Temperaturreize und Erschütterungen wahr. Somit reichen schon wenige Schritte durchs Gras oder durchs Unterholz, damit sich eine Zecke anheftet.

Vom Ei bis zur erwachsenen Zecke

Der Lebenszyklus zieht sich länger, als du vielleicht denkst. Beim Gemeinen Holzbock zum Beispiel dauert die Entwicklung vom Ei bis zur adulten Zecke bis zu 3 Jahre. Blut saugen dabei die Larven, die Nymphen und auch die adulten Tiere. Nach jeder Mahlzeit folgt die nächste Entwicklungsstufe. Das läuft grob so ab:

  1. Aus den Eiern schlüpfen sechsbeinige Larven.
  2. Nach einer Blutmahlzeit häuten sie sich zur Nymphe.
  3. Die Nymphe saugt erneut Blut und entwickelt sich danach zur erwachsenen Zecke.
  4. Weibchen benötigen nach der Paarung eine weitere Blutmahlzeit für die Eiablage.

Zur Häutung, Überwinterung und Eiablage halten sich Zecken bodennah auf oder ziehen sich in die Laub- und Bodenschicht zurück.

Welche Zeckenarten gibt es bei uns?

Für Menschen und Haustiere spielen in Deutschland nur wenige Arten eine größere Rolle. Die wichtigsten Kandidaten bei uns sind:

Art Lebensbereich Bedeutung
Gemeiner Holzbock Wälder, Waldränder, Wiesen, Parks, Gärten Häufigste Art, Überträger von Borreliose und FSME
Auwaldzecke Feuchte Laubwälder, Überschwemmungsgebiete, Wiesen Problematisch für Hunde, da Babesiose-Übertrager
Braune Hundezecke Meist über befallene Hunde eingeschleppt, in warmen Innenräumen oder Stallungen möglich Kommt selten vor, kann sich in Gebäuden etablieren, befällt seltener andere Haustiere oder Menschen
Taubenzecke Taubenschläge, Dachböden, Gebäudenischen Lästig in Gebäuden, für Menschen vor allem durch Stiche und Allergien relevant
Hyalomma-Arten Nur einzelne eingeschleppte Tiere bei uns, leben vor allem in warmen, trockenen Regionen Auffällig große Zecke, seit 2018 vermehrt bei uns gefunden, stabile Populationen bisher nicht gesichtet

Für Dich ist im Alltag vor allem der Gemeine Holzbock relevant. Er ist in Deutschland sehr verbreitet und aufgrund des Klimawandels nicht mehr nur in den wärmeren, südlichen Bundesländern zu finden. Auwaldzecken tauchen ebenfalls häufiger auf als früher.

Wie du eine Zecke erkennst

Zecke krabbelt auf einem grünen Pflanzenstängel in Nahaufnahme.
Zecken haben acht Beine und einen flachen Körper der sich beim Blutsaugen vergrößert.

Hungrige Zecken sind klein, flach und je nach Art bräunlich bis dunkel gefärbt. Vollgesogen sehen sie komplett anders aus. Dann ist ihr Körper deutlich größer und prall gefüllt. Beim Holzbock ist das Halsschild gut erkennbar. Weibchen tragen es nur im vorderen Bereich, bei Männchen bedeckt es den ganzen Rücken.

Gerade Nymphen werden leicht übersehen. Das ist einer der Gründe, warum Absuchen nach der Gartenarbeit so wichtig ist. Mehr als zwei Drittel der beim Menschen gefundenen Holzböcke sind Nymphen.

Zecken als Krankheitsüberträger

Den Zeckenstich selbst spürst du gar nicht und dieser ist auch nicht das Problem. Die Erreger, die Zecken übertragen können, dagegen schon. Dabei sind in Deutschland vor allem Borreliose, die überall in Deutschland auftreten kann, und FSME, die vor allem in bestimmten Risikogebieten verbreitet ist, relevant. FSME-Risikogebiete sind besonders in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, Sachsen, im südöstlichen Brandenburg, im östlichen Sachsen-Anhalt und im südöstlichen Thüringen. Einzelne Risikogebiete gibt es zudem in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen.

Erkrankung Symptome Hinweise
Borreliose Wanderröte, Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, später auch Nerven oder Herz betroffen Keine Impfung verfügbar, frühe Behandlung wichtig
FSME Zunächst grippeähnlich, später sind Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung möglich Impfung möglich und in Risikogebieten sinnvoll
Anaplasmose Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl In Deutschland selten, kann mit Antibiotika behandelt werden
Babesiose Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, manchmal Blutarmut Beim Menschen selten, bei Hunden deutlich wichtiger
Rickettsiosen Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, teils Hautausschlag In Deutschland selten, nach Reisen teils relavanter

Zwar führen „nur“ etwa 5 bis 6 Prozent der Zeckensticke in Deutschland zu einer Borrelien-Infektion – sorglos damit umgehen sollte aber keiner. Gegen Zeckenstiche bei Hunden gibt es wirksame tierärztliche Präparate wie Spot-ons, Halsbänder oder Tabletten.

