Engerlinge im Boden als Larven von Käfern im Garten.

Engerlinge – dicke Larve, großes Fragezeichen

Bist du bei deiner Gartenarbeit auch schon mal auf dicke, weißliche, gekrümmte Larven in der Erde gestoßen und hast dich gewundert, was das ist? Hast du sie am Ende sogar entsorgt, weil du gleich mehrere gefunden hast und auf Nummer sicher gehen wolltest? Bei diesen Tieren handelt es sich um Engerlinge. Das sind Larven von Käfern unterschiedlicher Arten, die deinen Pflanzen durchaus Schaden zufügen können, denn manche machen sich über Wurzeln her. Doch nicht alle! Denn es gibt auch welche, die hilfreich sind und dir zum Beispiel beim Zersetzen von Pflanzenresten im Kompost helfen. Sehen wir uns diese Tierchen mal etwas genauer an.

Was lebt da unter der Erde?

Engerlinge sind die Larven verschiedener Blatthornkäfer. Sie leben je nach Art viele Monate oder sogar Jahre im Boden, im Kompost oder in verrottetem Pflanzenmaterial. Die adulten Käfer siehst du meist nur kurz, die Larven bleiben dagegen lange im Verborgenen und fallen daher erst bei der Gartenarbeit auf. Das erklärt auch, warum ein einzelner Fund noch nicht viel aussagt. Ein paar Larven im Garten sind also nichts Ungewöhnliches. Entscheidend ist dagegen, welche Art du da vor dir hast, wo sie sitzt und ob es bereits Schäden an Pflanzen oder am Rasen gibt.

Vom Ei zum Käfer

Der Engerling ist eine Entwicklungsstufe hin zum fertigen Käfer. Nach der Paarung legen die Käferweibchen die Eier je nach Art in die Erde, auf Rasenflächen, den Beetboden, auf dem Kompost oder auf verrottetem Pflanzenmaterial ab. Daraus schlüpfen nach ca. 3 bis 6 Wochen die Larven. Diese Engerlinge leben anschließend lange unter der Erde oder im Kompost und häuten sich mehrfach. Während der Gartenlaubkäfer nur 1 Jahr im Larvenstadium verbringt, benötigen Junikäfer und Rosenkäfer 2 bis 3 Jahre für die Entwicklung. Beim Maikäfer sind es 3 bis 4 Jahre und beim Nashornkäfer bis zu 5 Jahre.

Ist die Entwicklung abgeschlossen, verpuppt sich der Engerling im Boden. Aus dieser Puppe entsteht dann der fertige Käfer. Bei manchen Arten schlüpft er noch im selben Jahr, bleibt aber zunächst weiter im Boden und erscheint erst im folgenden Frühjahr an der Oberfläche.

Der Fundort sagt viel aus

Nicht immer musst du die Larve identifizieren, um zu wissen, welche es sein könnte, denn bereits der Fundort kann dir Anhaltspunkte geben.

Fundort Wahrscheinlicher Käfer Einordnung
Kompost, verrottende Pflanzenreste, morsches Holz Rosenkäfer, Nashornkäfer Nützlich
Rasen, Beet, Wurzelbereich Maikäfer, Junikäfer, Gartenlaubkäfer Kann problematisch werden
Blumentopf, Kübel, Pflanzloch Maikäfer, Junikäfer, Gartenlaubkäfer Genau prüfen

Besonders problematisch sind die Larven von Maikäfern, Junikäfern und Gartenlaubkäfern, denn diese ernähren sich von Wurzeln und schädigen somit deine Pflanzen.

Diese Arten tauchen im Garten auf

Sehen wir uns diese 5 am häufigsten in unseren Gärten auftretenden Larven mal etwas genauer an.

