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Maikäfer oder Junikäfer – welcher Brummer torkelt da durch deinen Garten?

Du sitzt an einem lauen Frühlings- oder Sommerabend im Garten und plötzlich brummt etwas auffällig laut an deinem Kopf vorbei. Der Rasenmäher des Nachbarn ist es nicht. Stattdessen…

Makroaufnahme eines Maikäfers mit auffälligen fächerförmigen Fühlern auf einer Pflanze.

Du sitzt an einem lauen Frühlings- oder Sommerabend im Garten und plötzlich brummt etwas auffällig laut an deinem Kopf vorbei. Der Rasenmäher des Nachbarn ist es nicht. Stattdessen dreht ein ziemlich kompakter Käfer seine etwas wackeligen Runden über Rasen, Terrasse oder Blumenbeet.

Je nach Jahreszeit könnte es sich um einen Maikäfer oder einen Junikäfer handeln. Beide sehen sich auf den ersten Blick recht ähnlich, sind miteinander verwandt und fliegen ungefähr so elegant wie ein voll beladener Einkaufswagen mit kaputtem Rad. Bei genauerem Hinsehen lassen sie sich jedoch gut unterscheiden.

Maikäfer: der große Brummer im Frühling

Maikäfer gehören zu den bekanntesten heimischen Käfern. Obwohl sie meist nur einige Wochen im Frühling unterwegs sind, kannst du sie an mehreren auffälligen Merkmalen erkennen.

Aussehen

  • Größe: 2,5 bis 3 Zentimeter
  • Körperbau: gedrungen, kräftig und wuchtig
  • Färbung: braune Flügeldecken, Kopf und Halsschild dunkelbraun bis schwarz
  • Fühler: auffällig gefächert, Männchen mit sieben und Weibchen mit sechs Lamellen
  • Seiten: weißliche, zickzackartige Zeichnung am Hinterleib
  • Besonders die großen Fühler der Männchen fallen sofort ins Auge. Sie sehen fast so aus, als hätte der Käfer kleine Fächer am Kopf befestigt.

Flugzeit

  • Ende April bis Anfang Juni, abhängig von der Witterung
  • hauptsächlich in der Dämmerung und am Abend aktiv
  • in manchen Jahren besonders häufig, dann spricht man von Maikäferjahren

Lebenszyklus

  • Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in lockeren, warmen Boden. Daraus schlüpfen die Larven, die als Engerlinge bezeichnet werden.
  • Die Engerlinge leben drei bis fünf Jahre im Erdreich. Dort ernähren sie sich von den Wurzeln verschiedener Pflanzen und können bei starkem Auftreten erhebliche Schäden verursachen.
  • Nach der Verpuppung im Spätsommer oder Herbst schlüpfen die fertigen Käfer. Sie bleiben zunächst im Boden und überwintern dort. Erst im darauffolgenden Frühjahr kommen sie an die Oberfläche und beginnen ihren Schwarmflug.

Nahrung

Ausgewachsene Maikäfer fressen vor allem die Blätter von Laubbäumen. Dazu gehören: Eichen, Buchen, Ahorn, Kastanien und Obstgehölze. Treten sehr viele Käfer gleichzeitig auf, können sie Bäume beinahe vollständig kahl fressen. Gesunde Gehölze überstehen einen einmaligen Kahlfraß meistens, werden dadurch aber deutlich geschwächt. Die erwachsenen Käfer leben nur etwa vier bis sechs Wochen. In dieser kurzen Zeit dreht sich fast alles um Fressen und Fortpflanzung.

Junikäfer: kleiner, heller und mitten im Sommer unterwegs

Makroaufnahme eines Junikäfers auf einem grünen Blatt im Garten.
Der Junikäfer ist ein häufiger Sommerkäfer und lässt sich an warmen Abenden oft im Garten beobachten.

Der Junikäfer ist etwas kleiner und unscheinbarer als der Maikäfer. Dafür begegnet er dir im Sommer häufig in größeren Gruppen. Auch er brummt lautstark durch den Garten und landet dabei gerne einmal dort, wo er eigentlich gar nicht hinwollte.

