Kompost in der Wohnung hört sich erst einmal gewöhnungsbedürftig an. Vielleicht wunderst du dich auch, wie das klappen soll, schließlich braucht ein Kompost viel Platz und vor allem ist er nicht immer so geruchsneutral, wie man sich das wünscht. Lass dir gesagt sein: Auch für drinnen funktioniert das perfekt, nämlich mit der Wurmkiste. So kannst du deine Küchenabfälle in wertvollen Wurmhumus umwandeln. Das Ergebnis ist kein grober Gartenkompost, wie du ihn kennst, sondern ein feines, dunkles Material, das sich sehr gut für Töpfe, Kübel und Beete eignet. Gleichzeitig reduzierst du mit der Wurmkiste Biomüll und bringst ein kleines, funktionierendes System in deinen Alltag.
Was in der Wurmkiste passiert
In der Wurmkiste leben Kompostwürmer. Sie fressen pflanzliche Abfälle, Papierfasern und andere weiche organische Materialien. Daraus entsteht dann nach und nach der Wurmhumus. Damit das gut klappt, müssen Feuchtigkeit, Luft und Futtermenge zusammenpassen. Ist die Kiste zu nass, wird der Inhalt schmierig. Ist sie zu trocken, arbeiten die Würmer langsamer. Liegt zu viel Futter auf einmal drin, kann es faulen.
Eine gut laufende Wurmkiste riecht deshalb nicht streng, sondern eher nach feuchter Erde. Genau daran merkst du, ob das System funktioniert oder ob etwas aus dem Ruder läuft.
Der beste Platz für deine Wurmkiste
Am besten stellst du die Wurmkiste dort hin, wo es ruhig und schattig ist und wo keine großen Temperaturschwankungen vorkommen. Direkte Sonne ist ebenso ungünstig, wie Frost oder große Hitze. Ein gleichmäßig temperierter Platz in der Wohnung ist daher die beste Lösung.
Gut geeignet sind zum Beispiel die Küche, ein Hauswirtschaftsraum, der Keller oder ein geschützter Balkon im Frühling und im Herbst. Im Sommer sollte die Kiste nicht in der prallen Sonne stehen, im Winter nicht draußen durchfrieren. Ideal ist also ein Standort, an dem sie weder austrocknet noch durchnässt wird.
Schritt für Schritt zur eigenen Wurmkiste

Eine Wurmkiste kannst du fertig kaufen, als Bausatz aufbauen oder selbst herstellen. Bei einer selbstgebauten Kiste solltest du unbehandeltes Holz wählen. Außerdem brauchst du einen gut schließenden Deckel, damit es in der Kiste dunkel bleibt und ausreichend Luftlöcher im oberen Bereich der Seitenwände, damit genügend Sauerstoff in die Kiste kommt. Im Boden braucht die Wurmkiste zusätzlich kleine Löcher, so kann überschüssige Feuchtigkeit ablaufen. Praktisch ist eine eher flache, dafür ausreichend breite Kiste, weil Kompostwürmer vor allem in den oberen Schichten leben. Sinnvoll sind Modelle mit 2 Kammern, so kannst du daraus später den fertigen Wurmhumus leichter entnehmen.
Nun aber unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Kiste vorbereiten
Stelle die Wurmkiste an einen geschützten Platz ohne direkte Sonne. Kontrolliere, ob Deckel und Luftlöcher vorhanden sind und die Kiste sauber und trocken ist.
2. Grundschicht einfüllen
Auf den Boden kommt zuerst eine lockere, leicht feuchte Schicht aus zerrissenem Papier, Pappe, Erde, Kokosfasern, Stroh oder teilweise verrotteten Blättern. Diese Schicht dient den Würmern als erstes Zuhause und speichert Feuchtigkeit.
3. Würmer einsetzen
Jetzt kommen die Würmer in die Kiste. Diese kannst du im Fachhandel bekommen oder bei jemandem, der bereits eine funktionierende Wurmkiste oder einen Wurmkomposter hat. Verteile die Würmer einfach auf der Grundschicht. Sie ziehen sich von selbst in die dunklen Bereiche zurück.
