Beim Kontrollgang durch den Garten fallen sie nicht immer sofort ins Auge. Schon eher die Schäden, die so manche Raupe anrichten kann. Allein der Gedanke lässt den Blutdruck steigen: Raupen im Garten – das geht ja nun gar nicht! Setz dich erst mal hin und trink einen Beruhigungstee, denn meist ist es gar nicht so schlimm, wie du dir ausmalst. Denn eine Raupe ist nicht automatisch ein Schädling.
Entscheidend ist der Fundort. Eine Raupe an Brennnesseln hat eine andere Bedeutung als eine Raupe, die du am Apfelbaum oder an jungen Kohlpflanzen findest. Wenn du genauer hinsiehst, erkennst du schnell, ob Handlungsbedarf besteht oder ob die Raupe bleiben kann.
Erst Ei, dann Raupe, dann Falter
Raupen sind die Larven von Schmetterlingen und Faltern. Aus einem Ei schlüpft eine kleine Raupe, die vor allem frisst und frisst und frisst, um groß zu werden. Während dieser Zeit häutet sie sich mehrfach. Danach verpuppt sie sich. In der Puppe läuft die Umwandlung ab, bis später der fertige Falter schlüpft.
Das kann ein auffälliger Tagfalter sein, etwa ein Schwalbenschwanz oder ein Tagpfauenauge. Es kann aber auch ein kleiner, unscheinbarer Nachtfalter werden. Deshalb erkennt man später nicht immer auf den ersten Blick, aus welcher Raupe ein Falter hervorgegangen ist.
| Stadium | Entwicklung | Hinweise |
| Ei | Wird an passende Pflanzen gelegt | Häufig an Blattunterseiten |
| Raupe | Frisst, wächst und häutet sich | Fraßspuren werden sichtbar |
| Puppe | Umwandlung zum Falter | An Pflanzen, im Boden oder geschützt |
| Falter | Erwachsenes Tier | Legt später wieder Eier |
Nicht alles, was wie eine Raupe aussieht, gehört zu den Schmetterlingen. Blattwespenlarven sehen Raupen ähnlich und fressen ebenfalls an Blättern. Für die Gartenpraxis ist daher wichtig, welche Pflanzen betroffen sind und wie stark der Schaden ausfällt.
Raupen, die du im Garten häufiger findest
Welche Raupen bei dir im Garten ein- und ausgehen, hängt davon ab, welche Pflanzen du anbietest. Raupen lassen sich im Garten am besten über den Fundort, das Fraßbild und die betroffenen Pflanzen einordnen.
| Raupe | Fundort | Einordnung |
| Admiral | Brennnesseln | schützen |
| Apfelwickler | Apfelbaum | Schädlich |
| Aurorafalter | Wiesenschaumkraut, Knoblauchrauke | schützen |
| Buchsbaumzünsler | Buchsbaum | Sehr problematisch |
| C-Falter | Brennnesseln, Hopfen, Haselnuss, Weiden | schützen |
| Frostspanner | Obstbäume, Ziergehölze | Bei starkem Befall schädlich |
| Gespinstmotten | Sträucher und Gehölze | Auffällig, meist verkraftbar |
| Kleiner Fuchs | Brennnesseln | Schützen |
| Kohlweißling | Kohlgewächse | Schädlich im Gemüsebeet |
| Landkärtchen | Brennnesseln | Schützen |
| Pflaumenwickler | Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen | Schädlich |
| Schwalbenschwanz | Dill, Fenchel, Karotten, Petersilie | Schützen |
| Tagpfauenauge | Brennnesseln | Schützen |
| Zitronenfalter | Faulbaum, Kreuzdorf | Schützen |
Schäden richtig einordnen
Nun solltest du dir deine Pflanzen genauer ansehen. Bei Gemüse und Obst sind nicht Schönheitsfehler entscheidend, sondern die Frage, ob die Ernte unter den Raupen leidet. Löcher in Kohlblättern sind ärgerlich, aber noch überschaubar. Bohrgänge in Früchten, abgefressene Jungpflanzen oder Fraß im Innern von Buchsbäumen sind dabei deutlich schädlicher.
Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Junge Setzlinge, frischer Austrieb und Fruchtansätze vertragen Fraß schlechter als kräftige Pflanzen mitten in der Saison. Ein älterer Strauch kann nach Blattverlust neu austreiben, ein junger Kohlkopf erholt sich davon oftmals nicht mehr.
| Fraßbild | Bedeutung | Reaktion |
| Einzelne Löcher | Leichter Blattfraß | Beobachten |
| Viele Raupen an Jungpflanzen | Starker Druck auf die Pflanze | Absammeln oder schützen |
| Bohrlöcher an Früchten | Raupe sitzt im Innern | Befallene Früchte entfernen |
| Gespinste im Gehölz | Raupen fressen geschützt | Pflanze kontrollieren |
| Abgefressene Stängel | Möglicher Nachtfraß | Abends nachsehen |
Nicht bei jedem Loch im Blatt musst du mit einer Maßnahme gegensteuern. Bei Nutzpflanzen, jungen Gehölzen und stark geschwächten Pflanzen solltest du aber früher handeln als an robusten Wildpflanzen.
Schmetterlingsnachwuchs im Garten
Bei Raupen an Wildpflanzen geht es nicht um Ernteverlust, sondern um Entwicklung. Viele Falter legen ihre Eier gezielt an bestimmte Pflanzen, weil ihre Raupen genau diese Nahrung brauchen. Fehlt die passende Pflanze, fehlt später auch die nächste Faltergeneration.
Besonders spannend dabei ist, dass die unscheinbaren Ecken im Garten mehr leisten als ein frisch bepflanztes Schmuckbeet. Brennnesseln, Doldenblütler, Knoblauchrauke, Wiesenschaumkraut, Disteln oder heimische Sträucher sind für Raupen wertvoll, auch wenn sie nicht immer ordentlich aussehen. Sie müssen nicht überall stehen, aber eine Ecke genügt schon. Praktisch heißt das:
- Brennnesseln gerne auch mal stehen lassen und nicht sofort alles herausrupfen.
- Dill, Fenchel und Karottenlaub nicht komplett abernten.
- Einzelne Wildpflanzen am Rand des Beetes oder des Gartens gerne stehen lassen.
- Raupen an Futterpflanzen erst bestimmen, bevor du sie entfernst.
- Stark befallene Erntepflanzen anders behandeln als Wildpflanzen
Harmlos oder problematisch?
Damit du nicht wertvolle Raupen absammelst und die schädlichen an Ort und Stelle lässt, solltest du auf folgende Signale achten:
- Pflanze: Gemüse, Obst und Buchsbaum brauchen Schutz, Brennnesseln oder Wildpflanzen nicht.
- Menge: Einzelne Raupen kannst du belassen, ganze Gruppen solltest du absammeln.
- Schaden: Kleine Löcher sind weniger kritisch als Kahlfraß, Bohrlöcher oder abgefressene Triebspitzen.
- Pflanzenalter: Junge Setzlinge vertragen Fraß schlechter als kräftige Pflanzen.
- Fundort: Raupen an Blättern lassen sich absammeln, Raupen in Früchten nicht.
- Begleitspuren: Gespinste zeigen geschützte Fraßstellen, Kotkrümel verraten aktive Raupen in der Nähe und eingerollte Blätter können auf versteckt lebende Raupen hinweisen.
Im Nutzgarten darfst du schneller handeln, an Wildpflanzen, Hecken und an Randbereichen kannst du mehr zulassen, solange keine empfindlichen Pflanzen stark geschädigt werden.
Raupen sicher bestimmen
Viele Raupen verändern ihr Aussehen während der Entwicklung, daher genügt es nicht, eine Farbbestimmung durchzuführen. Hilfreich sind daher mehrere Beobachtungen zusammen:
- Auf welcher Pflanze sitzen die Raupen? Brennnesseln passen zum Beispiel zu Tagpfauenauge, Admiral, Kleinem Fuchs oder Landkärtchen, Dill, Fenchel und Karottenlaub können auf Schwalbenschwanz hinweisen.
- Fressen sie frei am Blatt oder stecken sie in einem Gespinst? Freier Blattfraß ist typisch bei vielen Kohlweißlingsraupen, Gespinste sieht man unter anderem beim Buchsbaumzünsler oder bei Gespinstmotten.
- Sind sie behaart, glatt, gestreift oder gepunktet? Die auffällig gezeichnete Raupe des Schwalbenschwanzes sieht anders aus, als die gut getarnten grünen Raupen des Kleinen Kohlweißlings.