Art Erkennungsmerkmale Bedeutung im Garten
Maikäfer Kräftige Larve, cremeweiß, braune Kopfkapsel, c-förmig gekrümmt, 4-5 Zentimeter groß, frisst Wurzeln, bewegt sich bei der Kriechprobe eher in Seitenlage Schädlich
Junikäfer Ähnlich wie der Maikäfer, 3-4 Zentimeter groß, kriecht bei der Kriechprobe eher in Bauchlage Schädlich
Gartenlaubkäfer Kleiner als Mai- und Junikäfer, weißlich mit brauner Kopfkapsel, 2-4 Zentimeter groß, oft im Rasen zu finden, frisst vor allem Graswurzeln Schädlich
Rosenkäfer Weißlich bis grauweiß, gedrungener Körperbau, 2-4 Zentimeter groß, häufig im Kompost, bewegt sich bei der Kriechprobe auf dem Rücken fort Nützlich und geschützt
Nashornkäfer Sehr groß, dick und kräftig, weißlich, 6-10 Zentimeter groß, meist in Kompost oder morschem Material Nützlich und geschützt

Ein sehr gutes Unterscheidungsmerkmal, vor allem zwischen Mai-, Juni- und Rosenkäferlarven ist die Kriechprobe. Nashornkäferlarven fallen zusätzlich durch ihre Größe auf.

Engerlinge – Schäden an deinen Pflanzen

Engerling im Boden mit braunem Kopf und gekrümmtem Körper in Nahaufnahme.
Einige Engerlinge können Wurzeln schädigen und Pflanzen im Garten gefährden.

Leider verursachen – wie in der Tabelle beschrieben – einige Engerlinge deutliche Schäden an deinen Pflanzen. Im Rasen zeigen sich gelbe oder kahle Stellen, lockere Grasnarben und Flächen, die sich beinahe wie in Teppich abheben lassen. Dazu kommt gerne noch Zusatzärger durch Amseln und Krähen, die den Boden aufreißen, weil sie nach den Larven suchen.

Im Beet ist das Bild nicht immer ganz so offensichtlich. Pflanzen kümmern, wachsen schlecht oder kippen plötzlich weg, obwohl genug Wasser da ist. Gerade junge Pflanzen reagieren empfindlich, wenn ihre feinen Wurzeln abgefressen werden. Das heißt aber nicht automatisch, dass du bei jedem einzelnen Engerling, den du findest, Panik schieben musst. Erst die Kombination aus Larvenfund und passendem Schadbild sollte dich aufhorchen lassen.

Erst bestimmen, dann handeln

Wenn du Engerlinge entdecken solltest, dann gehe für eine passende Bestimmung wie folgt vor:

  1. Schaue dir den Fundort genau an.
  2. Ordne die Größe der Larve grob ein.
  3. Bei Unsicherheit führst du eine Kriechprobe auf einer glatten Fläche durch.
  4. Prüfe nun, wie es den Pflanzen in der Umgebung geht und ob diese bereits Schäden haben.
  5. Setze nützliche Larven wieder an ihren Platz.

Gerade im Kompost solltest du nicht hektisch aussortieren, denn das ist oftmals die falsche Reaktion.

Absammeln – nur in bestimmten Fällen sinnvoll

Engerlinge absammeln klingt leichter, als es in der Praxis wirklich ist. Solange die Larven im Boden sitzen, müsstest du nämlich größere Bereiche ausgraben, um überhaupt an sie heranzukommen. Meist tauchen sie nur zufällig auf. Praktischer wird es dagegen in folgenden Situationen:

  • Nach einem kräftigen Regen kommen die Larven gerne mal nach oben.
  • Bei frisch gesetzten Pflanzen, wenn du sowieso ein Pflanzloch graben musst.
  • Beim Umgraben von Beeten.
  • In Blumentöpfen, Kästen und Kübeln kannst du den Wurzelballen und die Erde besser kontrollieren.

Gerade bei Töpfen lohnt sich der Blick in die Erde besonders. Nimm die Pflanze vorsichtig heraus, schüttle lockeres Substrat ab und prüfe, ob Larven direkt im Wurzelbereich sitzen.