4. Erst kleine Futtermenge zugeben
Gib zu Beginn nur wenige Küchenabfälle hinein. Kleine Mengen reichen völlig aus, damit sich die Würmer und das Klima in der Kiste erst einmal einspielen können.
5. Futter abdecken
Decke die Abfälle mit etwas Papier, Pappe oder einer Hanfmatte ab. Das hält die Oberfläche ruhiger, schützt vor Austrocknung und macht es Fruchtfliegen schwerer.
6. Deckel schließen
Zum Schluss wird die Kiste wieder geschlossen. Die Würmer mögen es dunkel, deshalb sollte sie nicht offen stehen bleiben.
In den ersten Tagen musst du nur kontrollieren, ob die Feuchtigkeit passt (feucht, aber nicht nass) und ob die erste Futtergabe schon angegangen wurde. Erst dann kommt nach und nach mehr dazu.
Was darf alles in die Wurmkiste?
Nicht alles, was biologisch abbaubar ist, gehört automatisch in die Wurmkiste. Manche Materialien werden problemlos verarbeitet, andere sorgen schnell für Geruch, für Fruchtfliegen oder für ein ungünstiges Klima.
| Gut geeignet | Nur in kleinen Mengen | Nicht geeignet |
| Obst- und Gemüseabfälle | Stark wasserhaltige Reste | Fleisch |
| Eierschalen | Bananenschalen | Wurst |
| Papierfilter | Brot | Fisch |
| Teeblätter | Kaffeesatz | Milchprodukte |
| Welke Blüten | Feste Pflanzenstängel | Gekochte Speisen |
| Laub | Fettiges | |
| Unbehandeltes Papier | Schimmliges | |
| Unbehandelter Karton | Fauliges | |
| Unbehandelte Pappe | Katzenstreu | |
| Beschichtetes Papier |
Bei Zitrusfrüchten, Zwiebeln und stark gewürzten Resten ist Zurückhaltung sinnvoll. Kleine Mengen können noch funktionieren, größere Mengen führen schnell zu Geruchsbildung, zu viel Säure oder zu schlechterer Zersetzung.
Füttern mit Augenmaß
Der häufigste Fehler ist zu viel Futter auf einmal. Dann bleiben die Reste zu lange liegen, werden matschig oder gar schimmlig und ziehen Fruchtfliegen an. Besser ist es, wenn du regelmäßig kleinere Mengen gibst und erst dann nachlegst, wenn die vorherige Fütterung deutlich zurückgegangen ist. Damit das Futter noch besser verarbeitet werden kann, solltest du es unter die obere Schicht schieben und danach wieder abdecken. Darauf solltest du beim Füttern achten:
- Füttere lieber wenig und regelmäßig, als selten große Mengen.
- Schneide größere Stücke klein.
- Decke frische Reste immer ab.
- Arbeite regelmäßig unbehandeltes und klein gerissenes Papier oder Pappe ein.
- Lege erst nach, wenn das alte Futter sichtbar weniger geworden ist.
Findest du unter der oberen Schicht direkt die Würmer, dann ist das ein gutes Zeichen. Dann stimmt das Verhältnis aus Futter und Aktivität.
Wenn etwas nicht passt
Eine gesunde Wurmkiste riecht unauffällig. Ist der Geruch stattdessen streng, faulig oder sehr säuerlich, läuft etwas schief. Auch Fruchtfliegen, matschiger Inhalt oder Würmer an Deckel und Seitenwänden sind Hinweise darauf, dass du nachsehen solltest. Typische Probleme sind fast immer auf dieselben Ursachen zurückzuführen: zu viel Futter, zu wenig Luft, zu viel Nässe oder ein ungünstiger Standort. In solchen Fällen hilft kein hektisches Herumdoktern, sondern ein ruhiger Blick auf die Bedingungen in der Wurmkiste.
- Findest du faulige Reste, werden diese entfernt.
- Füttere bei Problemen einige Tage gar nicht oder weniger.
- Mische trockenes Papier oder Karton unter.
- Lockere den Inhalt vorsichtig auf.
- Bei Trockenheit solltest du den Inhalt leicht befeuchten.