Aussehen

  • Größe: 1 bis 1,8 Zentimeter
  • Körperbau: gedrungen und dicht behaart
  • Färbung: hellbraun bis gelbbraun
  • Oberfläche: samtig behaart
  • Fühler: ebenfalls gefächert, aber kürzer und deutlich unauffälliger

Flugzeit

  • Mitte Juni bis Mitte Juli
  • hauptsächlich in der Abenddämmerung und nachts aktiv
  • häufig an Straßenlaternen, Hauslampen und anderen Lichtquellen zu sehen

Lebenszyklus

  • Auch Junikäfer legen ihre Eier im Boden ab. Die daraus schlüpfenden Engerlinge entwickeln sich dort über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren.
  • Die Larven ernähren sich von Gras- und Kräuterwurzeln sowie von feinen Wurzeln verschiedener Kulturpflanzen. Besonders in Rasenflächen können sie größere Schäden anrichten.
  • Im Frühling verpuppen sich die Engerlinge. Die fertigen Käfer schlüpfen im Sommer und machen sich anschließend auf Partnersuche.

Nahrung

Erwachsene Junikäfer leben etwa zwei bis vier Wochen. In dieser Zeit nehmen sie nur wenig Nahrung zu sich. Gelegentlich fressen sie an Blättern oder Blüten, verursachen dabei aber normalerweise keine nennenswerten Schäden. Das größere Problem sind die Engerlinge im Boden. Sie können Graswurzeln so stark schädigen, dass ganze Rasenstellen braun werden und absterben.

Maikäfer und Junikäfer im direkten Vergleich

Du bist dir noch immer nicht sicher, welcher Käfer gerade durch deinen Garten brummt? Diese Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.

Merkmal Maikäfer Junikäfer
Größe 2,5 bis 3 cm 1 bis 1,8 cm
Körperbau Kräftig und wuchtig Gedrungen und samtig behaart
Färbung Braune Flügeldecken, dunkler Kopf, weißliche Zeichnung am Hinterleib Hellbraun bis gelbbraun, insgesamt unauffälliger
Fühler Groß und deutlich gefächert Ebenfalls gefächert, aber kürzer
Flugzeit Ende April bis Anfang Juni Mitte Juni bis Mitte Juli
Entwicklung Engerlinge drei bis fünf Jahre im Boden Engerlinge zwei bis drei Jahre im Boden
Lebensdauer Vier bis sechs Wochen Zwei bis vier Wochen
Nahrung Frisst Blätter und kann bei Massenauftreten Kahlfraß verursachen Frisst nur wenig und verursacht als Käfer kaum Schäden

Was torkelt da durch deinen Garten?

Das laute Brummen ist nicht das einzige auffällige Merkmal von Mai- und Junikäfern. Auch ihr Flugstil ist kaum zu übersehen. Die Käfer fliegen selten geradlinig und elegant. Stattdessen schlingern sie durch die Luft, wechseln plötzlich die Richtung oder prallen gegen Wände, Fenster und Menschen. Manchmal sieht es tatsächlich so aus, als wären sie betrunken unterwegs. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Mai- und Junikäfer besitzen einen relativ schweren, gedrungenen Körper mit einem festen Panzer. Ihre Flugmuskeln und Flügel müssen daher einiges leisten.
  • Die Vorderflügel sind zu harten Flügeldecken, den sogenannten Elytren, umgebildet. Beim Fliegen werden sie seitlich abgespreizt. Den eigentlichen Antrieb übernehmen die dünnen, häutigen Hinterflügel.
  • Diese Kombination aus schwerem Körper, Flügeldecken und vergleichsweise kleinen Flugflügeln macht schnelle Richtungswechsel schwierig.
  • In der Dämmerung stehen den Käfern weniger optische Orientierungspunkte zur Verfügung.
  • Vor allem die Männchen fliegen hektisch und unregelmäßig umher, weil sie nach Weibchen suchen.

Wenn also wieder einmal ein Käfer im Zickzack durch deinen Garten fliegt und anschließend mit voller Wucht gegen die Terrassentür prallt, ist das kein Ausnahmezustand. Dieser unbeholfene Flug gehört bei beiden Arten fast schon zum normalen Auftreten.

Darum starten die Käfer erst am Abend

Tagsüber bekommst du Mai- und Junikäfer nur selten zu Gesicht. Ihre eigentliche Zeit beginnt in der Dämmerung.

