Ist von Schnecken die Rede, schrillen bei vielen Hobbygärtnern sofort die Alarmglocken. Kein Wunder, denn Schnecken gehören zu den unliebsamen Besuchern im Blumen- und vor allem im Gemüsebeet. Der Grund: Sie haben einen gewaltigen Appetit auf ganz bestimmte Pflanzen und können diese innerhalb einer einzigen Nacht komplett kahlfressen.
Besonders beliebt sind Gemüsearten wie Salat, Zucchini, Gurken, Kürbis, junge Kohlpflanzen und Radieschen. Im Blumenbeet machen sie sich gerne über Tagetes, Dahlien, Ringelblumen, Sonnenhut und junge Sonnenblumen her. Verantwortlich dafür ist allerdings längst nicht jede Schnecke. Vor allem Nacktschnecken wie die Spanische Wegschnecke lassen es sich in unseren Beeten schmecken.
Doch Schnecken können weit mehr, als nur den Salat zu ruinieren. Einige besitzen Tausende Zähne, andere können Teile ihrer Tentakel samt Augen nachbilden und wieder andere landen sogar in Kosmetikprodukten. Zeit also für zehn Fakten über Schnecken, die du vielleicht noch nicht kanntest.
10 Fakten über Schnecken
Fakt 1: Die Schneckenaugen sitzen auf den Tentakeln
Schnecken besitzen Tentakel – viele nennen sie auch Fühler. Das kommt nicht von ungefähr, denn von den vier Tentakeln, zwei langen und zwei kurzen, dienen die kurzen tatsächlich zum Tasten. Wenn Schnecken durch den Garten kriechen, kannst du beobachten, wie sie diese Tentakel bei einer Berührung schnell einziehen.
Die langen Tentakel haben dagegen eine andere Aufgabe: An ihren Spitzen sitzen die Augen. Diese sind sehr einfach aufgebaut und mit Linsenaugen vergleichbar, ermöglichen aber kein scharfes Sehen. Schnecken können damit Licht, Dunkelheit, Bewegungen und grobe Umrisse erkennen, allerdings keine feinen Details oder Farben.
Wird ein Tentakel verletzt oder geht ein Teil davon verloren, kann er bei bestimmten Schneckenarten sogar wieder nachwachsen – einschließlich des Auges. Die erhöhte Position der Augen hilft der Schnecke außerdem dabei, Hindernisse, Lichtquellen und Bewegungen über dem Boden wahrzunehmen.
Fakt 2: Schnecken haben kein einheitliches Geschlecht
Die meisten Landschnecken und viele Wasserschnecken sind gleichzeitig männlich und weiblich, sie sind also Zwitter. Das bedeutet, dass sie sowohl Spermien als auch Eizellen besitzen. Für die Fortpflanzung benötigen sie trotzdem meist einen Partner. Während der Paarung werden Spermien ausgetauscht, anschließend können beide Tiere befruchtete Eier ablegen.
Trotz dieses Zwittertums gibt es bei vielen Schneckenarten ein erstaunlich komplexes Balzverhalten. Dabei kommen Schleimspuren, Duftstoffe oder der berühmte „Liebespfeil“ zum Einsatz. Bei der Weinbergschnecke handelt es sich dabei um einen Kalkstachel, der während der Paarung eingesetzt wird und bestimmte Stoffe überträgt.
Einige Schneckenarten, beispielsweise manche Achatschnecken, können sich bei fehlendem Partner sogar selbst befruchten. Genetisch ist das allerdings ungünstiger. Daneben gibt es auch getrenntgeschlechtliche Schnecken. Dazu gehören viele Meeresschnecken wie Kegelschnecken oder Napfschnecken.
Fakt 3: Die Schneckenzunge hat bis zu 25.000 winzige Zähnchen
Der Mund einer Schnecke befindet sich direkt unterhalb der Tentakel und ist normalerweise kaum zu erkennen. Noch weniger sieht man das, was sich darin verbirgt: die sogenannte Radula.
Dabei handelt es sich um eine Art Raspelzunge mit zwischen 1.000 und 25.000 mikroskopisch kleinen Zähnchen. Sie sind in Reihen angeordnet und unterscheiden sich je nach Schneckenart und Nahrung in Anzahl, Form und Anordnung.
