Mehrere Feuerwanzen sitzen dicht gedrängt auf grünem Blatt.

Feuerwanzen – auffällig, harmlos, missverstanden

Kaum wird es im Frühling wärmer, tauchen sie wieder auf: die rot-schwarzen Feuerwanzen, die sich zu Gruppen zusammenfinden und vor allem an Mauern, unter Linden, an Stockrosen oder auf sonnigen Beetkanten sitzen. Da kann es durchaus passieren, dass du mehrere Dutzend dieser Tiere entdeckst – manchmal sogar viele Hunderte. Bevor du aber jetzt in Panik verfällst, ruhig Blut, denn auch wenn die Feuerwanzen schon aufgrund ihrer Signalfarbe gefährlich aussehen, sind sie das ganz und gar nicht.

Denn Sorgen musst du dir keine machen. Feuerwanzen stechen nicht, sie fressen deine Pflanzen nicht kahl und sie richten auch an Gemüse, Obstgehölzen oder Zierpflanzen keinen nennenswerten Schaden an. Ein genauer Blick lohnt sich dennoch, denn die kleinen Wanzen haben im Garten durchaus ihre Aufgabe.

Feuerwanze oder Feuerkäfer?

Im Alltag werden Feuerwanzen gerne als Feuerkäfer bezeichnet. Das ist nachvollziehbar, denn die Insekten mit ihrem festen Körper sehen auf den ersten Blick wie Käfer aus. Biologisch ist das aber falsch. Die Tiere gehören zu den Wanzen – erkennbar vor allem daran, was die Art frisst.

Käfer besitzen kauende Mundwerkzeuge, Feuerwanzen haben dagegen einen Stechrüssel. Damit bohren sie winzige Öffnungen in Samen, Pflanzenteile oder tote Insekten, geben Speichelsekret ab und saugen anschließend die verflüssigte Nahrung auf. Sie knabbern also keine Blätter an, wie es bei Raupen, Schnecken oder Käferlarven der Fall ist.

Name Bedeutung Hinweis
Feuerwanze Gebräuchlicher Name Im Garten ist es fast immer die Gemeine Feuerwanze
Pyrrhocoris apterus Wissenschaftlicher Artenname Rot-schwarze Art in Mitteleuropa
Feuerkäfer Falscher Volksname Echte Feuerkäfer sind andere Insekten
Franzosenkäfer Regionaler Name Bezieht sich auf die auffällige Färbung

Woran du Feuerwanzen erkennst

Die Gemeine Feuerwanze wird etwa 9 bis 12 Millimeter lang und fällt durch ihre kräftige rote Grundfarbe mit schwarzer Zeichnung auf. Auf dem Rücken entsteht dadurch ein Muster, das ein wenig an eine Maske erinnert. Kopf, Beine und Fühler sind schwarz, der Körper länglich-oval und recht flach.

Junge Feuerwanzen sehen noch etwas anders aus. Die Nymphen sind kleiner, weicher gebaut und stärker rot gefärbt. Die typische schwarze Zeichnung entwickelt sich erst nach und nach. Wenn du im Sommer kleine rote Wanzen ohne das fertige Muster entdeckst, kann es sich also um Nachwuchs handeln.

Ein weiteres spannendes Detail: Die meisten Feuerwanzen fliegen nicht. Ihre Flügel sind verkürzt oder nicht vollständig funktionsfähig. Deshalb siehst du sie fast immer laufend am Boden, an Stämmen, an Mauern oder auf niedrigen Pflanzen.

Feuerwanzen: Gruppentherapie

Viele Feuerwanzen versammeln sich auf rauer Baumrinde.
Die geselligen Insekten treten oft in Gruppen auf und sind für Pflanzen meist unbedenklich.

