Wer freut sich nicht, wenn man Schmetterlinge wie Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, Schwalbenschwanz oder Tagpfauenauge im Garten sichtet. Von alleine kommen die Tiere aber nicht, denn der Garten muss ihnen auch etwas bieten. Und: Ein Garten für einen Tagfalter beginnt nicht erst bei bunten Blüten. Er beginnt dort, wo Raupen fressen dürfen, wo Kräuter zur Blüte kommen und wo nicht jede wilde Ecke sofort sauber gemacht wird.
Viele Tagfalter besuchen Blüten nur zum Sammeln des Nektars. Ihre Raupen brauchen dagegen bestimmte Futterpflanzen. Wenn du als nur ein paar hübsche Sommerblumen pflanzt, lockt das vielleicht Falter an, bietet ihnen aber noch keinen vollständigen Lebensraum.
Tagfalter brauchen zwei Arten von Pflanzen
Tagfalter fliegen auf der Suche nach Nektar Blüten an, die für sie gut erreichbar sind und ausreichend Nahrung bieten. Besonders beliebt sind ungefüllte Blüten, weil die Falter dort mit ihrem Rüssel leichter an den Nektar gelangen können.
Die Raupen sind anspruchsvoller. Manche fressen an Brennnesseln, andere an Gräsern, an Veilchen, Doldenblütlern, Kleearten oder an bestimmten Gehölzen. Fehlen diese Pflanzen, bleibt der Garten zwar eine kurze Raststation, aber kein Ort für die nächste Faltergeneration. Deshalb solltest du – wenn du deinen Garten tagfaltertauglich machen möchtest – mehrere Bereiche einrichten:
- Blühende Nektarpflanzen für Falter
- Raupenfutterpflanzen für die Entwicklung
- Ungemähte Stellen mit Gräsern und Wildkräutern
- Heimische Gehölze am Rand
- Sonnige, windgeschützte Plätze
Naturpflanzen die ganze Saison über
Tagfalter brauchen nicht nur im Sommer Nahrung. Manche Arten sind schon früh im Jahr unterwegs, andere fliegen bis in den Herbst hinein. Darum ist eine lange Blütezeit wichtiger als ein Beet, das für drei Wochen spektakulär aussieht und danach kaum noch etwas bietet.
| Zeitraum | Passende Pflanzen | Nutzen |
| Frühling | Blaustern, Knoblauchrauke, Löwenzahn, Salweide, Schlehe, Schlüsselblume, Veilchen, Wiesenschaumkraut | Frühe Nahrung nach der Winterruhe |
| Frühsommer | Hornklee, Kartäusernelke, Klee, Margerite, Tauben-Skabiose, Wiesen-Salbei, Wilde Möhre | Nektar und teils auch Raupenfutter in Wiese, Beet und Randbereichen |
| Sommer | Acker-Witwenblume, Flockenblume, Lavendel, Natternkopf, Oregano (Dost) Thymian, Wiesen-Witwenblume | Starke Nektarpflanzen zur Hauptflugzeit vieler Tagfalter |
| Spätsommer | Blutweiderich, Disteln, Fetthenne, Herbstastern, Wasserdost | Nahrung, wenn viele Sommerblüten bereits nachgelassen haben |
| Herbst | Efeu, Herbst-Löwenzahn, späte Astern, später Flockenblumen | Späte Nektarquellen für Falter, die noch unterwegs sind |
Oregano (Dost), Flockenblumen, Witwenblumen, Skabiosen und Wiesen-Salbei gehören zu den Pflanzen, die im Sommer besonders viele Falter anziehen. Sie passen gut in sonnige Beete, an Wegränder oder in kleine Wildstaudenflächen. Wenn du Kräuter wie Thymian, Oregano oder Lavendel nicht komplett aberntest, bekommst du zusätzliche Blüten, die Tagfalter auf Balkon und Terrasse anlocken.
Im Frühling sind vor allem frühe Blüten wichtig, weil überwinterte Falter nach den ersten warmen Tagen schnell Nahrung brauchen. Salweide, Schlehe, Schlüsselblumen, Veilchen und Wiesenschaumkraut sind deshalb mehr als nur hübsche Frühlingsboten. Später übernehmen dann Wiesenpflanzen, Kräuter, und Wildstauden. Im Herbst können Efeu, späte Astern und letzte Flockenblumen noch einmal wertvoll werden, wenn viele andere Pflanzen längst durch sind.