Du kannst dir die Radula wie ein winziges Schleifband oder eine Feile vorstellen. Damit schaben Schnecken ihre Nahrung ab und können Pflanzen, Algen, Aas und sogar andere Schnecken fressen. Da sich die kleinen Zähnchen mit der Zeit abnutzen, werden sie ständig ersetzt. Neue Zähne entstehen im hinteren Bereich und wandern nach vorne – fast wie auf einem Förderband.
Fakt 4: Schnecken können sich erstaunlich gut orientieren
Neben ihren Tentakeln und Augen besitzen Schnecken noch weitere Möglichkeiten, um sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden.
- Chemische Orientierung durch Geruch und Geschmack: Schnecken besitzen sehr empfindliche Sinneszellen an den unteren Tentakeln. Damit nehmen sie Gerüche und chemische Spuren im Boden, an Pflanzen und sogar in den Schleimspuren anderer Schnecken wahr. So finden sie Nahrung, Partner und geeignete Plätze für die Eiablage.
- Tast- und Bodenkontakt: Der gesamte Körper der Schnecke, besonders der Kopfbereich und der Fuß, reagiert empfindlich auf Hindernisse, Oberflächenstrukturen und Bodenvibrationen. Dadurch kann sich die Schnecke durch ihre Umgebung tasten.
- Schleimspur als Gedächtnis: Schnecken können ihre eigenen Schleimspuren erkennen und wiederfinden. Manche Arten folgen ihnen sogar gezielt zurück – fast wie einem eingebauten Navigationssystem.
- Lernfähigkeit und Erinnerung: Schnecken besitzen ein einfaches Gedächtnis. Sie können sich beispielsweise merken, wo Nahrung zu finden ist oder wo Gefahren lauern – teilweise über mehrere Tage hinweg.
Fakt 5: Manche Schnecken haben Kiemen

Kiemen findet man natürlich vor allem bei Wasserschnecken, also bei Meeresschnecken und verschiedenen Süßwasserschnecken. Dazu gehören beispielsweise Turmschnecken, Posthornschnecken, Napfschnecken, Kegelschnecken und Wellhornschnecken.
Die Kiemen befinden sich meist in der sogenannten Mantelhöhle, einer Kammer im Inneren beziehungsweise unter dem Gehäuse. Wasser strömt durch diese Höhle und die Kiemen entziehen ihm den Sauerstoff. Das funktioniert ähnlich wie bei Fischen: Das Wasser strömt über die Kiemenlamellen, Sauerstoff gelangt ins Blut und Abfallstoffe werden an das Wasser abgegeben.
Fun Fact: Einige Süßwasserschnecken besitzen sowohl eine primitive Lunge als auch Möglichkeiten zur Sauerstoffaufnahme unter Wasser. Dadurch können sie unter Wasser leben und zusätzlich an die Wasseroberfläche kommen, um Luft aufzunehmen.
Fakt 6: Nacktschnecken riechen durch ihre Haut
Schnecken mit Gehäuse können sich bei Gefahr in ihr Haus zurückziehen. Nacktschnecken fehlt dieser Schutz, weshalb ihre Haut besonders wichtige Funktionen übernimmt. Dort sitzen unter anderem Chemorezeptoren, also Sinneszellen, mit denen die Tiere chemische Stoffe aus ihrer Umgebung wahrnehmen können. Dazu gehören Gerüche und Signale von Nahrung wie verrottenden Pflanzen und Pilzen, von anderen Schnecken, von möglichen Feinden oder schädlichen Substanzen sowie Hinweise auf feuchte oder trockene Bereiche.
Besonders wichtig für den Geruchssinn sind zwar die unteren Tentakel, doch auch die Haut liefert zusätzliche Informationen über die Umgebung. Das kann vor allem dann hilfreich sein, wenn Tentakel beschädigt wurden.
Fakt 7: Manche Schnecken sind Kannibalen
Kannibalismus kommt auch bei Schnecken vor. Einige Arten fressen Artgenossen, deren Eier sowie geschwächte oder tote Tiere. Unter Gärtnern besonders bekannt ist der Tigerschnegel. Diese Schneckenart frisst neben Pilzen und abgestorbenem Pflanzenmaterial gelegentlich auch andere Nacktschnecken oder deren Eier. Deshalb wird sie im Garten häufig als eher nützlicher Schneckenbewohner angesehen.