  1. Schutz vor Fressfeinden: Viele insektenfressende Vögel sind tagsüber aktiv. Durch den abendlichen Flug verringern die Käfer das Risiko, sofort von Staren, Krähen oder Eichelhähern entdeckt zu werden. Vollkommen sicher sind sie allerdings auch nachts nicht. Dann gehen Fledermäuse auf die Jagd. Der feste Panzer und der unregelmäßige Flug können es den Jägern jedoch erschweren, die Käfer zu erwischen.
  2. Angenehmere Temperaturen: Am Abend ist die Luft meist kühler und feuchter. Das kommt den Käfern entgegen. Bei großer Hitze und starker Sonneneinstrahlung könnten sie schneller überhitzen und austrocknen.
  3. Partnersuche: Der abendliche Schwarmflug dient vor allem der Fortpflanzung. Die Käfer suchen gezielt nach geeigneten Partnern und orientieren sich dabei unter anderem an Duftstoffen. Besonders die Männchen fliegen deshalb oft hektisch umher. Sie verfolgen keine saubere Route, sondern reagieren auf Reize aus ihrer Umgebung.
  4. Geringerer Kraftaufwand: In der kühleren Abendluft müssen die Käfer weniger Energie aufwenden als bei großer Tageshitze. Besonders der schwere Maikäfer profitiert von den günstigeren Bedingungen.

Ihre Rolle im Garten

Mai- und Junikäfer können Schäden verursachen. Trotzdem sind sie keine nutzlosen Plagegeister, die im Garten nichts verloren haben. Beide Arten gehören zur heimischen Tierwelt und erfüllen wichtige Aufgaben im Ökosystem.

Nahrungsquelle

  • Die Käfer dienen zahlreichen Tieren als Nahrung. Dazu gehören unter anderem: Stare, Krähen, Eichelhäher, Fledermäuse, Igel, Füchse, Amphibien
  • Auch die Engerlinge im Boden stehen auf dem Speiseplan verschiedener Tiere. Wildschweine, Dachse, Vögel und andere Insektenjäger graben gezielt nach den nahrhaften Larven.

Mögliche Schäden

  • Erwachsene Maikäfer können bei einem Massenauftreten erhebliche Fraßschäden an Laubbäumen verursachen. Ihre Engerlinge greifen zudem Pflanzenwurzeln an und können junge Gehölze oder größere Pflanzenbestände schwächen.
  • Erwachsene Junikäfer sind dagegen weitgehend harmlos. Problematisch werden vor allem ihre Engerlinge. Sie fressen bevorzugt Gras- und Kräuterwurzeln. Auf Rasenflächen entstehen dadurch vertrocknete, braune Stellen, die sich teilweise leicht vom Boden abheben lassen.

Natürliches Gleichgewicht

  • Auch wenn Mai- und Junikäfer bei starkem Auftreten Schäden anrichten können, gehören beide Arten zur natürlichen Artenvielfalt.
  • Ihre Bestände werden durch Fressfeinde, Krankheiten, parasitische Pilze, Fadenwürmer und die Witterung reguliert. Maikäfer-Massenjahre, wie sie früher regelmäßig vorkamen, sind heute unter anderem durch Veränderungen in der Landwirtschaft und gezielte Bekämpfungsmaßnahmen deutlich seltener geworden.

Wenn am Abend also wieder ein dicker Brummer durch deinen Garten torkelt, lohnt sich ein genauer Blick. Ist er groß, dunkel und trägt auffällige Fächerfühler, hast du vermutlich einen Maikäfer vor dir. Ist er kleiner, heller und samtig behaart, handelt es sich wahrscheinlich um einen Junikäfer. Und falls er direkt gegen dich fliegt, hast du zumindest genug Zeit für die Bestimmung – besonders schnell kommt er anschließend meist nicht wieder in die Luft.

 

Foto: Adobe Stock
H
Redaktion Garten

Als Kind weiß man immer ganz genau, was man später mal werden will – war bei mir nicht anders. Allerdings wurde ich dann weder Schornsteinfeger, noch Astrologe und auch kein Zahnarzt. Stattdessen landete ich als Moderator beim Radio und als Redakteur beim TV. Der Schritt ins Internet war dann nicht mehr weit – so habe ich mich 2008 als Redakteur und Texter selbstständig gemacht. Zu den flinken Fingern gesellte sich noch der Grüne Daumen – Beruf und Leidenschaft lagen nah zusammen. Ich landete schließlich bei Caipi und verbinde nun meine Erfahrungen als Texter und Hobbygärtner. Von meinem Arbeitsplatz aus sehe ich direkt in meinen Garten, was kann es Schöneres geben?

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