Engerlinge – diese Maßnahmen helfen

Bei einem leichten Befall musst du in der Regel gar nichts unternehmen. Viele Pflanzen kommen mit einzelnen Wurzelfressern klar, vor allem, wenn die Pflanzen schon älter sind. Problematisch wird es eher bei wiederkehrenden Schäden im Rasen oder wenn junge Pflanzen immer wieder ohne erkennbaren Grund schwächeln. Dann sind folgende Punkte sinnvoll:

  • Reduziere nächtliche Beleuchtung im Garten, denn die Käfer werden von Licht angezogen, was die Eiablage fördert.
  • Bei erkennbarem Druck im Mai und Juni Schutznetze über deinen Beeten nutzen.
  • Rasenflächen immer gut pflegen und kontrollieren.
  • Bei starkem Befall im Rasen gezielt Nematoden einsetzen.
  • Stark zerstörte Rasenstücke notfalls erneuern.

Weitere Maßnahmen – so kannst du Engerlingen vorbeugen

Neben der genannten Lichtreduktion, Schutznetzen und einer guten Rasenpflege kannst du noch gezielt einige Dinge einsetzen, die Engerlinge in Schach halten:

Maßnahme Einsatzort Hinweis
Wurzelschutzgitter Empfindliche oder wertvolle Pflanzen Direkt beim Pflanzen mit einsetzen
Tief gesetzte Kantensteine Rasenflächen Können das Einwandern aus angrenzenden Bereichen erschweren
Vertikutieren Rasen Lockert die Grasnarbe und macht den Lebensraum unattraktiver
Unkraut entfernen und Boden lockern Beetflächen Erleichtert die Kontrolle und hält den Boden beweglicher

Tricks mit Pflanzen als Ergänzung

Blauer Rittersporn mit dicht stehenden Blüten an einem hohen Blütenstand.
Rittersporn setzt farbige Akzente und wird oft als Begleitpflanze im Beet genutzt.

Manche Gärtner setzen zusätzlich auf den Einsatz von Pflanzen, die Engerlinge vertreiben. Gerne eingesetzt wird dabei Knoblauch. Der Geruch ist abstoßend für die Tiere, sodass sie gesteckten Knoblauchzehen in der Regel nicht allzu nahe kommen. Auch Geranien und Rittersporn werden immer wieder genannt. Verlassen solltest du dich darauf alleine natürlich nicht, aber einen Versuch ist es durchaus wert.

Natürliche Feinde fördern

Vögel, Igel, Spitzmäuse und Maulwürfe haben Engerlinge zum Fressen gern. Ganz verhindern lässt sich ein Befall durch die Förderung dieser Nützlinge natürlich nicht, aber ein naturnaher Garten kann helfen, die Zahl der Larven zu verringern. Wenn du Rückzugsorte für Nützlinge schaffst, bekommst du kostenlose Unterstützung bei der Schädlingsbekämpfung. Dazu eignen sich vor allem

  • Laub- und Reisighaufen an ruhigen Stellen
  • dichte Eckten als Rückzugsraum
  • weniger sterile Ordnung in jedem Winkel
  • Wasserstellen oder flache Trinkmöglichkeiten für Tiere

Davon lässt du besser die Finger

Nicht alles, was gegen Engerlinge empfohlen wird, ist auch eine gute Idee. Lockstofffallen und irgendwelche Hausmittel auf Verdacht können mehr schaden als nützen, weil sie nicht sauber zwischen schädlichen und nützlichen Larven unterscheiden. Daher:

  • Nicht wahllos Mittelchen in den Boden oder auf den Kompost kippen.
  • Keine Larven pauschal töten.
  • Im Kompost immer erst prüfen, was du da überhaupt gefunden hast.

Engerlinge im Gartenalltag

Bei Engerlingen bringt dir keine Maßnahme etwas, wenn du den Fund falsch einordnest. Im Topf kannst du direkt Kontrollieren, nach starkem Regen lassen sich die Tiere im Beet leichter absammeln, bei empfindlichen Pflanzen kommen Schutzgitter infrage und natürliche Feinde solltest du nicht unterschätzen. Entscheidend ist aber immer: Erst kontrollieren, wo die Larve sitzt und was sie dort überhaupt anrichtet. Damit trennst du nützliche Kompostbewohner von Engerlingen, die deinen Pflanzen wirklich schaden.

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