- Kommen sie einzeln oder in Gruppen vor? Große Raupengruppen an Brennnesseln können zum Tagpfauenauge oder dem Kleinen Fuchs gehören. Beim Kleinen Kohlweißling sitzen die Raupen eher einzeln an Kohlpflanzen.
- Gibt es Bohrlöcher, Kotkrümel oder eingerollte Blätter? Bohrlöcher an Äpfeln deuten auf den Apfelwickler hin, Kotkrümel im Buchsbaum passen zum Buchsbaumzünsler, eingerollte Blätter können auf Wicklerraupen hinweisen.
- In welchem Monat tauchen sie auf? Frostspanner-Raupen fressen vor allem im Frühling an frischem Austrieb, Kohlweißlinge und ihre Raupen treten während der Gartensaison auf.
- Ist die Pflanze eine Kulturpflanze oder eine typische Raupenfutterpflanze? Eine Raupe an Kohl, Apfel oder Buchsbaum sollte eher beobachtet werden, als eine Raupe an Brennnessel oder Wilder Möhre.
Vorsicht bei behaarten Raupen
Wenn du Raupen absammelst, solltest du dies nicht mit bloßen Händen tun. Das gilt vor allem bei behaarten Raupen. Manche Haare können nämlich die Haut reizen. Noch schlimmer ist es beim Eichenprozessionsspinner: Seine Raupen leben an Eichen und tragen Brennhaare, die Haut, Augen und Atemwege schädigen können. Auch alte Gespinste können noch immer gefährlich sein.
An Eichen mit verdächtigen Gespinsten gilt deshalb: Abstand halten, Kinder und Haustiere fernhalten und die Behörden informieren. Nicht daran rütteln, nicht abflammen und nicht mit dem Gartenschlauch abspritzen. Dadurch können die Brennhaare verteilt werden.
Wichtig ist die Unterscheidung zu Gespinstmotten. Deren Gespinste können Sträucher stark einhüllen und sehen dabei dramatisch aus, sind aber nicht gefährlich, weil keine Brennhaare vorhanden sind.
Raupen schonend eindämmen
Einzelne schädliche Raupen kannst du per Hand absammeln. Das ist eine saubere Methode, besonders an Kohl, Stauden und kleinen Gehölzen. Zieh dafür Handschuhe an, nimm die Raupen ab und entferne die Blätter mit Eiern oder kleinen Raupengruppen. Vorbeugend helfen Kulturschutznetze. Diese müssen rechtzeitig über die Pflanzen, bevor die Falter ihre Eier ablegen. Das Netz sollte dicht abschließen, sonst finden die Falter trotzdem einen Weg zu den Blättern.
Beim Buchsbaumzünsler lohnt sich eine regelmäßige Kontrolle des Pflanzeninnern. Dort beginnt nämlich der Fraß. Einzelne Raupen kannst du absammeln, bei stärkerem Befall werden Partien herausgeschnitten. Biologische Mittel wie Bacillus thuringiensis können gezielt gegen junge Raupen eingesetzt werden. Sie gehören aber nicht wahllos über den ganzen Garten, weil auch andere Schmetterlingsraupen betroffen sind.
Beim Frostspanner helfen Leimringe im Herbst. Die flugunfähigen Weibchen kriechen am Stamm hoch, um ihre abzulegen. Leimringe können sie dabei abfangen. Wichtig ist, die Ringe sauber anzulegen, regelmäßig zu kontrollieren und später wieder zu entfernen.
Bei Wicklern im Obst ist Hygiene wichtig. Befallene Früchte solltest du nicht unter dem Baum liegen lassen. Fallobst also regelmäßig aufsammeln, beschädigte Früchte entfernen und bei Bedarf Wellpappgürtel am Stamm nutzen. Dort suchen Raupen Verstecke und können dann abgesammelt werden.
Raupen absammeln – und dann?
Hast du schädliche Raupen abgesammelt, bleibt die Frage: wohin damit? Wenn du sie lebend irgendwo aussetzt, dann richten sie an anderen Orten denselben Schaden an. Also sind Orte wie der Waldrand, die Wiese in der Nähe, das nächste Gebüsch oder der Nachbar keine gute Idee. Sicherlich könntest du beispielsweise Kohlweißlingsraupen durchaus in den Wald bringen, da sie dort keine Futterpflanzen finden werden, sterben sie in der Folge. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten:
1. Einfrieren: Gib die abgesammelten Raupen in eine kleine Dose und stelle sie für ein bis zwei Tage ins Gefrierfach.
2. An Hühner und Enten verfüttern: Hast du selbst Hühner oder Enten oder kennst du jemanden in der Nachbarschaft, bring sie dort vorbei.