Raupenfutterpflanzen machen den Unterschied
Futterpflanzen für Raupen machen den Garten erst richtig wertvoll für Tagfalter. Viele Raupen können nicht beliebig auf andere Pflanzen ausweichen. Eine Brennnessel ist für uns vielleicht ein lästiges Kraut, für die Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs, Admiral und Landkärtchen ist sie aber eine wichtige Nahrungsquelle.
| Pflanze | Falter | Standort |
| Ampfer | Feuerfalter | Wiese, Randbereiche |
| Brennnessel | Admiral, Kleiner Fuchs, Landkärtchen, Tagpfauenauge | Sonnige bis halbschattige Ecken |
| Dill | Schwalbenschwanz | Sonniges Beet, Kräuterbeet |
| Faulbaum | Zitronenfalter | Gehölzrand, großer Kübel |
| Fenchel | Schwalbenschwanz | Sonniges Beet, Kräuterbeet |
| Gräser | Ochsenauge, Schachbrett, Wiesenvögelchen | Ungemähter Wiesenstreifen |
| Hornklee | Bläulinge, Gelblinge | Magerer Beet- oder Wiesenbereich |
| Knoblauchrauke | Aurorafalter | Halbschattiger Randbereich |
| Kreuzdorn | Zitronenfalter | Hecken, Gehölzrand |
| Luzerne | Bläulinge, Postillon | Wiese, Randstreifen, mageres Beet |
| Petersilie | Schwalbenschwanz | Sonniges Beet, Kräuterbeet |
| Schlehe | Baumweißling, Segelfalter, Zipfelfalter | Hecke, Grundstücksrand |
| Veilchen | Kaisermantel, Perlmutterfalter | Halbschattiger Gartenbereich |
| Wegerich | Scheckenfalter | Wiese, extensiver Rasen |
| Weißdorn | Baumweißling, Segelfalter | Feuchte Wiesen, halbschattiger Bereich |
| Wicken | Bläulinge, Postillon | Wiese, Randstreifen, mageres Beet |
| Wilde Möhre | Schwalbenschwanz | Sonnige Wildstaudenfläche |
Du musst natürlich nicht alle Pflanzen auf einmal in deinen Garten holen. Schon eine kleine Auswahl kann viel bewirken. Ein Beet mit Oregano, Hornklee und Wilder Möhre ist für viele Schmetterlinge attraktiver als ein Beet aus reinen Zierpflanzen.
Brennnesseln mit Plan stehen lassen

Brennnesseln werden gerne als Schmetterlingspflanze empfohlen, aber eine einzelne Pflanze hinter dem Kompost reicht kaum aus. Besser ist ein kleiner Bestand, der nicht ständig gestört wird. Besonders sinnvoll sind Stellen, an denen die Pflanzen sonnig bis halbschattig stehen und nicht bei jeder Gartenrunde abgeschnitten werden.
Praktisch ist zum Beispiel ein kleiner Bereich am Zaun, hinter dem Schuppen oder am Rand einer Hecke. Dort darf die Brennnessel wachsen, ohne mitten im Beet zu stören. Wenn du Bedenken wegen einer unkontrollierten Ausbreitung hast, kannst du den Bestand begrenzen, ihn regelmäßig am Rand abstechen oder auch mit einer Wurzelsperre arbeiten.
Kräuter zur Blüte kommen lassen
Viele Kräuter werden laufend geerntet. Für Tagfalter lohnt es sich, einige Pflanzen blühen zu lassen. Besonders Oregano, Lavendel, Salbei und Thymian sind guter Nektarpflanzen. Auch Fenchel und Dill können spannend werden, weil sie als Doldenblütler für den Schwalbenschwanz interessant sind.
Das Kräuterbeet muss deshalb nicht ungepflegt aussehen und du darfst natürlich auch weiterhin ernten. Es reicht, einzelne Pflanzen nicht komplett zurückzuschneiden. So bleibt genug für die Küche und gleichzeitig entsteht Nahrung für Insekten. Bei mehrjährigen Kräutern ist ein sonniger, eher magerer Standort günstig. Zu viel Dünger sorgt für ein weiches Wachstum und weniger stabile Pflanzen.
Wiesenstücke anders Pflegen als Rasen
Ein kurz gemähter Rasen bietet Tagfaltern kaum etwas. Wenn einzelne Bereiche dagegen höher wachsen dürfen, sieht das schon ganz anders aus. Dabei geht es nicht darum, den ganzen Garten zur Wildnis werden zu lassen. Schon ein Streifen am Zaun, eine Insel unter einem Baum oder ein wenig genutzter Randbereich können ausreichen.
Gemäht wird dort anders als auf der Spiel- oder Sitzfläche. Schneide nicht alles auf einmal herunter, sondern lass immer einen Teil stehen. So bleiben Rückzugsorte erhalten und Raupen oder Puppen werden nicht auf einen Schlag entfernt. Das Schnittgut sollte nach einigen Tagen abgeräumt werden, sonst wird die Fläche immer nährstoffreicher. Auf mageren Stellen setzen sich viele Wiesenpflanzen besser durch.