Der beste Schutz gegen Zeckenbisse

Damit du nicht Angst vor dem Gang in den Garten oder in die Natur haben musst, gibt es einige einfache Schutzmaßnahmen, die gut gegen Zeckenbisse helfen:

  • Trage lange Hosen, festes Schuhwerk und möglichst geschlossene Kleidung.
  • Stecke die Hosenbeine in die Socken, wenn du durch höheres Gras oder Unterholz gehst.
  • Wähle helle Kleidung, so fallen die Zecken besser auf.
  • Suche nach der Gartenarbeit, nach einem Spaziergang oder nach dem Picknick im Grünen Kleidung und Körper gründlich ab.
  • Kontrolliere auch Kinder und Haustiere auf Zecken.

Zeckenschutzmittel zum Auftragen können das Risiko senken. Sie wirken aber nur für einige Stunden und ersetzen nicht das Absuchen der Haut.

Für FSME gilt außerdem: Gegen diese Krankheit kannst du dich impfen lassen. Für die Grundimmunisierung sind 3 Impfungen nötig. Empfohlen wird sie für Menschen, die sich in Risikogebieten aufhalten und dort Zecken ausgesetzt sind.

Zecken entfernen – so machst du es richtig

Findest du an deinem Körper eine Zecke, die sich festgesetzt hat, solltest du zügig handeln. Vor allem bei der Borreliose zählt die Zeit, weil die Übertragung nach längerer Saugdauer wahrscheinlicher wird. Bei FSME ist der Effekt des frühen Entfernens geringer, da die Viren schon zu Beginn übertragen werden können. Bei der Entfernung gehst du so vor:

  1. Nimm eine feine Pinzette, eine Zeckenkarte oder ein spezielles Zeckenwerkzeug.
  2. Greife die Zecke hautnah an den Mundwerkzeugen.
  3. Ziehe sie langsam und gleichmäßig heraus.
  4. Desinfiziere die Stelle anschließend.

Öl, Klebstoff, Alkoholbäder oder andere Hausmittel haben an der Zecke nichts verloren. Sie können die Zecke zusätzlich reizen, wodurch das Risiko steigt, dass sie mehr Speichel oder Mageninhalt in die Stichstelle abgibt.

Auch beim Herausziehen ist Ruhe wichtiger als Kraft. Wenn du die Zecke ruckartig herausziehst, am Hinterleib packst oder sie quetschst, erhöhst du das Risiko, dass Erreger in die Wunde gedrückt werden oder Teile des Tieres in der Haut stecken bleiben.

Garten für Zecken unattraktiv machen

Einen zeckenfreien Garten gibt es nicht. Du kannst das Risiko aber spürbar minimieren, wenn du typische Rückzugsorte entschärfst.

  • Wege, Sitzplätze und Spielflächen frei von Bewuchs halten.
  • Dichtes, bodennahes Gestrüpp an stark genutzten Stellen auslichten.
  • Laubansammlungen rund um die Terrasse, den Sandkasten oder die Lieblingswege entfernen.
  • Holzstapel, Töpfe und abgestellte Materialien nicht direkt neben Aufenthaltsflächen lagern.
  • Heckenfüße und Randbereiche im Blick behalten, vor allem wenn dort Feuchtigkeit lange steht.

Immer wieder sind Listen zu finden, auf denen Pflanzen verzeichnet sind, die Zecken abwehren. Darunter Lavendel, Rosmarin, Zitronenmelisse und andere duftende Gewächse. Allein aus einem duftenden Beet entsteht kein verlässlicher Schutzschild gegen Zecken. Naturstoffe können durchaus Wirkung zeigen, ersetzen aber keine der bewährten Schutzmaßnahmen.

Auch Zecken sind nützlich

Jedes Tier in unserer Natur hat seinen Platz – da machen Zecken keine Ausnahme. Sie sind Teil natürlicher Nahrungsketten. Bei Vögeln, Spinnen, Laufkäfern, Amphibien und Reptilien stehen sie auf dem Speiseplan. Für deinen Gartenalltag macht sie das natürlich kein Stück sympathischer, zeigt aber, dass sie biologisch mehr sind als nur ein lästiger Störenfried.

Den Gartenalltag nicht vermiesen lassen

Die Gartenarbeit auf die lange Bank schieben – dafür gibt es bessere Ausreden als Zecken. Da Zecken meist erst entdeckt werden, wenn du schon lange wieder im Haus bist, solltest du das kurze Absuchen zur Routine machen. Kontrolliere Beine, Hals, Arme und die Kleidung und riskiere nichts, nur weil du dazu gerade keine Lust hast. Zecken sind beherrschbar, Krankheiten, die durch sie entstehen können, leider nicht immer.

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