3. Zerdrücken: Das hört sich grausam an, ist aber die wohl schnellste Methode.
Die abgesammelten Raupen kommen dann gut verpackt in den Restmüll und werden so sicher entsorgt. Auf dem Kompost sollten sie nicht landen, da einzelne Tiere, Eier oder Puppen durchaus überleben können. Eingefrorene Raupen kannst du wieder auftauen und als Vorgelfutter verwenden.
So beugst du starkem Raupenbefall vor
Vorbeugen heißt nicht, dass dein Garten danach raupenfrei ist – das soll er auch nicht sein. Ziel ist es, empfindliche Pflanzen zu schützen und nützliche Raupen nicht zu verlieren. Sinnvolle Maßnahmen sind:
- Kohl direkt nach dem Pflanzen oder Säen mit Netzen schützen.
- Buchsbaum ab dem Frühling innen kontrollieren.
- Obstbäume auf Fraß, Fruchtansätze und Fallobst beobachten.
- Junge Setzlinge abends auf Erdraupen prüfen.
- Brennnesseln an einer passenden Stelle dulden.
- Dill, Fenchel, Karotten, Petersilie und Wilde Möhre teilweise stehen lassen.
- Knoblauchrauke und Wiesenschaumkraut nicht überall entfernen.
- Faulbaum oder Kreuzdorn einplanen, wenn Platz für heimische Sträucher ist.
- Disteln, Flockenblumen und Malven an geeigneten Stellen dulden.
- Auf pauschale Spritzaktionen verzichten.
Damit überlässt du deinen Garten nicht unkontrolliert sich selbst. So entscheidest du stattdessen, wo eine Raupe ihren Platz haben darf.
Raupenplätze ohne Chaos im Beet
Wenn du Falter fördern möchtest, musst du nicht den ganzen Garten verwildern lassen. Sinnvoller sind kleine Bereiche, die nicht ständig gejätet, gemäht oder komplett abgeerntet werden. Ein Beetstreifen am Rand, eine Ecke in einem ruhigen Bereich, ein Stück neben dem Kompost oder ein größerer Kübel reichen dafür vollkommen aus.
Wichtig ist, dass Raupenfutterpflanzen nicht mitten in der empfindlichen Nutzfläche stehen müssen. Im Gemüsebeet schützt du Kohl, Salat und junge Setzlinge. Am Rand dürfen dagegen ein paar Pflanzen stehen bleiben, die Raupen Nahrung bieten. So geraten Ernte und Artenvielfalt nicht dauernd aneinander.
Auch solltest du nicht alles auf einmal zurückschneiden. Wenn du eine wilde Ecke komplett abräumst, entfernst du dabei Eier, Raupen oder Puppen gleich mit. Besser ist es, abschnittsweise zu schneiden und einen Teil der Pflanzen stehen zu lassen. Das sieht immer noch gepflegt aus, nimmt den Raupen aber nicht auf einen Schlag die ganze Fläche. Und überhaupt: Eine wilde Ecke darf auch wild sein!
Einen Raupenfund markieren
Findest du eine Raupe an einer Pflanze, die du nicht ernten möchtest, kannst du die Stelle einfach mal mit einem kleinen Stab markieren und ein paar Tage später noch einmal nachsehen. Manchmal ist die Raupe verschwunden, manchmal sitzt sie nur an einem anderen Blatt, manchmal findest du später aber vielleicht sogar eine Puppe. Das ist gerade für Kinder spannender, als jedes Schmetterlingsposter. Sie sehen, dass aus einem angefressenen Blatt nicht nur Schaden entsteht, sondern auch Entwicklung.





Da steht immer wieder „absammeln“, aber wohin mit den Tierchen?
In den Wald bringen oder in den Bach werfen oder auf die Tüte treten und sie zerstören? Das wird hier nicht beantwortet.
Oh, wir haben natürlich sofort den Text mit einer entsprechenden Empfehlung ergänzt. Tatsächlich ist es so, dass Raupen an sich am besten ausgesetzt werden. Noch besser ist es, wenn sie im Garten bleiben dürfen. Lediglich Raupen von „Schädlingen“ sollten entsorgt werden. Das klingt erst mal hart, aber einige Arten vermehren sich sonst invasiv weiter.