Eine ausgesprochen räuberische Art ist die nordamerikanische Wolfsschnecke. Auch Achatschnecken können bei Nahrungsknappheit Eier oder Jungtiere fressen. Darüber hinaus leben zahlreiche Meeresschnecken räuberisch und machen Jagd auf andere Weichtiere oder sogar auf Artgenossen.
Fakt 8: Schnecken fallen in Kältestarre oder Sommerruhe
Bekannt ist vor allem die Winterruhe vieler Schnecken. Gehäuseschnecken ziehen sich bei Kälte in ihr Haus zurück und können die Öffnung mit einem Kalk-Schleim-Deckel verschließen. Dabei wird der Stoffwechsel stark heruntergefahren. Die Tiere nehmen keine Nahrung auf, bewegen sich kaum und Herzschlag sowie Atmung verlangsamen sich deutlich. Zu den bekannten Beispielen gehört die Weinbergschnecke.
Auch Nacktschnecken können in eine Kältestarre fallen, sind dabei allerdings deutlich schlechter geschützt. Arten wie der Tigerschnegel oder die Rötliche Wegschnecke vergraben sich tief im Boden oder suchen Schutz unter Steinen, Laub und Totholz. Bei starkem Frost überleben trotzdem viele Tiere den Winter nicht.
Doch nicht nur Kälte zwingt Schnecken zur Pause. Wird es im Sommer zu heiß und trocken, können sie eine Sommerruhe einlegen. Gehäuseschnecken ziehen sich in ihr Haus zurück, andere Arten suchen feuchte Erdlöcher und geschützte Verstecke auf. Der Stoffwechsel wird reduziert, damit möglichst wenig Wasser verloren geht.
Fakt 9: Schnecken können rückwärts kriechen
Es kommt zwar selten vor, aber wenn es nötig ist, können Schnecken tatsächlich rückwärts kriechen.
Sie bewegen sich mithilfe ihres Kriechfußes. Dabei erzeugt die Muskulatur wellenartige Bewegungen, durch die das Tier auf seinem Schleimfilm vorwärtsgleitet.
Gerät eine Schnecke in eine Situation, in der sie nicht weiterkommt, trifft sie plötzlich auf ein Hindernis oder möchte sie einen kurzen Weg zurücksetzen, kann sie ihre Bewegungsrichtung ändern und rückwärts kriechen. Das funktioniert deutlich langsamer als die normale Vorwärtsbewegung und wird deshalb nur selten genutzt. Der Rückwärtsgang ist bei Schnecken also eher eine Notlösung als die bevorzugte Fortbewegungsart.
Fakt 10: Schneckenschleim wird in Kosmetik verwendet
Schneckenschleim ist vermutlich nicht das Erste, was du dir freiwillig ins Gesicht schmieren würdest. Oder etwa doch? Tatsächlich wird Schneckenschleim seit Jahren in zahlreichen Kosmetikprodukten eingesetzt.
Er enthält verschiedene natürliche Bestandteile, die in der Hautpflege geschätzt werden:
- Allantoin: unterstützt die Hautregeneration und wirkt beruhigend.
- Kollagen und Elastin: werden mit Hautelastizität und Feuchtigkeit in Verbindung gebracht.
- Glycolsäure: löst abgestorbene Hautzellen und wird in der Hautpflege eingesetzt.
- Vitamine A, C und E: besitzen antioxidative Eigenschaften.
- Hyaluronsäure: bindet Feuchtigkeit.
- Antimikrobielle Peptide: können das Wachstum bestimmter Mikroorganismen hemmen.
In der Kosmetik findet sich Schneckenschleim deshalb unter anderem in Anti-Aging-Cremes, Feuchtigkeitsseren, Produkten zur Aknepflege, Narbenpflege und in verschiedenen Hautgelen. Besonders verbreitet sind solche Produkte in Ländern wie Südkorea und Japan. Mittlerweile werden sie aber auch in Europa und den USA immer häufiger angeboten.
Die Verwendung von Schneckenschleim ist übrigens keine moderne Erfindung. Bereits in der Antike wurden Schnecken beziehungsweise deren Schleim im Zusammenhang mit Hautbeschwerden verwendet.