Die Wurmkisten-Pflege im Alltag
Eine Wurmkiste ist erstaunlich pflegeleicht. Ein kurzer Kontrollblick alle paar Tage reicht meistens aus. Dabei schaust du nach Feuchtigkeit, Futterresten und dem allgemeinen Zustand deiner Wurmkiste. Im Grunde läuft die Pflege immer auf dieselben Punkte hinaus: nicht zu viel füttern, die Oberfläche abdecken, Papier und Pappe ergänzen und auf ein gutes Feuchtigkeitsniveau achten. Viel mehr steckt gar nicht dahinter. Eine Wurmkiste ist also unkomplizierter, als man zu Beginn glauben möchte.
Wann ist der erste Wurmhumus fertig?
Ein bisschen Geduld musst du mitbringen, denn bis zur ersten „Ernte“ dauert es etwas. Wie schnell das geht, hängt von der Größe der Kiste, der Zahl der Würmer und der Futtermenge ab. Mit der Zeit verwandelt sich der Inhalt in ein dunkles, lockeres und krümeliges Material, das deutlich anders aussieht, als die frischen Küchenreste.
Reif ist der Wurmhumus, wenn kaum noch ursprüngliche Abfälle zu erkennen sind, das Material angenehm erdig richtig und die Würmer sich vor allem dort sammeln, wo frisches Futter liegt. Bei Kisten mit 2 Kammern ist die Ernte besonders einfach, weil die Würmer nach und nach in den frisch gefütterten Bereich wandern.
Das kannst du mit Wurmhumus tun

Wurmhumus ist vielseitig einsetzbar und gerade für Topf- und Kübelpflanzen sehr praktisch. Er wirkt nicht wie ein aggressiver Dünger, sondern verbessert die Erde Schritt für Schritt. Deshalb eignet er sich gut zum Untermischen oder als Ergänzung für bereits vorhandene Erde.
| Einsatz | Wofür geeignet | Anwendung |
| Beimischung zur Erde | Anzuchterde, Jungpflanzen, Zimmerpflanzen, Balkonkästen, Kübel, Beet | In kleiner Menge unter die Erde mischen oder oberflächlich leicht einarbeiten, bei Topfpflanzen reicht ein Anteil von etwa einem Viertel der gesamten Erdmischung |
| Oberflächliche Düngung | Zimmerpflanzen, Kübelpflanzen, Balkonkästen | Wurmhumus dünn auf die Erde geben und leicht einarbeiten, ohne ihn direkt an Stängel oder Stamm zu schieben |
| Einarbeiten ins Beet oder Pflanzloch | Blumenbeete, Gemüsebeete, Stauden, Gehölze | Beim Pflanzen oder Nachdüngen etwas Wurmhumus in die obere Bodenschicht oder ins Pflanzloch einarbeiten |
Wurmhumus lässt sich am einfachsten als Beimischung für Topf- und Pflanzerde, als dünne Auflage für Kübel- und Zimmerpflanzen oder direkt im Beet verwenden. Damit verbessert er die Bodenstruktur, hält Wasser besser im Wurzelbereich und bringt zugleich zusätzliche Nährstoffe in die Erde.
Wurmhumus lagern
Nicht immer wird der fertige Wurmhumus sofort benötigt. Wenn etwas übrig bleibt, kannst du ihn noch eine Weile aufbewahren. Am besten eignet sich dafür ein verschließbarer Behälter, der nicht völlig luftdicht ist. Kleine Öffnungen für den Gasaustausch sind sinnvoll. Wichtig ist bei der Lagerung:
- kühl und schattig aufbewahren
- nicht vollständig austrocknen lassen
- nicht zu nass lagern
- nur saubere Behälter verwenden
So bleibt der Wurmhumus noch längere Zeit brauchbar, bis du ihn für Töpfe, Kübel oder Beete einsetzen möchtest.
Ein kleiner Kreislauf, der im Alltag funktioniert
Ein wenig Aufmerksamkeit braucht deine Wurmkiste, aber keine komplizierte Pflege. Wenn Standort, Feuchtigkeit und Futtermenge passen, wird aus Küchenabfällen nach und nach ein wertvoller Bodenverbesserer für deine Pflanzen. Du kannst also aus Resten, die sonst im Müll landen würden, etwas Sinnvolles entstehen lassen. Und viel Platz braucht dieser kleine Kreislauf auch nicht.