Feuerwanzen sind sehr gesellige Tiere. Wenn sie im Frühling aus ihren geschützten Winterplätzen kommen, sammeln sie sich gerne an warmen Stellen. Besonders beliebt sind sonnige Mauern, Baumstämme (Linden, Robinien, Rosskastanien), Beetkanten, Pflanzen wie Malven, Stockrosen, Hibiskus und Eibisch, und trockene Bereiche unter Laubgehölzen. Dort finden sie Wärme, Deckung und Nahrung.

Die großen Gruppen entstehen also nicht, weil dein Garten in Gefahr ist. Feuerwanzen folgen guten Bedingungen. Liegen unter einer Linde viele Samen, ist die Stelle für sie besonders attraktiv. Steht daneben noch eine warme Mauer, wird daraus schnell ein größerer Treffpunkt.

Feuerwanzen nutzen Duftstoffe, um miteinander zu kommunizieren. So finden Artgenossen geeignete Plätze, bei Gefahr kann die Gruppe zudem gewarnt werden. Das erklärt auch, warum an einer Stelle plötzlich sehr viele Tiere auftauchen, während der restliche Garten fast feuerwanzenfrei bleibt.

Das Jahr der Feuerwanze

Manchmal sieht es so aus, als wären Feuerwanzen plötzlich über Nacht aufgetaucht. Tatsächlich folgen sie einem festen Jahresrhythmus. Sichtbar werden sie vor allem, wenn Wärme, Paarungszeit und passende Futterplätze zusammenkommen.

Zeit Phase Plätze im Garten
Frühjahr Aktivität Überwinterte Tiere sammeln sich an warmen Stellen
April/Mai Paarung Paare hängen lange mit den Hinterleibern aneinander
Frühsommer Eiablage Eier liegen geschützt in Bodenritzen, Laubstreu oder in kleinen Hohlräumen
Sommer Entwicklung Junge Nymphen wachsen heran und häuten sich mehrfach
Herbst Rückzug Feuerwanzen suchen geschützte Plätze für die kalte Jahreszeit
Winter Ruhe Sie überwintern unter Laub, Streu, Rinde, Steinen oder in Mauerritzen

Für gewöhnlich entsteht pro Jahr eine Generation. Deshalb ist eine größere Gruppe im Frühling nicht automatisch ein neuer „Befall“, sondern meist das Wiederauftauchen überwinterter Tiere. Später kommen die Jungtiere dazu, die zunächst noch kleiner und stärker rot gefärbt sind als die ausgewachsenen Feuerwanzen.

Die Nahrung der Feuerwanzen

Feuerwanzen leben überwiegend von flüssiger Nahrung. Besonders gerne saugen sie an abgefallenen Samen. Man sieht sie besonders häufig unter Linden oder an Pflanzen aus der Familie der Malvengewächse sitzen. Damit sind sie im Garten ein kleines Aufräumkommando. Sie beseitigen organische Reste, ohne dabei gesunde Pflanzen ernsthaft zu schaden.

Pflanze Nahrung Beobachtung
Linde Samen Sehr beliebter Sammelplatz
Robinie Samen Häufig am Stammfuß
Stockrose Samen Zieht Gruppen an
Malve Samen Besonders im Sommer interessant
Hibiskus Samenreste Eher punktuell besucht
Eibisch Samen Ähnliche Sammelstelle wie Malve und Stockrose

An lebenden Pflanzenteilen können Feuerwanzen zwar ebenfalls saugen, doch daraus entstehen in deinem Garten in der Regel keine Schäden. Sie raspeln also keine Blätter ab, bohren sich nicht in Früchte und zerstören auch keine Wurzeln.

Sind Feuerwanzen nützlich?

Feuerwanze sitzt auf trockener Samenkapsel im Garten.
Sie hilft beim Abbau von Pflanzenresten und trägt zum natürlichen Gleichgewicht bei.