Tagfalter-Pflanzen für Balkon und Kübel
Auch auf Balkon und Terrasse lassen sich Tagfalter unterstützen. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Töpfe, sondern ob die Pflanzen gut blühen, erreichbar stehen und ohne Gift auskommen. Darauf kommt es bei Kübeln und Kästen an:
- Sonniger, möglichst windgeschützter Standort
- Große Gefäße mit Abzugslöchern
- Durchlässige Erde statt schwerer, nasser Blumenerde
- Mehrere Töpfe nah beieinander statt einzelner Pflanzen an verstreuten Stellen
- Keine Mittel gegen Raupen, Blattläuse oder andere Insekten nutzen
Kräuter und Wildstauden sollten im Topf nicht zu stark gedüngt werden. Zu nährstoffreiche Erde fördert viel Blattmasse, aber nicht automatisch eine gute Blüte. Außerdem trocknen kleine Gefäße schnell aus. Lieber etwas größer pflanzen und gleichmäßig gießen, ohne die Erde dauerhaft nass zu halten.
Ein paar angefressene Blätter gehören dazu. Auf dem Balkon fallen sie zwar schneller auf als im Beet, aber sie zeigen auch, dass die Pflanze nicht nur hübsch aussieht, sondern tatsächlich genutzt wird.
Sommerflieder mit Augenmaß

Sommerflieder ist zum einen invasiv und kann heimische Pflanzen verdrängen, zum anderen ist er aber auch ein Schmetterlingsmagnet, da er reichlich Nektar bietet. Er ist also eine gute Futterstelle, sollte aber trotzdem nur begrenzt eingesetzt werden.
Sinnvoller ist es, ihn als Ergänzung zu verwenden und verblühte Rispen rechtzeitig zu entfernen, bevor Samen gebildet werden und die Ausbreitung unkontrolliert wird. Wo wenig Platz ist, bringt eine kleinere Kombination aus Stauden, Kräutern und einer ungestörten Ecke mehr als ein großer Strauch, der fast den ganzen Bereich einnimmt.
Mehr stehen lassen, aber gezielt
Viele Tagfalter verlieren nicht nur Nahrung, sondern auch geschützte Plätze für Eier, Raupen und Puppen. Deshalb ist die Pflege nach der Blüte genauso wichtig wie die Pflanzenauswahl. Sinnvoll ist eine Pflege, die nicht alles auf einmal entfernt:
- Verblühte Stauden bis zum Frühling stehen lassen
- Unter Sträuchern etwas Laub liegen lassen
- Einzelne trockene Stängel ebenfalls nicht entfernen
- Wiesenbereiche zeitversetzt mähen
- Weniger genutzte Ecken nicht bei jeder Gartenrunde bearbeiten
Das bedeutet nicht, dass alles im Garten unkontrolliert wächst. Wege, Sitzplätze und Beetränder können gepflegt bleiben. Nur die ruhigeren Stellen solltest du in Ruhe lassen, damit dort nicht bei jedem Schnitt gleich wieder alles verschwindet.
Ein Anfang ohne großen Umbau
Für den Start genügt ein überschaubarer Bereich. Du kannst eine sonnige Ecke anders bepflanzen, einen Wiesenstreifen später mähen oder am Rand eine kleine Brennnesselecke stehen lassen. Besser ist ein klarer Anfang, der dauerhaft funktioniert, als eine große Aktion mit Saatmischung, die nach einer Saison wieder verschwindet. Praktisch ein Vorgehen in kleinen Schritten:
- Vorhandene Blühpflanzen beobachten
- Einen Bereich seltener mähen
- Kräuter teilweise blühen lassen
- Auf gefüllte Zierformen verzichten
- Keine Mittel gegen Raupen einsetzen
- Im Herbst nicht alles komplett zurückschneiden
So bleibt der Aufwand überschaubar und du siehst schnell, welche Stellen im Garten angenommen werden und wo du noch nachlegen kannst.
Ein Garten darf Fraßspuren haben
Ein Garten, der Tagfalter anlocken soll, sieht nicht an jeder Stelle makellos aus. Hier und da fehlen Stücke an Blättern, manche Stängel bleiben länger stehen und eine Ecke darf gerne wilder sein als der Rest. Dafür passiert etwas, das in vielen sauber gepflegten Gärten fehlt: Pflanzen werden nicht nur besucht, sondern auch genutzt. Der schönste Platz für Tagfalter ist deshalb nicht das bunteste Beet. Spannender sind die Bereiche, in denen Blüten, Blätter, Halme und geschützte Ecken zusammenkommen. Dort wird aus einem kurzen Falterbesuch ein Garten, in dem Entwicklung möglich ist.