Feuerwanzen sind keine Nützlinge, die man gezielt zur Schädlingsbekämpfung einsetzen kann. Dafür fressen sie zu unregelmäßig Blattläuse, Milben oder andere kleine Insekten. Nutzlos sind sie aber auch nicht, denn sie verwerten Reste, die zwischen Erde, Laub und Pflanzenstängeln liegen bleiben. So räumen sie abgefallene Samen auf, ernähren sich von toten Insekten und von kleinen organischen Resten. Feuerwanzen tragen damit ihren Teil zum Kreislauf im Garten bei. Sie sind keine großen Schädlingsjäger, aber harmlose Mitbewohner, die im Hintergrund durchaus wichtige Arbeiten übernehmen.

Zudem dienen sie anderen Tieren als Nahrung. Einige Vögel, Spinnen und räuberische Wanzen können Feuerwanzen erbeuten, auch wenn deren Warnfarbe und Abwehrgeruch viele Fressfeinde abschrecken. Im Naturgarten sind sie deshalb ein kleiner Baustein im Gefüge aus Pflanzenresten, Bodenleben, Insekten und Räubern.

Sind Feuerwanzen für Menschen und Haustiere gefährlich?

Feuerwanzen sind für Menschen harmlos. Sie stechen nicht, sie beißen nicht und sie saugen kein Blut. Auch für Kinder sind sie kein gefährliches Garteninsekt. Trotzdem sollten sie nicht gequetscht oder unnötig angefasst werden, denn bei Stress könne sie ein Abwehrsekret absondern.

Dieses Sekret riecht unangenehm und soll Fressfeinde abschrecken. Giftig im Sinne einer ernsten Gefahr ist es für dich aber nicht. Wenn ein Hund oder eine Katze neugierig an einer Feuerwanze schnuppert oder eine erwischt, ist der Geschmack vermutlich die deutlichste Lektion. Dadurch lässt das Tier die kleinen Rot-Schwarzen in Zukunft wohl besser in Ruhe.

Sollten Feuerwanzen ins Haus gelangen, ist das vielleicht lästig, aber nicht schlimm. Sie richten dort nämlich keinen Schaden an, fressen keine Lebensmittel, nagen nicht an Tapeten und legen auch keine versteckten Nester an. Einzelne Tiere haben sich schlicht verirrt – setze sie also vorsichtig wieder nach draußen.

Feuerwanzen fernhalten

Auch wenn sie harmlos sind, gibt es Bereiche im Garten, in denen du Ansammlungen von Feuerwanzen womöglich vermeiden möchtest. Etwa an der Haustüre, auf der Terrasse, rund um Sitzplätze oder am Sandkasten. Folgende Maßnahmen sind daher sinnvoll:

  • Abgefallene Samen an Problemorten solltest du regelmäßig entfernen.
  • Dichte Samenstände von Stockrosen und Malven schneidest du am besten zurück, wenn sich dort jedes Jahr Massen ansammeln.
  • Trockenes Laub lieber nicht direkt an Türen, Treppen oder Lichtschächten liegen lassen.
  • Schließe Fugen und Ritzen, die an Schwellen, Fenstern oder Kellereingängen zu finden sind.
  • Findest du größere Gruppen an Stellen, wo du sie nicht haben möchtest, nimm einen Handbesen und einen Eimer und setze die Wanzen vorsichtig in eine ruhige Gartenecke.

Dein Garten darf Feuerwanzen haben

Feuerwanze sitzt auf gelben Blüten zwischen grünem Laub.
Als Nützling unterstützt sie den Abbau organischer Reste und fördert ein gesundes Gartenökosystem.

Feuerwanzen fallen auf, keine Frage. Ihre Farbe zieht den Blick an und eine ganze Gruppe auf dem Pflaster kann schnell nach einer kleinen Invasion aussehen. Im Garten sind sie aber eher Mitbewohner als ein Problemfall. Du siehst, dass dein Garten Feuerwanzen haben darf und auch du davor keine Angst haben musst. Manchmal ist Gartenschutz eben auch die Kunst, ein auffälliges Tier einfach als das zu erkennen, was es ist: ziemlich harmlos.

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